Amir Valle [ Kuba ]
Biographie
Amir Valle wurde 1967 in Guantánamo auf Kuba geboren. Er studierte Journalismus an der Universidad de Oriente in Santiago de Cuba und Publizistik an der Universität von Havanna. Zunächst war er in der Werbung tätig, später in einem spanischen Musikverlag und schließlich beim Instituto Cubano del Libro. Valle ist Herausgeber von über dreißig Büchern. Er arbeitet seit 1989 als Journalist, Essayist und Literaturkritiker für kubanische, europäische und nordamerikanische Zeitungen. Bis zu ihrem Verbot war er Chefredakteur der digitalen Zeitschrift »Letras en Cuba«. 2005 verließ er Kuba für eine Lesereise und erhielt keine Rückkehrerlaubnis. Im August 2006 bekam er vom P.E.N.-Zentrum Deutschland ein »Writers in Exile«-Stipendium.
Amir Valle zählt zu einer Gruppe kubanischer Autoren, die seit Beginn der neunziger Jahre den Kriminalroman nutzen, um auf soziale und wirtschaftliche Missstände hinzuweisen und – meist unterschwellig – auch politische Kritik zu üben. In Valles Kriminalromanen, darunter »Las puertas de la noche« (2001; dt. »Die Türen der Nacht«, 2005), »Sí Cristo te desnuda« (2001; dt. »Wenn Cristo dich entkleidet«, 2006), »Ultimas noticias del infierno« (2005; Ü: Letzte Nachrichten aus der Hölle) und »Santuario de sombras« (2006; dt. »Freistatt der Schatten«, erscheint 2008), bewegen sich der rassistische, weiße Polizeileutnant Alain Bec und sein schwarzer Freund Alex Varga durch ein düsteres Havanna der Drogen- und Menschenhändler, der Prostitution, der Gewalt und der Korruption. Mit der Prostitution befasste sich Valle auch in seiner journalistischen Langzeitstudie »Jineteras« (2006; dt. »Habana Babilonia. Prostitution in Kuba«, erscheint 2008). Er schrieb darüber hinaus erotische Kurzgeschichten und Romane, darunter »Ciudad jamás perdida« (1998; Ü: Niemals verlorene Stadt), der bislang lediglich in schwedischer Übersetzung verlegt wurde, und »Los desnudos de díos« (2004; dt. »Die Haut und die Nackten«, 2005).
Zwar erhielt Valle für seine journalistische und schriftstellerische Arbeit bereits etliche kubanische und internationale Preise; sein bislang größter Erfolg war jedoch im November 2006 die Auszeichnung mit dem internationalen Romanpreis »Mario Vargas Llosa« für »Las palabras y los muertos« (2007; dt. »Die Wörter und die Toten«, 2007). In den Stunden nach Castros Tod lässt Facundo, der seit der Sierra Maestra dessen Leibwächter war, die Vergangenheit Revue passieren. Er erinnert sich an die wichtigsten Etappen der Geschichte der Revolution, an den Menschen Castro mit seinen Fehlern, an politische Intrigen, an Skandale und Fehlentwicklungen und an den Machtkampf um Castros Nachfolge. Valle setzt mit diesem Roman, in dem er die Regierung Castros heftiger denn je kritisiert, der verlautbarten Geschichte Kubas jene entgegen, die die Bürger erlebt haben, und er erzählt die unzähligen Geschichten, die aus den Kreisen der Macht über die Jahre durchgesickert sind. Amir Valle lebt in Berlin.
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