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Autor
© Hartwig Klappert

Peter Stephan Jungk

Österreich/ Frankreich








Writing Space

Gast des ilb 2006

Peter Stephan Jungk wurde 1952 im kalifornischen Santa Monica geboren. Der Sohn einer jüdischen Emigrantenfamilie verbrachte seine Kindheit und Jugend in Wien, West-Berlin und Salzburg, wo er die Hochschulreife erlangte. Anschließend war er Regieassistent am Basler Theater und assistierte auch beim Film. 1974-76 studierte er am American Film Institute in Los Angeles. In Paris, wo er später überwiegend wohnte, arbeitete er als Regieassistent bei Peter Handkes Film »Die linkshändige Frau«, 1978. Im gleichen Jahr erschienen sein Kurzgeschichtenband »Stechpalmenwald« und sein prämiertes Hörspiel »Oktave«. 1979/80 studierte er an einer Bibelschule in Jerusalem, wo er seinen ersten Roman »Rundgang« (1981) schrieb, in dem Spaziergänge durch die Stadt Anlass zu Reflexionen über Heimat und Identität bieten. Nach Veröffentlichung der Lebensdarstellung Franz Werfels – von der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« als »erste wirklich umfassende und nicht nur deshalb lesenswerte Biografie« gewürdigt – drehte er über den österreichischen Schriftsteller für ZDF und ORF die Dokumentation »Weltfreund zwischen den Welten«. Jungk arbeitet als freier Schriftsteller sowie als Autor und Regisseur für Funk, Fernsehen und Presse. Zudem verfasste er zahlreiche Übersetzungen, unter anderem von Thornton Wilder und Woody Allen. Jungks bislang sechs Romane kreisen um die Themen von Identität und Individualität. Seine Protagonisten sind unruhige Charaktere: auf der Suche nach ihrer Berufung und ihren Wurzeln die einen (»Tigor«, 1991), von ihrer Herkunft und Persönlichkeit getrieben die anderen (»Die Unruhe der Stella Federspiel«, 1996; »Die Erbschaft«, 1999). »Der König von Amerika« (2001) ist eine Romanbiografie über den amerikanischen Zeichentrickfilmmogul Walt Disney und entwirft die faszinierende Persönlichkeit eines charismatischen Konzerndiktators, dessen begeisternde Visionen immer wieder erstaunliche Werke zur Entstehung brachten. Dieser fiktiv überhöhten Biografie folgte zuletzt ein Roman mit einigen autobiografischen Elementen: »Die Reise über den Hudson« (2005) erzählt von dem Selbstfindungsprozess eines Mannes, der angesichts der erdrückenden Fürsorge seiner Mutter und des übermächtigen und berühmten Vaters nicht aus seiner Sohnesrolle herausfinden kann. Als er auf dem Weg zum Ferienhaus der Familie in einen Stau gerät und auf einer Brücke zum Stehen kommt, entdeckt er im Flussbett den riesenhaften Leib des verstorbenen Vaters. In seiner an Bühne und Film geschulten bildhaften Sprache eines Realismus, der bisweilen magisch einprägsam ist, fertigt Jungk nuancierte, nachdenklich machende Porträts, faktenreiche Tableaus und fesselnde Erzählstränge. 2001 wurde Jungk mit dem Stefan-Andres-Preis ausgezeichnet. Zwei Jahre später war er Writer in Residence am Oberlin College in Ohio. Seit 2002 schreibt er eine monatliche Kolumne für »Die Welt« unter dem Titel »Im Kino mit ....«, in der er über Kinobesuche mit bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens berichtet. Mit seiner Frau, der Fotografin Lillian Birnbaum, veröffentlichte er den Bildband »Vier Frauen: Porträts« (1994). Beide leben mit ihrer Tochter in Paris.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

Stechpalmenwald
Fischer
Frankfurt/Main, 1978

Rundgang
Fischer
Frankfurt/Main, 1981

Tigor
Fischer
Frankfurt/Main, 1993

Die Unruhe der Stella Federspiel
List München, Leipzig, 1996

Franz Werfel: eine Lebensgeschichte
Fischer
Frankfurt/Main, 2001

Die Erbschaft
Ullstein
München, 2001

Der König von Amerika
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2003

Die Reise über den Hudson
Klett-Cotta
Stuttgart, 2005

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