10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Peter Schneider [ Deutschland ]

Biographie

© privat
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Gast des ilb 2002, 2003, 2005, 2007, 2008.

Bibliographie

Lenz
Rotbuch Verlag
Berlin, 1973

Messer im Kopf
Rotbuch Verlag
Berlin, 1979

Der Mauerspringer
Luchterhand
Darmstadt, 1982

Paarungen
Rowohlt
Berlin, 1992

Eduards Heimkehr
Rowohlt
Berlin, 1999

Das Fest der Missverständnisse
Rowohlt
Berlin, 2003

Skylla
Rowohlt
Berlin, 2005

Rebellion und Wahn
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2008

Peter Schneider wurde 1940 in Lübeck geboren und wuchs in Freiburg auf, wo er sein Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie aufnahm. Er beendete seine Ausbildung in Berlin. Im Bundestagswahlkampf von 1965 schrieb er Reden für SPD-Politiker. 1967/68 avancierte Schneider zu einem der Wortführer der 68er-Bewegung. Er schrieb Erzählungen, Romane, Drehbücher und Reportagen sowie Essays und Reden, die in pointierter Weise zu den politischen und ideologischen Fragen seiner Zeit Stellung bezogen. Seit 1985 unterrichtet er als Gastdozent an amerikanischen Universitäten, unter anderem Stanford und Princeton; seit 1996 lehrt er als Writer in Residence an der Georgetown University in Washington DC.

Peter Schneiders Texte verbinden häufig Politik und Literatur. Der Protagonist seiner Erzählung »Lenz« (1973) ist ein Widergänger des Büchnerschen Lenz, der einst am eigenen Freiheitsdrang zerbrach. Der Lenz der späten sechziger Jahre agitiert intensiv mit Plakaten und Texten und nimmt an Demonstrationen und Sit-Ins teil. Als ihn unerwartet seine Freundin verlässt, erscheint ihm sein bisheriges Leben sinnlos. Nach einer geradezu purgatorischen Reise quer durch Italien verwirft er die kopflastigen Theorien und findet ein neues, befreites Verhältnis zu sich selbst – was vor allem heißt: zu seinem Körper und zur eigenen Wahrnehmung. In »Der Mauerspringer« (1982) setzt sich Schneider mit der »Mauer im Kopf« auseinander – der Begriff stammt von ihm. Das Buch wurde letzten Herbst als »Penguin Modern Classic« mit einem Vorwort von Ian McEwan neu veröffentlicht.

»Paarungen« (1992), Schneiders erster Roman, ist eine präzise Auseinandersetzung mit den verblassten Vorstellungen der Studentenbewegung von 1968. Alle Reflexionsstränge gehen von jener Kneipe aus, in der die Hauptfigur Eduard Gespräche mit Freunden führt. Der Protagonist, ein Molekularbiologe, ist längst Teil jener Gesellschaft, gegen die er einmal aufbegehrt hat, und so erprobt er, was nach zwanzig Jahren von den linken Utopien übrig geblieben ist. Schneiders Erzählband »Das Fest der Missverständnisse« (2003) versammelt eine Auswahl alter und neuer Texte. In einer lapidaren, trügerisch leichten Sprache werden hier jene Augenblicke festgehalten, in denen der Verstand aussetzt und sich das Leben als »Fest der Missverständnisse« erweist. So etwa im Falle Burks, der sich der Erforschung der nationalsozialistischen Medizingeschichte verschrieben hat, sie zur Obsession werden lässt und an ihr zerbricht (»Skizze eines Enthüllers«). Nach Erscheinen des Romans »Skylla« (2005), der von den Abenteuern des Hausbaus im südlichen Italien erzählt, veröffentlichte Schneider zuletzt eine autobiografische Skizze mit dem Titel »Rebellion und Wahn« (2008). Darin verschränken sich die Jahre des Aufbruchs von 1967/68 und eine Amour fou, der Widerstreit zwischen Künstlerehrgeiz und politischem Aktivismus sowie das Nebeneinander von Welterlösungsideen und tiefer persönlicher Verzweiflung. Peter Schneider lebt in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

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