Gast des ilb 2006
Jorge Eduardo Benavides wurde
1964 im peruanischen Arequipa geboren. Er studierte an der Universidad
Garcilaso de la Vega in Lima Jura und Politikwissenschaft, entschied
sich aber gegen den Beruf des Rechtsanwalts und arbeitete als
Radiojournalist, u.a. als Chef einer Nachrichtenredaktion. Daneben
schrieb er mehrere preisgekrönte Kurzgeschichten und veröffentlichte
1989 seine erste Sammlung unter dem Titel »Cuentario« (1989; Ü:
Geschichtenzimmer).
Zwei Jahre später verließ Benavides Peru, tief enttäuscht über den
Verfall seines Heimatlandes unter der Regierung von Alan García, und
ließ sich in Teneriffa nieder. Auf der kanarischen Insel arbeitete er
zunächst als Tellerwäscher und auf dem Bau. Schließlich gründete er die
erfolgreiche Schreibwerkstatt »Entrelíneas«. Er leitete in
Zusammenarbeit mit verschiedenen Kulturinstitutionen und Universitäten
Workshops für Kreatives Schreiben, schrieb für die Sonntagsbeilage von
»Diario de Avisos«, für die Kulturbeilage von »El País« und war
Redaktionschef des Magazins »Siglo XXI«. Nach sechsjähriger Arbeit
schloss er seinen ersten, noch in Peru begonnenen Roman ab, den er
zunächst dutzendfach überarbeitet hatte und anschließend jahrelang für
nicht zu veröffentlichen hielt. »Los años inútiles« (2002; Ü: Die
unnützen Jahre) zeichnet ein düsteres Bild der peruanischen
Gesellschaft in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren. In
drei Teile gegliedert, die jeweils drei Kapitel enthalten, welche
wiederum alternierend aus sieben und elf Episoden bestehen, entwirft
Benavides ein facetten- und detailreiches Panorama aller sozialen
Schichten des Landes und zeichnet die Porträts von Menschen, die
glauben, Opfer zu sein, aber in Wirklichkeit Mittäter sind. In seiner
desillusionierten Sicht auf die politische Lage Perus, seinem
kämpferischen Duktus und den avancierten Stilmitteln ist der Roman
häufig mit Mario Vargas Llosas »Gespräch in der Kathedrale« verglichen
worden.
Benavides’ nächster Roman, »El año que rompí contigo« (2003; Ü: Das
Jahr, in dem ich mit dir Schluss machte), handelt wiederum vom Peru der
achtziger Jahre und vom ratlosen Unbehagen einer Generation, die im
moralischen Handeln inmitten eines unmoralischen Systems keinen Sinn
mehr sieht. Er beschreibt den vergeblichen Versuch zweier junger
Ehepaare aus der Mittelschicht, in einer sich auflösenden Gesellschaft
unpolitisch zu leben. Den Übergang zum desaströsen System Fujimoris
zeichnet Benavides mit schwarzem Humor in einigen der phantastischen
Kurzgeschichten seiner letzten Veröffentlichung, »La noche de Morgana«
(2005; Ü: Die Nacht von Morgana), worin der Einbruch des Irrationalen
und des Grauens in den Alltag als Leitmotiv fungiert.
Benavides wurde mit dem Premio de Cuentos José María Arguedas der
Peruanischen Schriftstellervereinigung ausgezeichnet, er war für den
Premio Tigre Juan und den Rómulo-Gallego-Preis nominiert und erhielt
den Premio Nuevo Talento FNAC. Seit 2002 lebt er als Schreiblehrer,
Journalist und Autor in Madrid.
© internationales literaturfestival berlin
Jorge Eduardo Benavides online: www.jorgeeduardobenavides.com
BIBLIOGRAFIE:
Cuentario y otros relatos
Okura Editores
Lima, 1989
Los años inútiles
Alfaguara
Madrid, 2002
El año que rompí contigo
Alfaguara
Madrid, 2003
La noche de Morgana
Alfaguara
Madrid, 2005
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