10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Paul Nizon [ Schweiz ]

Biographie

© Jerry Bauer / Suhrkamp Verlag
© Jerry Bauer / Suhrkamp Verlag

Gast des ilb 2002.

Bibliographie

Die gleitenden Plätze 
Scherz 
Bern, 1959 
 
Canto 
Suhrkamp 
Frankfurt/Main, 1963 
 
Diskurs in der Enge 
Kandelabern 
Bern, 1970 
 
Im Haus enden die Geschichten 
Suhrkamp 
Frankfurt/Main, 1971 
 
Stolz 
Suhrkamp 
Frankfurt/Main, 1975 
 
Das Jahr der Liebe 
Suhrkamp 
Frankfurt/Main, 1981 
 
Aber wo ist das Leben 
Suhrkamp 
Frankfurt/Main, 1983 
 
Am Schreiben gehen 
Suhrkamp 
Frankfurt/Main, 1985 
 
Im Bauch des Wals 
Suhrkamp 
Frankfurt/Main, 1989 
 
Das Auge des Kuriers 
Suhrkamp 
Frankfurt/Main, 1994 
 
Taubenfraß 
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1999

Untertauchen
Suhrkamp 
Frankfurt/Main, 1999 
 
Die Erstausgaben der Gefühle
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2002
 
Abschied von Europa 
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2003

Das Drehbuch der Liebe
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004
 
Das Fell der Forelle
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2005

Der Schweizer Paul Nizon bewegt sich abseits der Pfade der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur. Zwar befand er sich im Umfeld der Gruppe 47, doch mittlerweile ist er keiner Strömung mehr zuzurechnen; er selbst hat sich einmal als „Autobiographie-Fiktionär“ bezeichnet: Nizon wurde 1929 als Sohn eines russischen Emigranten und einer Bernerin in der Heimatstadt seiner Mutter geboren. Er studierte Kunstgeschichte und promovierte 1957 mit einer Arbeit über Vincent van Gogh. 1961 wurde er zum leitenden Kunstkritiker der "Neuen Zürcher Zeitung" ernannt; seine Flucht weg von diesem prestigereichen Posten hin zu einem unsicheren Leben für die Literatur findet sich literarisch gespiegelt in „Untertauchen. Protokoll einer Reise“ (1972) wieder. Von da an ist das Leben Nizons ein steter Aufbruch, sein Schreiben dessen unermüdliche Reflexion. Die Arbeit als freier Kunstkritiker sicherte den materiellen Unterhalt. Schon in seinem literarischen Debüt „Die gleitenden Plätze“ (1959), das von der Kritik hoch gelobt wurde, zeichnet sich sein Bestreben nach sprachlicher Reflexion, nach Klarstellung in der Sprache ab. Nach Aufenthalten unter anderem in Rom und London lebt er seit 1977 im selbstgewählten Exil: Paris. Seine Bücher werden in der Regel kurz nach Erscheinen der deutschen Ausgabe ins Französische übersetzt und oft erzielen sie jenseits des Rheins höhere Auflagenzahlen als diesseits. Nizon hat sich dabei immer weiter von seinen calvinistischen Schweizer Wurzeln entfernt. Bereits in „Canto“ (1963) stellte er der in seiner Geburtsstadt Bern vorherrschenden verkümmerten bürgerlichen Lebensform das enthusiastisch besungene Rom entgegen. Mit „Im Hause enden die Geschichten“ (1971) vollzog er erneut in gestisch-statischer Sprache die Absage an die Bürgerlichkeit. Und auch in seinem „Diskurs in der Enge“ (1970) polemisiert er gegen die Provinzialität der Schweizer Kunst. Nizons lange Zeit erfolgreichste Erzählung „Stolz“ (1975) handelt von einem geistigen und seelischen Zersetzungsprozess und die mit künstlerischem Engagement verbundene Gefahr des Selbstverlustes – sein Lebensthema. In seinem Paris-Buch „Das Jahr der Liebe“ (1981) verbindet Nizon die Schwierigkeiten der Liebe mit denen einer Künstlerexistenz und feiert darin zugleich die alle Herrlichkeiten des Lebens offenbarenden Frauen, die käufliche Liebe und die Stadt seiner Zuflucht. Nizon war nie ein Vielschreiber. Dafür ist jedes Wort bewusst gesetzt, sind die Zeilen an den passenden Stellen gebrochen: Voraussetzungen einer unverwechselbaren, rhythmisch-individualisierten Literatursprache. 1984 war er Gastdozent am renommierten Lehrstuhl für Poetik der “Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main“. Die aus seinen Vorlesungen hervorgegangenen poetologischen Überlegungen finden sich in dem Bändchen „Am Schreiben gehen. Frankfurter Vorlesungen“ (1985) wieder. Zu seinem 70. Geburtstag hat ihm der Suhrkamp-Verlag, der seinem Autor seit 1963 die Treue hält, eine siebenbändige Werkausgabe gewidmet.

Dirk Naguschewski

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