Rolf Hochhuth [ Deutschland ]
Biographie
Rolf Hochhuth wurde 1931 im hessischen Eschwege geboren. Nach Abschluss seiner Lehre als Sortimentsbuchhändler arbeitete er zunächst in Buchhandlungen in Marburg, Kassel und München. 1955 nahm er eine Tätigkeit als Lektor beim Bertelsmann-Lesering an, für den er verschiedene Werkausgaben und Anthologien betreute. 1963 zog es ihn ins Baseler Land, wo er seither als freier Schriftsteller lebt.
Rolf Hochhuth hat neben einzelnen Prosastücken vor allem dramatische Werke verfasst und gilt als wichtiger Vertreter des deutschen Dokumentarischen Theaters. Seine Bühnenstücke verknüpfen fiktive Dialoge mit historischen Beweis- und Belastungsmaterialien, wobei das Künstlerische bisweilen hinter das Faktische zurücktritt. Sein Gespür für politisch wie emotional stark aufgeladene Themen hat ihn zu einem der hierzulande erfolgreichsten, aber auch umstrittensten zeitgenössischen Dramatiker gemacht. Mit seinen Vorstößen in gesellschaftliche Tabuzonen und seiner unbedingten Forderung nach moralischer Verantwortung des Individuums hat Hochhuth zur Entwicklung eines kritischen Bewusstseins im Nachkriegsdeutschland beigetragen. Für sein Lebenswerk wurde der Autor vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Jacob-Grimme-Preis, der im Jahr 2001 erstmals vergeben wurde.
Schon Hochhuths literarischer Erstling bewies, dass das Schreiben auch politisch etwas bewegen kann. Das 1963 in Berlin uraufgeführte Dokumentardrama „Der Stellvertreter“ stellte die Frage nach der Mitschuld von Papst Pius XII. an den Verbrechen des Dritten Reichs, und die überwältigende Resonanz in ganz Europa zwang die Kirche zur Auseinandersetzung mit ihrer unrühmlichen Geschichte. Ebenso folgenreich war Hochhuths 1978 erschienene Erzählung „Eine Liebe in Deutschland“, die wie das Stück „Juristen“ (1979) in den Zusammenhang seiner Beschäftigung mit der Rolle ehemaliger NS-Richter im Deutschland der siebziger Jahre fällt. Der Autor griff darin unter anderem den zu jener Zeit amtierenden Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Hans Filbinger an, der sich in der Folge der Enthüllungen seiner Vergangenheit als Marinerichter im Nationalsozialismus zum Rücktritt gezwungen sah.
Zuletzt machte Hochhuth 2003 mit „McKinsey kommt“ von sich reden, eine Auseinandersetzung mit Profitgier und Arbeitslosigkeit im vom Kapitalismus regierten Deutschland der Nachwendezeit. Das Stück, das die Unausweichlichkeit einer künftigen sozialen Revolution feststellt, entwickelte sich noch vor der Uraufführung zum Politikum: Hochhuth wurde die Befürwortung von Selbstjustiz und politisch motiviertem Mord vorgeworfen. Doch der Autor hat sich von dieser Kritik nicht beirren lassen; er will auch in Zukunft radikal politisches Theater machen, denn: „Auf der Bühne muss Klartext gesprochen werden.“
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