Gast beim ilb 2003, 2004
Tilman Spengler wurde 1947 in Oberhausen geboren. In Heidelberg, Taipeh und München studierte er Sinologie, Politologie und neuere Geschichte. Nach seiner Promotion war er zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Sozialwissenschaften in Starnberg. Anfang der 1980er Jahre folgten Forschungs- und Lehraufenthalte an der Akademie der Wissenschaften in Peking und am Wissenschaftskolleg in Berlin. Neben seiner akademischen Tätigkeit schrieb er Reportagen und Essays für „Die Zeit“, „Geo“ und „Die Woche“. Seit 1980 ist er Mitherausgeber des „Kursbuch“. Spengler arbeitet nicht nur als Schriftsteller, Essayist und freier Journalist, sondern auch als Drehbuchautor und Dokumentarfilmer („Bitter Balkan“, 1999) sowie als Redenschreiber für den ehemaligen Kulturminister Michael Naumann und für Bundeskanzler Gerhard Schröder. Spengler war 1999 Stadtschreiber von Mainz und wurde 2003 mit dem Ernst-Hoferichter-Preis für sein Schaffen ausgezeichnet. 1991 gelang ihm mit „Lenins Hirn“ sein erster, viel beachteter Roman, der bisher in 21 Sprachen übersetzt wurde. Im Mittelpunkt der auf historischen Tatsachen beruhenden Romanbiografie steht der Berliner Nervenarzt Prof. Dr. Oskar Vogt (1870 – 1959), der anhand von Lenins Gehirn einen physischen Beweis für Genialität erbringen wollte. Um China, Bilder und Chinabilder geht es augenzwinkernd in „Der Maler von Peking“ (1996) und „Die Stirn, die Augen, der Mund“ (1999). Spengler vereint hier sein sinologisches Wissen mit seiner Freude am Fabulieren und lässt dadurch zwei unterschiedlichen Epochen Chinas lebendig werden. Sein bevorzugter künstlerischer Kniff ist neben der Ironie die Vermischung von Fakten und Fiktionen. Dadurch wird auch sein letztes Buch zum Leseerlebnis. „Meine Gesellschaft. Kursbuch eines Unfertigen.“ (2001) ist eine Art autobiografisches Kaleidoskop, in dem sich Anekdoten und Tatsachen, Erlebtes und Erfundenes in 62 Abschnitten aneinanderreihen. Tilman Spengler nimmt seine Leser mit auf eine Reise durch seine Welt – frei nach dem Motto „bestimmte Sachverhalte sind wahr, weil man sie nur so und nicht anders erzählen kann“ geht es im Zickzack durch Zeiten, Orte und Befindlichkeiten. Tilman Spengler lebt in Ambach am Starnberger See und in Berlin.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Geistermauern
Rotbuch
Hamburg, 1989
Lenins Hirn
Rowohlt
Reinbek, 1991
Die Stirn, die Augen, der Mund
Rowohlt
Berlin, 1999
Moskau-Berlin
Berlin Verlag
Berlin, 2001
Meine Gesellschaft
Berlin Verlag
Berlin, 2001
Das Glück wartet draußen vor der Stadt
BTB
Berlin, 2002
Wenn Männer sich verheben
Rowohlt
Reinbek, 2002
Der Maler von Peking
BTB
Berlin, 2006 |