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©Lionel Pages

 Chen Jianghong

 China












Writing Space

Gast des ilb 2005

 

Chen Jianghong, Maler, Illustrator und Autor, wurde 1963 in der chinesischen Hafenstadt Tianjin geboren und wuchs während der Kulturrevolution auf. Er studierte Kunst in Peking und Paris und lebt seit 1987 als freischaffender Künstler in der französischen Hauptstadt. 1994 begann er Kinderbücher zu illustrieren und gab zwei Jahre später mit »La légende du cerf-volant« (Ü: Die Legende vom Papierdrachen) sein Debüt als Autor. In seinen Bilderbüchern greift er Mythen und Legenden seiner Heimat auf und öffnet den Blick für die Vielfalt der Kulturen und die Schönheit der Kunst. Über seine Verbundenheit zur chinesischen Kultur vergangener Jahrhunderte sagt Chen: »Mir ist es wichtig, die Kultur lebendig werden zu lassen, der ich verbunden bin, sie Grenzen überschreiten und andere an ihr teilhaben zu lassen. Ich versuche, Geschichten so zu erzählen, dass sie universell werden.«

Chens preisgekröntes Werk, u.a. in Amerika, Spanien, Dänemark, Mexiko und Korea verlegt, ist ein Bekenntnis zur asiatischen Kunst und Kultur und spiegelt zugleich seine tiefe Solidarität mit den Kulturen der Welt. So illustrierte er die »Contes de la Caraïbe« (1999; Ü: Erzählungen aus der Karibik) von Praline Gay-Para und die »Contes de la mer Caspienne« (2003; Ü: Erzahlungen vom Kaspischen Meer) von Anne-Marie Passaret. Mit kolorierter Chinatusche auf Reispapier lässt Chen fesselnd poetische Illustrationen und liebevolle Portraits unbekannter Welten entstehen. »Selten sind Kinderbücher mit solch grandioser Meisterschaft gezeichnet«, feierte die »Süddeutsche Zeitung« Chens Bildkreationen.
Zu seinen bekanntesten Werken gehört »Zhong Kui. La terreur des forces du mal« (2001; dt. »Zhong Kui. Ein Besuch in der Pekingoper«, 2001) – ein einnehmendes Bilderbuch über die erste Begegnung des kleinen Binbin mit der Pekingoper. Meisterhaft gelingt es Chen, die eigenwillige Akrobatik, Musik und Dramaturgie in die lautlose, zweidimensionale Ebene zu übertragen, und die Buchseiten zur Bühne einer Allegorie über Gerechtigkeit und Wahrheit werden zu lassen. In »Le cheval magique de Han Gan« (2004; dt. »Han Gan und das Wunderpferd«, 2004) erzählt er die Legende um den chinesischen Künstler Han Gan, dessen gemalte Pferde eines Tages lebendig werden. In farbenprächtigen, doppelseitigen Kompositionen – wie schon von Han Gan, der im 8. Jahrhundert lebte, auch von Chen auf Seide gemalt – entfaltet er eine kontrastreiche Parabel über Leid, Verantwortung und die Macht der Kunst. »Dieses Bilderbuch, das die Malkunst thematisiert, ist selber ein Kunstwerk«, schrieb »Die Zeit« über Chens Künstlermärchen. Im August 2005 erschien zeitgleich mit der französischen Originalausgabe »Le Prince tigre« die deutsche Übersetzung »Der Tigerprinz«. In betörenden Bildern entwirft Chen eine faszinierende Geschichte aus dem Reich der Mitte: die außergewöhnliche Mutter-Sohn-Beziehung zwischen einem kleinen Prinzen und einer Tigerin. 2006 erschien »Junger Adler«, die deutsche Übersetzung von »Petit Aigle« (2001). Dieses Bilderbuch erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen, der von Meister Yang, einem berühmten Weisen aus dem alten China, in die Geheimnisse des Adler-Boxens eingeweiht wird. In dynamischen Bildern verbindet Chen klassische chinesische Malkunst mit moderner westlicher Bilds prache.
Chens bildnerisches Werk fand große internationale Beachtung, wurde mit dem Prix Charles Oulmont (1992) ausgezeichnet und in Museen und Galerien in Europa, Asien und Amerika ausgestellt. »Hatchiko, chien du Tokyo« (2003; Ü: Hatchiko, ein Hund aus Tokio) wurde mit dem Prix Sorcières (2004) prämiert, für »Han Gan und das Wunderpferd« erhielt Chen den Deutschen Jugendliteraturpreis 2005 in der Kategorie Bilderbuch.

 

© internationales literaturfestival berlin

 


BIBLIOGRAFIE:


La légende du cerf-volant  
L´École des Loisirs
Paris, 1997

Dragon de feu
L´École des Loisirs
Paris, 2001

Zhong Kui. Ein Besuch in der Pekinkoper  
Moritz
Frankfurt/Main, 2001
Übersetzung: Erika und Karl A. Klewer

Archimède. Recette pour être un génie
[Text : Susie Morgenstern]
L´École des Loisirs
Paris, 2002

Hatchiko, chien de Tokyo  
[Text : Claude Helft]
Desclee de Brouwer
Paris, 2003

Han Gan und das Wunderpferd  
Moritz
Frankfurt/Main, 2004  
Übersetzung: Erika und Karl A. Klewer

Der Tigerprinz
Moritz
Frankfurt/Main, 2005  
Übersetzung: Erika und Karl A. Klewer

Junger Adler    
Moritz
Frankfurt/Main, 2006  
Übersetzung: Erika und Karl A. Klewer


Übersetzer: Erika und Karl A. Klewer

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