10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Tendai Huchu - Eine Geschichte für Europa

Eine Geschichte für Europa - Welche Kinder- und Jugendliteratur braucht Europa?

Beitrag von Tendai Huchu (Schottland)

 

 

Kurzes Statement zu »Fahrenheit 451« von Ray Bradbury

Ray Bradbury starb in diesem Jahr. Er wurde 91 und schien nie ganz erwachsen geworden zu sein. Jedenfalls nicht für seine Fans. Sein Werk ist jung und frisch. Seine Bücher zu lesen ist das reinste Vergnügen. Ich möchte der Jugend Europas seinen Klassiker »Fahrenheit 451« ans Herz legen, denn dieser Roman ist in jeder Hinsicht magisch. Es ist eine wunderbare Geschichte, die ihre Leserinnen und Leser in eine andere Welt versetzt, sie aufrüttelt, durcheinanderwirbelt, sie in ihren Bann zieht und atemlos zurücklässt. Dabei ist es eine Dystopie: In einer nicht wirklich fernen Zukunft werden die Bücher von der Feuerwehr verbrannt, denn das ist es, was man im Grunde von »Feuerwehrmännern« erwartet. Oder? Der Protagonist, Guy Montag, ist Feuerwehrmann. Er geht in die Häuser der Menschen und verbrennt Bücher. Die Gesetze in seinem Universum schreiben es vor und Guy Montag ist ein gesetzestreuer Bürger. Wer das Buch liest begreift, wie willkürlich die von Menschen gemachten Gesetze sind. Und beginnt, alles infrage zu stellen und darüber ein besserer Mensch zu werden. Bradbury lehrt uns, dass es letztendlich das Gewissen ist, das in diesem Leben und in einer von Bigotterie, Dogmatismus, Hass und Chaos erfüllten Welt zählt. Kein anderes Buch provoziert seine Leserinnen und Leser so sehr, die Dinge einmal anders zu sehen. Die Lektüre von »Fahrenheit 451«, der Genuss dieser poetischen Prosa, ist wie der erste Kuss, wie die erste wahre Liebe. Nichts wird danach sein, wie es einmal war. Wer dieses Buch liest wird sich für alle Zeit in Literatur verlieben.