Navid Kermani [ Deutschland ]
Biographie
Navid Kermani wurde 1967 als vierter Sohn iranischer Eltern in Siegen geboren. Nach dem Studium der Islamwissenschaft, Theaterwissenschaft und Philosophie in Köln, Kairo und Bonn lehrte er an der Universität Bonn und war als Dramaturg am Schauspielhaus Frankfurt sowie am Mülheimer Theater an der Ruhr tätig. Seine Dissertation aus dem Jahr 1997, eine umfangreiche Rezeptionsanalyse des Koran, wurde im Jahr 2000 mit dem Ernst-Bloch-Förderpreis ausgezeichnet und erreichte schon mehrere Auflagen.
Aus Berichten und Reportagen, die er seit 1995 als Autor der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über den Iran veröffentlichte, ging sein Buch "Iran. Die Revolution der Kinder" (2001) hervor. Im selben Jahr führte Kermani behutsam durch "Ein Leben mit dem Islam". Es ist die Lebensgeschichte des ägyptischen Gelehrten Nasr Hamid Abu Zaid, dem die moderne Auslegung des Koran nicht nur den Ruf eines Ketzers einbrachte, sondern auch die spektakuläre Zwangsscheidung von seiner Frau. Das Phänomen der Selbstmordattentäter ist Thema von "Dyna mit des Geistes. Martyrium, Islam und Nihilismus" (2002). "Schöner neuer Orient. Berichte von Städten und Kriegen" (2003) versammelt sechs Reportagen über muslimische Regionen, die durch Extremismus und gewaltsame Konflikte in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten sind. Der israelische Soziologe Natan Sznaider schloss sich den durchgehend positiven Rezensionen an und erklärte das Werk sogar zu "einem der wichtigsten Bücher über Globalisierung".
Mit seinem virtuos verdichtenden literarischen Stil hat Kermani, der immer wieder in Exkursen auf authentische Begegnungen und Selbsterlebtes zurückgreift, Maßstäbe für die Kunst der Reportage wie der Historiographie gesetzt. Kermani, iranischer und inzwischen auch deutscher Staatsbürger, gilt als einer der führenden Islamwissenschaftler Deutschlands. Als Kenner und Kritiker der islamischen Welt ist er zugleich einer ihrer wichtigsten Ver mit tler. Er ist zudem als Schriftsteller, Essayist und Literaturkritiker hervorgetreten. 2002 erschien "Das Buch der von Neil Young Getöteten" – eine Homage auf den kanadischen Musiker und zugleich eine Erzählung über Leben und Tod. "Am Ende ist dieses schöne, kluge Büchlein ein großes Lob des Spielens – auf der Bühne und im Leben", so "Die Zeit". In dem zuletzt erschienenen Roman „Kurz mit teilung“ (2007) ist die Geschichte eines plötzlichen Todesfalles der Ausgangspunkt für ein dichtes Gewebe an Reflexionen über den Zustand der Wohlstandsgesellschaft. Kermani war Long Term Fellow am Berliner Wissenschaftskolleg. Er lebt in Köln.
© internationales literaturfestival berlin





