Gast des ilb 2006, 2007
Isabel Allende wurde
1942 im peruanischen Lima als Kind einer Diplomatenfamilie geboren und
wuchs in Santiago, La Paz und Beirut auf. Seit 1960 arbeitete sie als
Journalistin in Santiago, für einige Zeit auch in Genf und Brüssel, und
engagierte sich in der Feminismusbewegung. Sie war u.a. Redakteurin der
Zeitschrift »Paula«, moderierte verschiedene Fernsehsendungen und gab
zwei Filmzeitschriften heraus. In den frühen siebziger Jahren schrieb
sie zwei Kinderbücher, und vier ihrer Theaterstücke wurden
uraufgeführt. Nach Pinochets Staatsstreich von 1973, bei dem ihr Onkel,
der damalige Regierungschef Salvador Allende, ermordet wurde, ging sie
nach Venezuela ins Exil. Dort begann sie ihren ersten Roman, den
Welterfolg »La casa de los espíritus« (1982; dt. »Das Geisterhaus«,
1984), der Allende zur bekanntesten südamerikanischen Schriftstellerin
machte und 1993 mit einem Staraufgebot verfilmt wurde. Die Familiensaga
behandelt über vier Generationen hinweg die sozialen und ideologischen
Gegensätze in der chilenischen Gesellschaft bis hin zur Diktatur. Im
Mittelpunkt steht ein Patriarch, dessen tyrannischer Herrschaftsweise
starke Frauenpersönlichkeiten entgegengesetzt sind. Knapp zwanzig Jahre
später vervollständigte Allende ihr Debüt mit der Vorgeschichte der
Saga in den Bänden »Hija de la Fortuna« (1999; dt. »Fortunas Tochter«,
1999) und »Retrato en Sepia« (2001; dt. »Portrait in Sepia«, 2001) zu
einer Trilogie. Die weibliche Teilhabe an einem übersinnlichen Reich
und die feminine Fähigkeit, den Zyklus von Gewalt und Rache mit
Vergebung und Liebe zu durchbrechen, ist ein zentrales Motiv der
Schriftstellerin, das auch ihren zweiten Roman, »De amor y de sombra«
(1984; dt. »Von Liebe und Schatten«, 1986), bestimmt, der ebenfalls
verfilmt wurde. Er thematisiert eines der ersten politischen Verbrechen
während der Diktatur, die in Chile öffentlich gemacht und vor Gericht
gebracht wurden.
Nachdem ihre Tochter an einer Stoffwechselkrankheit starb,
veröffentlichte Allende ihr persönliches Erinnerungsbuch »Paula« (1994;
dt. 1995). 1996 gründete sie die Isabel Allende Foundation, die sich
vor allem für benachteiligte Frauen einsetzt. Einer Jugendbuchtrilogie
– wie ihr erster Roman im Stil des Magischen Realismus verfasst – und
der ebenfalls autobiografischen Erzählung »Mi país inventado« (2003;
dt. »Mein erfundenes Land«, 2006) folgte 2005 wieder ein Roman:
»Zorro«, die erstmalige Beschreibung von Kindheit und Jugend der
eleganten Heldengestalt. Ein Jahr später erschien mit »Inés del alma
mía« (2006; dt. »Inés meines Herzens«, 2007), die Lebenserzählung einer
in den Geschichtsbüchern übergangenen historischen Figur, der Geliebten
des spanischen Eroberers Pedro de Valdivia. Im Herbst 2007 erschien der
erneut autobiografisch inspirierte Roman »La suma de los días« (Ü: Die
Summe der Tage).
Allende wurde mit einer Vielzahl von internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter dem renommiertesten chilenischen Kulturpreis
Condecoración Gabriela Mistral. Ihr wurden zahlreiche akademische
Ehrentitel verliehen. Sie ist Mitglied der Academia de la Lengua in
Chile, der American Academy of Arts and Letters sowie Chevalier dans
l’Ordre des Arts et des Lettres in Frankreich. Die Schriftstellerin
lebt mit ihrem zweiten Mann und ihrer Familie in Sausalito bei San
Francisco.
© internationales literaturfestival berlin
Isabel Allende online: www.isabelallende.com
BIBLIOGRAFIE:
Von Liebe und Schatten
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1986
[Ü: Dagmar Ploetz]
Eva Luna
Ex Libris
Frankfurt/Main, 1990
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
Der unendliche Plan
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1992
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
Geschichten der Eva Luna
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1993
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
Eine Rache und andere Geschichten
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1994
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
Geschenk für eine Braut
Insel-Verlag
Frankfurt/Main, 1995
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
Aphrodite. Eine Feier der Sinne.
Bertelsmann
Bielefeld, 1998
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
Conversations with Isabel Allende
[mit John Rodden]
University of Texas Press
Austin, 1999
Porträt in Sepia
Bertelsmann
Bielefeld, 2001
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
Die Stadt der wilden Götter
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2002
[Ü: Svenja Becker]
Die Abenteuer von Aguila und Jaguar
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004
[Ü: Svenja Becker]
El bosque de los pigmeos
Editorial Sudamericana
Santiago de Chile, 2004
Fortunas Tochter
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
Das Geisterhaus
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004
[Ü: Anneliese Botond]
Paula
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004
[Ü: Lieselotte Kolanoske]
Zorro
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2005
[Ü: Svenja Becker]
Im Reich des Goldenen Drachen
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2005
[Ü: Svenja Becker]
Mein erfundenes Land
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2005
[Ü: Svenja Becker]
Inés meines Herzens
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006
[Ü: Svenja Becker]
Übersetzer: Svenja Becker, Anneliese Botond, Lieselotte Kolanoske
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