10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Thomas Kapielski [ Deutschland ]

Biographie

© Andreas Hiepko
© Andreas Hiepko

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Aqua Botulus
Maas
Berlin, 1992
 
Nach Einbruch der Nüchternheit
Wiens Verlag
Berlin, 1996
 
Der Einzige und sein Offenbahrungseid
Karin Kramer
Berlin, 2001
 
Davor kommt noch. Gottesbeweise IX-XIII
Zweitausendeins
Frankfurt/Main, 2001
 
Danach war schon. Gottesbeweise I-VIII
Zweitausendeins
Frankfurt/Main, 2002
 
Abstehende Röhren
Zweitausendeins
Frankfurt/Main, 2002
 
Sozialmanierismus
Zweitausendeins
Frankfurt/Main, 2003
 
Weltgunst
Merve

Berlin, 2004

Anblasen: Texte zur Kunst
Merve
Berlin, 2006

Thomas Kapielski wurde 1951 in Berlin-Charlottenburg geboren. Er studierte Geografie, Philosophie und Musikwissenschaft und gehörte als bildender Künstler, Musiker, Performer und Autor der Westberliner Literaturboheme an. Mit »Davor kommt noch. Gottesbeweise IX-XIII« (1998) und »Danach war schon. Gottesbeweise I-VIII« (1999) wandelte er sich vom Geheimtip zum Kultautor. 1999 wurden ihm der Ben-Witter-Preis und der Sprengel-Preis für Bildende Kunst verliehen. Die Jury würdigte den Autor als »universellen, philosophischen Geist, als Schelm mit barockem Witz und Scharfsinn, der lakonisch die unauffällige Verrücktheit des Alltagslebens festhält und sich um Gattungsgrenzen nicht schert«.

Kapielskis anarchischer Sprachwitz klingt schon in den Titeln seiner Werke an. »Einfallspinsel = Ausfallspinsel« (1987) oder »Nach Einbruch der Nüchternheit« (1996) sind charakteristische Beispiele für Kapielskis Kalauerkunst, die sich mit feinem Sprachgefühl allgemeingültigen Aussagen, moralischen Anstandsregeln und modischen Trends jeder Art entzieht. Wie in den »Gottesbeweisen« stecken Kapielskis leichtfüßig komponierte Nonsense-Tiraden voller geistreicher Bezüge auf Philosophie, Theologie und Kunsttheorie. In »Sozialmanierismus. Je dickens destojewski« (2001) wird die Vermutung angestellt: »Könnte sein, dass die für Menschen belangreiche Realität nicht die Struktur der Sachverhalte, sondern der Ereignisse besitzt. Dass sie folglich nicht mit Thesen, sondern mit, von Aristoteles so genannter (also erhabener!) praxeos mimesis, vulgo: mit Wiedergabe von Handlungen, also Geschichtenerzählen, angemessener zu fassen wäre.« So offeriert die für Kapielski typische lose Folge von autobiografischen Alltagsbeobachtungen des Autors ironisch einen gewissen Erkenntnisgewinn. Die hohe Kunst der anspielungsreichen Abschweifung in der Tradition eines Jean Paul wird wahlweise zu einem »Album der Berliner Gegenwart« oder zu »Popliteratur für Philosophen« – wie Kritiker urteilten.

Kapielski bebildert seine Werke gerne mit eigenen Zeichnungen oder Schwarzweißfotografien. Deren so schlichte wie groteske Motive sind zum Beispiel Aschenbecher oder Abfalleimer. Dem bildenden Künstler wird an anderer Stelle ein Besenstiel, dessen Gewinde mit dem einer Wärmflasche verschraubt ist, zur »Sorgenklatsche«. Kapielski präsentierte seine Kunstwerke in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, beispielsweise im Valentin-Musäum in München. Auch Diavorträge, Lesungen und Vorlesungen führten ihn aus seiner Heimatstadt hinaus, wenngleich er überwiegend lokal in Erscheinung trat, wie bei seiner Drohrede »Eat the rich! Für die Rettung des Minigolf-Biergartens« in Berlin-Kreuzberg. Seiner ersten CD mit dem »Original Oberkreuzberger Nasenflöten Orchester« folgte inzwischen das interaktive Hörbuch »Abstehende Röhren« (2002). Kapielski war Professor an der Kunstakademie Braunschweig und lebt zurzeit als freier Schriftsteller in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

Berlin View

Zu beachten: links hängt mein März-Efeu! („Für einen Autor, den wir gern bei MÄRZ verlegt hätten.“ Barbara Kalender & Jörg Schröder, 2002); auf dem Schreibschirm rechts bin ich selbst zu sehen und grüße sie und Sie.

TK

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