Gast des ilb 2005
Jenny Robson wurde in Kapstadt geboren und wuchs
dort zur Zeit der Apartheid auf. Nach dem Studium der
Grundschulpädagogik in Mowbray und der Philosophie an der University of
South Africa in Kapstadt war sie als Lehrerin im südafrikanischen
Simonstown tätig, bevor sie als Musikpädagogin nach Botswana ging. Dort
unterrichtet sie Marimba und Steel Drums in der Schule einer
Diamantenmine am Rande der Kalahariwüste – wo die Temperaturen häufig
über vierzig Grad Celsius erreichen und der seltene Regen zu den
beeindruckendsten Naturschauspielen gehört, wie die Autorin erzählt. So
ist es auch ihr unmittelbares Lebensumfeld – die tägliche Begegnung mit
Kindern und die extremen klimatischen Bedingungen –, das Jenny Robsons
literarische Arbeit wesentlich prägt. Erst im Alter von 38 Jahren, nach
einer erschütternden Lebenskrise, begann sie zu schreiben und hat
seither mehr als dreißig Kinder- und Jugendbücher, Geschichten für
Kinder mit Englisch als Zweitsprache, einen Roman für Erwachsene sowie
eine Vielzahl von Kurzgeschichten veröffentlicht. Ihre Texte entstehen
in stillen Momenten, in den frühen Morgenstunden, am Wochenende und in
den Schulferien. Die Kinder, die sie unterrichtet, sind ihr dabei eine
unerschöpfliche Quelle der Inspiration.
Über ihre schriftstellerische Arbeit sagt Jenny Robson: »Meine
Romane spielen in Afrika. Die Charaktere und Begebenheiten sind
zutiefst afrikanisch. Afrika ist mein Zuhause und meine Heimat, und ich
glaube, diesem Land gehört all meine Loyalität.« Als Kind einer
konservativ-protestantischen weißen Familie, in der die Vielfalt der
Religionen und Andersgläubigkeit nicht geduldet wurden, sind ihr
Toleranz, gegenseitiger Respekt und friedvolles Zusammenleben sehr
wichtig geworden. Die Begegnung mit ihrem Ehemann, dem Engländer Matt
Robson, und der tägliche Umgang mit Kindern machten ihr deutlich, dass
jedes Lebewesen einzigartig und unvergleichlich wertvoll ist. Dieses
Verständnis wurde zum Eckstein ihres Schreibens. In ihren Texten zeigt
sie südafrikanische Teenager mit ihren Träumen, Ängsten, Hoffnungen und
Problemen, wie sie junge Menschen auch außerhalb des afrikanischen
Kontinents erleben. Zugleich berührt sie Themen, die unmissverständlich
»afrikanisch« sind: Sie berichtet von Straßengangs im Township und
erzählt von Ausgrenzung und Rassismus.
In ihrem Jugendroman »Because Pula Means Rain« (2000; Ü: Weil Pula
Regen bedeutet) – 2003 mit dem UNESCO-Preis im Dienste der Toleranz
ausgezeichnet – muss sich Emmanuel mit der Diskriminierung durch seine
Umgebung auseinandersetzen, die ihn ausschließt: und zwar aus Angst, zu
werden wie er, ein ›weißer Schwarzer‹, ein Albino. Eindringlich,
spannend und in schlichter Eleganz erzählt Robson in ihrem Roman
»Praise Song« (2005) von der jungen Gaone, die der stets präsenten
Bedrohung durch Aids begegnen muss. Als am Welt-Aids-Tag ihre Lehrerin
tot aufgefunden wird und ihre jüngere Schwester sich mit dem »Don Juan«
des Ortes einzulassen droht, ergreift Gaone die Initiative. Die
deutsche Übersetzung erschien 2007 unter dem Titel »All for Love«.
Bereits 1992 erhielt Jenny Robson den Nadine Gordimer Short Story
Prize. Als erste Autorin wurde ihr viermal in Folge der Sanlam Youth
Literature Award (1994ff) zugesprochen. Ein weiteres Mal erhielt sie
ihn 2005 für »Praise Song«. In deutscher Übersetzung erschien 1996 »Da
musst du durch, Lurch« (Eng. »Don’t Panic, Mechanic«, 1994) und gewann
in der Schweiz die Blaue Brillenschlange.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Winner's Magic
Heinemann Jaws
Keswahili, 1993
Mellow Yellow
Tafelberg
Cape Town, 1994
Dark Waters
Tafelberg
Cape Town, 1995
Nobody's Perfect
Human & Rousseau
Cape Town, 1995
Where Shadows Fall
Kwela
Cape Town, 1996
Them
Gaborone: African Publishing Services
Botswana, 1996
One Magic Moment
Tafelberg
Cape Town, 1996
Da mußt du durch, Lurch
Elefanten Press
Berlin, 1996
Übersetzung: Marion Schweizer
The Denials of Kow-Ten
Tafelberg
Cape Town, 1998
Because Pula Means Rain
Tafelberg
Cape Town, 2000
Savannah 2116AD
Tafelberg
Cape Town, 2004
All for Love
Peter Hammer
Wuppertal, 2007
Übersetzung: Jutta Himmelreich
Übersetzer: Jutta Himmelreich, Marion Schweizer
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