Ko Un
Gast beim ilb 2003, 2005
Ko Un (eigentlich Ko Un-t’ae) wurde 1933 in Kunsan,
im heutigen Südkorea, geboren. Sein Leben ist von extremen
biografischen Brüchen geprägt, die eng mit der Geschichte seines
Heimatlandes verbunden sind und sich auch in seinem Werk
niederschlagen. Während des Koreakrieges zum Arbeitsdienst gezwungen,
unternahm er einen Suizidversuch, durch den er einseitig sein Gehör
verlor. Unter dem Eindruck dieser Erlebnisse trat er 1952 einem
buddhistischen Mönchsorden bei und begann, seine ersten Gedichte zu
schreiben. Nach seinem Austritt aus dem Kloster und einer
künstlerischen Schaffenspause war er von 1963 bis 1967 Leiter einer
Schule und begann in dieser Zeit wieder mit dem Schreiben. Die Lyrik,
die in dieser Zeit entstand, zum Beispiel die Gedichtsammlung »Pian
Gamsung« (1967; Ü: Jenseits der Gefühle), ist von dem Gefühl der
Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit allen Lebens geprägt. Nach seinem
Umzug nach Seoul 1967 begann Ko Un, von Selbstzweifeln gequält, zu
trinken. 1970 unternahm er einen weiteren Selbstmordversuch. Das Jahr
1973 markiert mit dem Beginn des politischen Engagements eine neue
Schaffensphase, als er sich für die Demokratisierungsbewegung Koreas
und die Bemühungen um Wiedervereinigung mit Nordkorea zu interessieren
begann. Auf seine Ernennung zum Generalsekretär des 1974 neugegründeten
»Verbands koreanischer Schriftsteller für die Verwirklichung der
Freiheit« folgten immer wieder Gefängnisaufenthalte und Misshandlungen.
Nach dem Militärputsch 1980 zum Tode verurteilt, wurde er Monate später
begnadigt, jedoch mit Hausarrest belegt. Während seiner Haft begann er
einen Gedichtzyklus, in dem er alle Menschen porträtieren wollte, die
ihm in seinem Leben begegnet waren (»Maninbo«, ab 1986; Ü: Zehntausend
Leben). Bislang sind davon 15 Bände erschienen. Die Erfahrung in der
Todeszelle führte zu einer endgültigen Abkehr von seiner nihilistischen
Schaffensperiode. Auf seine Heirat 1983 und die Geburt einer Tochter
folgte seine kreativste Schaffensphase, in der z.B. die Sammlung
»Junwon Sipyun« (1986; Ü: Idyllische Psalmen) entstand.
Ko Un gehört zu den bedeutendsten asiatischen Dichtern des
zwanzigsten Jahrhunderts. Seine inzwischen weit über hundert
Veröffentlichungen, die in viele Sprachen übersetzt wurden, bestehen
nicht nur aus Gedichtbänden, sondern auch aus Romanen, Dramen,
Übersetzungen, Biografien, Essays, wissenschaftlichen Arbeiten und
Aufsätzen. Auf Deutsch liegen von Ko Un die Gedichtbände »Choguk-ui
Byol« (1984; dt. »Die Sterne über dem Land der Väter«, 1996) und die
Auswahl »Ein Tag voller Wind« (2002) vor. Ko Un lebt seit 1982 im
südkoreanischen Ansong.
© internationales literaturfestival berlin
Ko Un online: www.koun.co.kr
BIBLIOGRAFIE:
Maninbo
Ch´angjaksa
Seoul, 1986
The Sound of my Waves
Cornell University
Ithaca, New York, 1993
Übersetzung: Brother Anthony of Taizé, Young-Moo Kim
Beyond Self
Parallax Press
Berkeley, 1997
Übersetzung: Brother Anthony of Taizé, Young-Moo Kim
Ein Tag voller Wind
Pendragon
Bielefeld, 2002
Übersetzung: Lim Jong-Dae, Jüren Abel
Die Sterne über dem Land der Väter
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2005
Übersetzung: Woon-Jung Chei, Siegfried Schaarschmidt
Ko Un. Zen - Gedichte - was'n das? Angkor Verlag
Frankfurt, 2005
Übersetzung: Hans-Jürgen Zaborowski
The Three Way Tavern
University of California Press
Berkeley, 2006
Übersetzung: Clare You, Richard Silberg
Übersetzer: Lim Jong-Dae und
Jüergen Abel, Woon-Jung Chei und Siegfried Schaarschmidt, Kim Miy-He
und Sylvia Braesel, Hans-Jürgen Zaborowsky
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