Gast des ilb 2006
Helon Habila
wurde 1967 in Kaltungo, im Nordosten Nigerias, geboren. Er graduierte
an der University of Jos in den Fächern Anglistik und Literatur,
unterrichtete anschließend am Federal Polytechnic in Bauchi und ging
1999 nach Lagos, wo er für das Magazin »Hints« schrieb und dann
Literaturredakteur der Tageszeitung »Vanguard« wurde. Habila gewann
einige wichtige Schreibwettbewerbe für Kurzgeschichten und Gedichte,
darunter den nationalen Lyrikpreis MUSON Poetry Prize für das Gedicht
»Another Age«. Im gleichen Jahr gab er seinen ersten
Kurzgeschichtenband »Prison Stories« (2000; Ü: Gefängnisgeschichten) im
Eigenverlag heraus. Für die in dem Band enthaltene Geschichte »Love
Poems« erhielt Habila 2001 den renommierten Caine Prize for African
Literature und erregte internationale Aufmerksamkeit. Erzählt wird von
einem Journalisten, der im Nigeria der Militärdiktatur Sani Abachas
willkürlich verhaftet und gefangen gehalten wird. In der Gefängniszelle
schreibt er Gedichte, die der Oberaufseher zunächst konfisziert, aber
später als seine eigenen ausgibt, um damit seine Geliebte zu umwerben.
Diese Episode bildet auch den Anfang von Habilas erstem Roman »Waiting
for an Angel« (2003; Ü: Warten auf einen Engel). In der Überarbeitung
des früheren Buches bildet das ungewisse Schicksal des Protagonisten
den Ausgangspunkt für miteinander verwobene Geschichten, die aus
mehreren Perspektiven die politischen und sozialen Strukturen Nigerias
in der Zeit der Diktatur schildern. Die staatlich angeordnete Ermordung
des Schriftstellers und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa ist eines der
historischen Ereignisse, vor deren Hintergrund gesellschaftliche
Tableaus mit Präzision, Mitgefühl und Humor geschildert werden. Das
Buch wurde mit dem Commonwealth Writers Prize for Best First Book
(Africa Region) ausgezeichnet und wird derzeit verfilmt. Habilas
neuester Roman, »Measuring Time« (2006; Ü: Die Zeit messen), richtet
den Blick auf das ländliche Nigeria und umspannt hundert Jahre der
Geschichte dieses Landes. Die Hauptfiguren sind Zwillingsbrüder, von
denen einer als Biograf und Historiker des Dorfvorstehers in seinem
Geburtsort bleibt, während der andere Soldat in Liberia wird. Habila
war von 2002 bis 2004 erster African Writing Fellow der University of
East Anglia im englischen Norwich. Anschließend lehrte er als Chinua
Achebe Fellow im Fach Global Africana Studies am Bard College in New
York. Er ist Herausgeber der Vierteljahresschrift »Virginia Quarterly
Review« und edierte zusammen mit Lavinia Greenlaw die Anthologie »New
Writing 14« (2006) des British Council. Inzwischen lebt Habila wieder
in Norwich, wo er promoviert.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Prison Stories
Epik Books
Lagos, 2000
Waiting for an Angel
Hamish Hamilton
London, 2002
Measuring Time
W.W. Norton
London, 2006 |