Rebecca Solnit [ USA ]
Biographie
Rebecca Solnit wurde 1961 in Kalifornien geboren. Die Essayistin und Historikerin arbeitete für Museen und als Redakteurin und ist seit 1988 freie Schriftstellerin. In ihren Essays spürt sie thematischen Verbindungen aus Kunst- und Kulturgeschichte nach und stellt faktenreich Parallelen zur unmittelbaren Gegenwart und zu zeitgenössischem politischem Aktivismus her. Ihr so kenntnisreiches wie couragiertes Werk wird mit demjenigen Susan Sontags verglichen.
Der Topos der Landschaft und ihr kultureller Stellenwert ist ein Ausgangspunkt vieler Studien Solnits. 1994 erschien »Savage Dreams: A Journey into the Landscape Wars of the American West« (Ü: Wilde Träume. Eine Reise in die Landschaftskriege des Amerikanischen Westen). Teils Reisetagebuch, teils geschichtlicher Abriss und teils meditative Landschaftsbetrachtung, wird darin beschrieben, wie die Atomkriege, die in der Zukunft stattfinden sollten, und die Indianerkriege, die in der Vergangenheit stattgefunden haben sollten, sich in der Gegenwart abspielen. »Wanderlust« (2000), Solnits bislang bekanntestes Buch, wird 2007 auch in deutscher Übersetzung erscheinen. Diese Kulturgeschichte des Gehens behandelt – wie die Autorin schreibt – »Gehen als kulturelle Aktivität: von den peripatetischen Philosophen der griechischen Antike zu den zeitgenössischen paleontologischen Thesen über die Evolution des aufrechten Gangs; von einem ästhetischen Vergnügen im England des 18. Jahrhunderts zur Ausbreitung politisch aktiver Wandervereine zur Jahrhundertwende und der Entstehung der Outdoor-Industrie und von Kletterhallen, Fußgängeraufständen und der Gender-Politik des öffentlichen Raumes.« Eine melancholische Topografie San Franciscos legte sie mit »Hollow City« (2001; Ü: Ausgehöhlte Stadt) vor. Diese von Fotoessays begleitete Studie dokumentiert, wie der Reichtum, der von der Computerindustrie in dieser Stadt erworben wurde, den Verlust urbaner Vielfalt nach sich zog. Optimistisch sind die kämpferischen Essays in ihrem Band »Hope in the Dark« (2004; dt. »Hoffnung in der Dunkelheit«, 2005). Auf das Klima der Enttäuschung und Ermüdung, das sich bei den amerikanischen Intellektuellen und Aktivisten endgültig bei George Bushs Wiederwahl breitgemacht hat, reagiert Solnit hier mit kämpferischem und ermutigendem Einspruch. In ihrem bislang letzten Werk, »A Field Guide to Getting Lost« (2005; Ü: Ein Feldführer in die Irre), versammelt die Autorin autobiografische Essays, die Momente von Unsicherheit, Vertrauen, Verlust, Erinnerung und Begehren reflektieren. Solnit stellt darin das Phänomen des Sich-Verirrens als beängstigende, aber ebenso beglückende Bedingung von Freiheit dar. Der Band wird 2006 in deutscher Übersetzung erscheinen.
Solnit wurde für ihr Werk mit dem Lannan Literary Award und dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet und erhielt Stipendien der Guggenheim Foundation und des National Endowment for the Arts. Sie ist Kolumnistin des Magazins »Orion«, veröffentlicht regelmäßig im Umweltmagazin »Sierra« sowie in Kunstzeitschriften, Museumskatalogen und auf der Internetseite »tomdispatch.com«. Die in Umwelt- und Menschenrechtsbewegungen aktive Autorin lebt in San Francisco.
© internationales literaturfestival berlin
Berlin View
Every one of my books has been written at the same desk in the same bay window facing east, to the house across the street that was at one point an AIDS hospice and is now a collective household for a group of young people who hold cabarets, put up wonderful political banners (including one of Arnold Schwartzenegger as a young bodybuilder with the question "What are you thinking?"), and have a room full of jungle and desert plants, like a Rousseau painting come to life. To work I have to keep the blinds closed, because the California sun is so strong, but after a summer spent in New Mexico I came back missing mountains and tore down the old blinds, which were harder to open and close. I saw almost for the first time the wonderful turrets and towers of the Victorian houses down the street, and decided to name them--as American mountains have been named--after friends, and so out there are Mount Lucy, Mount Maya, and so forth. To the right of the desk is a shelf of books on landscape, nature, and the environment, which, inspired by a local artist's transformation of a whole bookstore into a prism of color I recently sorted by spine color, from Michael Cohen's white A Garden of Bristlecones through the yellow, orange, red, grown, green (lots of green), blue, to the black ones, ending with Barry Lopez's About This Life. To the left are the essays, with the complete Orwell, several volumes of Walter Benjamin, considerable nonfiction by Virginia Woolf, Borges, Sontag, and Annie Dillard, along with James Baldwin, Jaime de Angulo, Guillermo Gomez Pena, Helene Cixous, and Subcommandante Marcos. These two sets of books are like friends on either side of me. A half-gallon glass bottle, usually used for canning fruits, holds water so I can drink throughout the day, sits on a silver tray with a Japanese wooden carving, my father's stapler, and another glass of pens.......



