Ivan Vladislavić [ Südafrika, Deutschland ]
Biographie
Ivan Vladislavić wurde 1957 in Pretoria geboren. Seit den frühen siebziger Jahren lebt er in Johannesburg, wo er an der University of the Witwatersrand Afrikaans und Anglistik studierte. Er arbeitete als Lektor des oppositionellen Verlags »Ravan Press« und gab jahrelang das einflussreiche Literatur- und Kulturmagazin »Staffrider« mit heraus.
Seit 1989 ist Vladislavić freier Schriftsteller und Lektor. Er gilt als überragender Stilist und originelle Stimme der südafrikanischen Literatur. Im Zentrum seines Werkes stehen Themen aus Kunst und Architektur. Anhand dieser Sujets zeigt Vladislavić sowohl in seinen postmodern inspirierten Erzählungen und Romanen als auch in seiner Arbeit als Essayist und Herausgeber von Monografien und Anthologien so sinnbildlich wie unprätentiös gesellschaftliche Entwicklungen, insbesondere nach dem Ende der Apartheid. Vladislavićs erster Roman »The Folly« (1993; dt. »Der Plan des Baumeisters«, 1998) erzählt von einem mysteriösen Hausbau. Während die Nachbarsfamilie das bizarre Treiben des Eigentümers auf der bisherigen Brache fassungslos verfolgt, gerät ihr wohlgeordnetes Leben aus den Fugen. In den letzten drei erzählerischen Werken Vladislavićs ist die Stadt Johannesburg selbst Hauptfigur. »The Restless Supermarket« (2001; Ü: Der ruhelose Supermarkt) berichtet vom Wandel der weißen Vorstadt Hillbrow, in die immer mehr schwarze Bewohner zuziehen. Die vier Erzählungen in »The Exploded View« (2004; Ü: Der explodierte Blick) spüren den Beziehungen zwischen einzelnen Menschen und ihren Wohnorten nach. »Portrait with Keys« (2006; dt. »Johannesburg. Insel aus Zufall«, 2008) schließlich verschränkt Autobiografie und Fiktion in 138 Episoden und Notizen. Im titelgebenden Textstück erklärt der Erzähler einer erstaunten schwedischen Journalistin die Funktionen der zahlreichen Schlüssel an seinem Schlüsselbund und wirft da mit ein bezeichnendes Licht auf die Sicherheitslage der Stadt. Die Episode, auf die der deutsche Titel verweist, beschreibt die geografische und verkehrstechnische Insellage von Johannesburg. Vladislavić überdehnt diese Metapher (wie er selbstreflexiv kommentiert), indem er sie in verschiedenen Kontexten aufgreift, um auf den herrschenden Wassermangel anzuspielen, obwohl »Johannesburg für seine reizvollen Wasserstraßen bekannt ist«. Mit präzisen Beobachtungen und leisem Humor entsteht eine ungewöhnliche Chronologie der Post-Apartheids-Jahre jenseits der abgenutzten Begriffe, die Vladislavić einem salbadernden Bettler in den Mund legt: »Verbrechenswelle. Regenbogennation. Anständige Südafrikaner. Halten zusammen. Gottes Kinder. Diebe. Lügner. Liebe. Langsam fahre ich an, steuere mit der linken Hand vom Straßenrand weg und kurbele mit der rechten das Fenster hoch.«
Vladislavić wurde mit den bedeutendsten südafrikanischen Preisen ausgezeichnet, darunter der Olive Schreiner Prize, der CNA Literary Award, der Sunday Times Literary Award und der Sunday Times Alan Paton Award. Er war Stipendiat der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart und der Stiftung kunst:raum sylt quelle. Die Essaysammlung »William Kentridge: Tapestries« (2008; Ü: William Kentridge: Wandteppiche) enthält seine neusten Aufsätze.
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