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Autor
©Doris Poklekowski

 Hans Magnus Enzensberger

 Deutschland

Gast beim ilb 2005

Hans Magnus Enzensberger wurde 1929 in Kaufbeuren geboren. Er wuchs in Nürnberg auf, wo er zum Ende des Krieges noch zum »Volkssturm« eingezogen wurde. Sein Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie und der Sprachen in Erlangen, Freiburg im Breisgau, Hamburg und Paris schloss er 1955 mit einer Promotion über Clemens v. Brentanos Poetik ab. Er arbeitete zunächst als Rundfunkredakteur in Stuttgart und als Gastdozent an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Enzensberger war Mitglied der Gruppe 47; 1957 veröffentlichte er sein Lyrikdebüt »verteidigung der wölfe«, in dem er mit klarer Sprache und in herausforderndem Ton seine kritische Beobachtung des bundesrepublikanischen Deutschland aufnimmt. Während der nachfolgende Gedichtband »landessprache« (1960) verstärkten Protest artikuliert, beinhaltet »blindenschrift« (1964) elegischere Ding-Gedichte.

Der Lyriker und in vielen Genres und Medien innovativ wirkende Autor ist auch als unangepasster und einflussreicher Herausgeber und Essayist tätig. 1960 gab er die inzwischen weit verbreitete Lyrikanthologie »Museum der modernen Poesie« heraus. Darin wurden deutschen Lesern bislang wenig bekannte Autoren wie William Carlos Williams, Fernando Pessoa oder Lars Gustafsson vorgestellt. In dieser Zeit begann Enzensberger auch seine kongeniale Übersetzertätigkeit. 1965 gründete er die Zeitschrift »Kursbuch«, in der medien- und sprachkritische Texte veröffentlicht wurden. Sie war ein legendäres Forum der Studentenbewegung. Mitte der siebziger Jahre wandte sich Enzensberger nach mehreren Essaybänden und aus dokumentarischen Materialien collagierten Texten verstärkt der Bühne und dem Versepos zu und schrieb mehrere fortschrittskritische Stücke, darunter den Klassiker der deutschen Nachkriegsliteratur »Der Untergang der Titanic« (1978). 1980 gründete er die Zeitschrift »TransAtlantic«. Fünf Jahre später begann er mit der Herausgabe der »Anderen Bibliothek«. Unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr erschien als deren neunter Band »Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen« (1985). Unter dem gleichen Autorennamen wurde zuletzt das Jugendsachbuch »Lyrik nervt! Erste Hilfe für gestresste Leser« (2004) veröffentlicht – eine provokante und dabei ironische Kulturinitiative, wie auch der von Enzensberger im Jahr 2000 installierte »Lyrikautomat«, der kombinatorisch Gedichte generiert. Der aufklärerische Impetus des Autors zeigte sich immer wieder auf ungewöhnlichen Gebieten, zum Beispiel mit »Der Zahlenteufel. Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben« (1997). Enzensberger gab 2004 drei der wichtigsten Werke Alexander von Humboldts heraus. Im selben Jahr erschienen die »Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten« (2004), Prosastücke, die im Rekurs auf historische Persönlichkeiten den heutigen Zeitgeist erhellen. Nach zwei Gedichtbänden im Jahr 2005, veröffentlichte Enzensberger 2006 erneut zwei Bücher: "Schreckens Männer", ein "Versuch über den radikalen Verlierer", widmet sich dem aktuellen, radikalen Islamismus und dem Phänomen des Selbstmordattentats. "Josefine und Ich" ist eine tragikomische Prosaerzählung zwischen Kunst und Politik.

Schon 1963 wurde Enzensberger der Georg-Büchner-Preis verliehen. Neben einer Vielzahl weiterer deutscher Literaturpreise erhielt der Autor den italienischen Premio Bollati und den spanischen Premio Príncipe de Asturias. Außerdem ist er Mitglied des Ordens »Pour le mérite«. Der weitgereiste Schriftsteller, der Mexiko, Kuba, Süd- und Nordamerika ebenso kennenlernte wie die Sowjetunion und den Nahen Osten, lebte schon in Norwegen, Italien, den USA und West-Berlin. Seit 1979 hat er seinen Wohnsitz in München.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Blindenschrift

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1964

 

Das Verhör von Habana

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1970

 

Der kurze Sommer der Anarchie. Buenaventura Durrutis Leben und Tod

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1972

 

Der Untergang der Titanic

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1978

 

Der Menschenfreund

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1984

 

Ach Europa! Wahrnehmungen aus sieben Ländern mit einem Epilog aus dem Jahre 2006

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1987

 

Esterhazy: Eine Hasengeschichte

[mit Irene Dische]

Sauerländer

Aarau, 1994

Ill: Michael Sowa

 

Aussichten auf den Bürgerkrieg

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1994

 

Diderots Schatten

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1994

 

Voltaires Neffe: Eine Fälschung in Diderots Manier

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1996

 

Der Zahlenteufel

Hanser

München, 1997

Ill: Rotraut Susanne Berner

 

Blindenschrift

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 1999

 

Verteidigung der Wölfe

Faber & Faber

Leipzig, 2000

 

Landessprache

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2000

 

Wo warst Du, Robert?

dtv

München, 2000

 

Die Elixiere der Wissenschaft: Seitenblicke in Poesie und Prosa

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2002

 

Die Geschichte der Wolken

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2003

 

Nomaden im Regal

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2003

 

Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2004

 

Natürliche Gedichte

Insel

Frankfurt/Main, 2004

 

Leichter als Luft: Moralische Gedichte

Suhrkamp

Frankfurt/Main, 2005

Schreckens Männer
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006

Josefine und ich
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2006

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