10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Jenny Erpenbeck [ Deutschland ]

Biographie

© Katharina Behling
© Katharina Behling

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Geschichte vom alten Kind
Eichborn
Berlin, 1999

Katzen haben sieben Leben
Eichborn
Berlin, 2000

Tand
Eichborn
Berlin, 2001

Wörterbuch
Eichborn
Berlin, 2004

Heimsuchung
Eichborn
Berlin, 2008

Jenny Erpenbeck wurde 1967 in Ost-Berlin in eine Schriftstellerfamilie geboren. Sowohl ihre Großeltern, Hedda Zinner und Fritz Erpenbeck, beides bekannte Größen in der Kulturszene der DDR, als auch ihr Vater John Erpenbeck und Mutter Doris Kilias waren als Schriftsteller tätig.

Nach ihrem Schulabschluss absolvierte Erpenbeck eine Lehre als Buchbinderin und arbeitete als Requisiteuse und Ankleiderin an der Staatsoper Berlin, bevor sie in Berlin Theaterwissenschaften und Musiktheaterregie studierte. Sie arbeitete seit 1998 als als freie Regisseurin und inszenierte Opern, darunter »Acis und Galathea«, an der Staatsoper Berlin (2003), »Orpheus in der Unterwelt« im Palais Potsdam (2004) und Mozarts »Zaide« in Erlangen (2006). 2000 inszenierte sie ihr erstes eigenes Theaterstück »Katzen haben sieben Leben« am Grazer Schauspielhaus. 2007 schrieb sie ein Jahr lang eine Kolumne für die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«.

Mit dem Roman »Geschichte vom alten Kind« debütierte Erpenbeck 1999 als Schriftstellerin. In nüchterner Sprache schildert sie die Geschichte eines plump-hässlichen Mädchens, das aus dem Nichts auftaucht, jede Aussage über sich selbst verweigert und schließlich in einem Kinderheim landet, in dem es durch grenzenlose Passivität und Unterordnung versucht, die niedrigste soziale Sprosse zu besetzen. So »empfindet es in dem Moment, in dem es geschubst wird … eine sehr große Beruhigung darüber, dass es diesen untersten Platz einnimmt, den niemand ihm streitig macht, einen Platz, den es nicht unter übergroßer Anstrengung erringen und halten muss«. Zunächst scheint es, als ob das Mädchen die pubertären Spielchen der anderen Kinder von unten aus durchschaue und nur darauf warte, dass diese endlich erwachsen würden. Am Ende stellt sich heraus, dass sie es selbst ist: Eine etwa dreißig Jahre alte Frau hatte sich als 14-Jährige ausgegeben. 2003 wurde eine Fassung des Romans am Kasseler Staatstheater aufgeführt.

Erpenbecks neuester Roman »Heimsuchung« (2008) entwickelt in Episoden eine Familiengeschichte in Brandenburg. Zwölf verwobene Schicksale führen den Leser durch die deutsche Geschichte: Erster Weltkrieg, Drittes Reich, DDR und Nachwendezeit. Ein Epos ist dennoch nicht daraus geworden. Stattdessen fügte sie den Roman aus Teilen zusammen, die die einzelnen Schicksale ausleuchten. Es entstand eine fein austarierte Komposition, ein »kühnes Experiment, ein eindrucksvoller Roman«, so Martin Halter.

Erpenbecks Romane wurden in 14 Sprachen übersetzt. Sie erhielt zahlreiche Preise, darunter den Ingeborg-Bachmann-Preis für die Erzählung »Sibirien« (2001). 2006 war sie Inselschreiberin der Stiftung kunst:raum sylt quelle. 2008 erhielt sie den Heimito-von-Doderer Literaturpreis, den Solothurner Literaturpreis für ihr Gesamtwerk. »Heimsuchung« wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse 2008 nominiert. Erpenbeck lebt mit ihrem Sohn in Berlin.

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