José Manuel Prieto
Gast bei ilb 2003
José Manuel Prieto wurde 1962 in Havanna geboren. In
seiner Kindheit und Jugendzeit erhielt er Gitarren- und
Klavierunterricht, sang in Musikgruppen und besuchte das Elitegymnasium
Lenin, das eigens für die Kinder der kubanischen Nomenklatur geschaffen
wurde. Nach dem Abitur verließ er mit 19 Jahren Kuba und ging zum
Studium der Elektrotechnik nach Nowosibirsk, wo er seine spätere Frau
Elena kennen lernte. Nach dem Studium musste er für anderthalb Jahre
als Ingenieur nach Havanna zurückkehren, doch es zog ihn wieder nach
Sibirien, wo er in einem kleinen Dorf zwei Jahre in einem
Telekommunikationswerk arbeitete. In den Zeiten der Perestroika wohnte
er mit seiner Frau in Sankt Petersburg, wo die gemeinsame Tochter
Alicia geboren wurde. Seit 1995 lebt er in Mexiko-Stadt und hat
inzwischen die mexikanische Staatsbürgerschaft angenommen.
1996 erschien sein erster Erzählband "Nunca antes habías visto el rojo"
(Ü: Nie zuvor sahst du das Rote) in Kuba. Seinen Romanerstling
"Enciclopedia de una vida en Rusia" (Ü: Enzyklopädie eines Lebens in
Russland) veröffentlichte er 1998 in Mexiko; ein Ausschnitt davon
erschien in der Anthologie "Cubanísimo. Junge Erzähler aus Kuba"
(2000). Sein zweiter Roman "Livadia" (dt. "Nachtfalter des Russischen
Reichs", 2003), der 1999 in Barcelona herauskam, wurde inzwischen in
sieben Sprachen übersetzt und von der Literaturkritik als Entdeckung
gelobt. Dies nicht nur allein, weil ein kluges interlineares Netz an
literarischen Bezügen und Anspielungen die narrative Textur auf
originelle Weise durchzieht, die an die besten Geistesblitze Nabokovs
erinnert; auch der intelligente Abgesang auf den Zusammenbruch des
Kommunismus fasziniert seine Leser in jener russisch-kubanischen
Konstellation, die seine migratorische Lebenserfahrung geprägt hat.
José Manuel Prieto ist als glänzender Übersetzer russischer Literatur
ins Spanische hervorgetreten und übersetzte u.a. Gedichte von Gennadij
Ajgi, Anna Achmatowa, Marina Zwetajewa und Josef Brodsky sowie Prosa
von Andrej Platonow, Victor Pelewin, Wladimir Majakowski, Alexander
Solschenizyn und Vladimir Nabokov. Er schreibt für Zeitungen, u.a.
"Reforma" (Mexiko), Zeitschriften, darunter "Letras Libres"
(Mexiko-Stadt) und ist Chefredakteur der mexikanischen Zeitschrift für
Internationale Geschichte "Istor". 2002 veröffentlichte er zwei neue
Bücher, in Mexiko seinen zweiten Erzählband "El tartamudo y la rusa"
(Ü: Der Stotterer und die Russin) und in Barcelona sein erstes
Reisebuch "Treinta días en Moscú" (Ü: Dreißig Tage in Moskau). 2007
erschien sein jüngster Roman "Rex". José Manuel Prieto gilt als intimer
Kenner der russischen Literaturgeschichte und stellt ihre
künstlerischen Errungenschaften in einen transkulturellen Dialog mit
der glühenden Kreativität der lateinamerikanischen Literatur. Derzeit
lebt er in New York, wo er an der Universität Seton Hall das Joseph A.
Unanue Latino Institut leitet.
© internationales literaturfestival berlin
José Manuel Prieto online: www.josemanuelprieto.com
BIBLIOGRAFIE:
Nunca antes habías visto el rojo
Letras Cubanas
La Habana, 1996
Enciclopedia de una vida en Rusia
CNCA
México, 1998
Treinta días en Moscú
Mondadori
Barcelona, 2001
El tartamudo y la Rusa
Tusquets
México, 2002
Nachtfalter des Russischen Reichs
Suhrkamp
Frankfurt/ Mailn, 2003
Liwadija
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004
Übersetzung: Susanne Lange
Rex
Anagrama
Barcelona, 2007
Übersetzer: Susanna Lange
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