Ha Jin [ China, USA ]
Biographie
Ha Jin wurde 1956 unter dem Namen Jin Xuefei als Offizierssohn in der nordchinesischen Kleinstadt Jinzhou geboren. Während der Kulturrevolution trat er mit 14 Jahren in die Volksbefreiungsarmee ein und diente an der Grenze zur Sowjetunion. Als 1977 die Universitäten wieder eröffnet wurden, studierte er an der Universität Harbin Englisch und anschließend an der Shandong-Universität Amerikanische Literatur. 1985 ging er mit einem Stipendium an die Brandeis University in Waltham, Massachusetts, um dort zu promovieren. Drei Jahre später vollendete er das Manuskript für seinen ersten Gedichtband, »Between Silences« (1990; Ü: Zwischen Schweigen). Nach der blutigen Niederschlagung des Studentenprotests auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989 blieb er in den USA. Er besuchte das Creative Writing Program an der Boston University und erhielt nach einiger Zeit des mühsamen Broterwerbs eine Anstellung als Dozent für Lyrik, Prosa und Englische Literatur an der Emory in Atlanta University. Seit 1997 ist er amerikanischer Staatsbürger.
Neben drei Lyrikbänden veröffentlichte Ha Jin Kurzgeschichten und fünf Romane, für die er mit bedeutenden amerikanischen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. Wie Nabokov und Conrad wählte er die Fremdsprache Englisch für sein Schreiben, die er lakonisch, klar und zurückhaltend einsetzt: »Ich will ein amerikanischer Autor sein, denn die Immigranten-Erfahrung war immer ein herausragender Teil der amerikanischen Kultur.« Dennoch blieb lange Zeit China der Handlungsort seiner Geschichten, die am Alltagsleben gewöhnlicher Menschen zeigen, wie Individualität von sozialen Normen und politischen Zwängen unterdrückt wird. Sein erster Roman, »In the Pond« (dt. »Im Teich«, 2001), ist eine Satire über einen chinesischen Fabrikarbeiter, der gegen die Ungerechtigkeiten korrupter Vorgesetzter kämpft, bis er sich ihnen nach seinem Aufstieg schließlich anpasst. »Waiting« (dt. »Warten«, 2000), der Roman, der Ha Jin international bekannt machte, beschreibt eine Liebe im China der 1960er Jahre, die an überkommenen Traditionen zerbricht. »War Trash« (2004; dt. »Kriegspack«, 2005) schildert die Erlebnisse eines chinesischen Soldaten im Koreakrieg, der in amerikanischer Gefangenschaft zwischen die Fronten von National- und Rotchinesen gerät und die Unmenschlichkeit des Kriegs auf beiden Seiten erlebt. Sein zuletzt auf Deutsch erschienener Roman »A Free Life« (2007; dt. »Ein freies Leben, 2009) spielt zum ersten Mal in den USA und thematisiert die Erfahrungen eines chinesischen Immigranten.
Zu Ha Jins zahlreichen Auszeichnungen gehören u. a. der PEN/Hemingway Award, der National Book Award und der PEN/Faulkner Award. Er arbeitet als Professor für Creative Writing an der Boston University und war 2008 als Fellow an der American Academy in Berlin.
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