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Autor
© Hartwig Klappert

Wanda Coleman

USA







Writing Space

Gast beim ilb 2005

Wanda Coleman wurde 1946 in Watts geboren. Diese südkalifornische Gemeinde sollte 1965 für Unruhen bekannt werden, die von Übergriffen weißer Polizisten auf den Schwarzen Marcus Frye ausgelöst wurden und sechs Tage andauerten. Die »Watts Riots« brachten Coleman dazu, das Schreiben als bevorzugte künstlerische Ausdrucksform zu wählen, und politisierten sie. Sie trat dem Jugendrat der National Association for the Advancement of Colored People bei und war zeitweilig Mitglied einer paramilitärischen Vereinigung. Als alleinerziehende Mutter bestritt sie ihren Lebensunterhalt mit Hilfe der Wohlfahrt und einer Reihe von Gelegenheitsjobs, als medizinische Sekretärin, Schauspielerin und Drehbuchautorin. 1976 erhielt sie als erste Afroamerikanerin einen Emmy für ein TV-Drehbuch im Vorabendprogramm. Coleman arbeitete als Kolumnistin für die »Los Angeles Times« und schrieb für »LA Weekly«, »The Washington Post« und »The Nation«. Ihre Kurzgeschichten erschienen unter anderem in »American Voice«, »Callaloo« und »Fiction International«. Bekannt ist Coleman vor allem für ihre authentische und leidenschaftliche Lyrik, die sie in aufsehenerregenden Lesungen und Performances meist mit Musikbegleitung vorträgt. Dabei gibt sie jenen Menschen eine Stimme, deren Leben den amerikanischen Mythos vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten als Lüge entlarven. 1979 erschien ihre erste Gedichtsammlung »Mad Dog, Black Lady« (Ü: Tollwütiger Hund, schwarze Dame), gefolgt von dem bekannten Lyrikband »Imagoes« (1981). Coleman selbst beschreibt ihre Sprache als »zusammengesetzt aus verschiedenen Stilen, mitunter glatt und traditionell, mit Rückgriffen auf die Neoformalisten; aber die meisten meiner Gedichte sind in mal frenetischen, mal lyrischen freien Versen geschrieben, mit Anspielungen auf Literatur, Musik und Kino versetzt, mit deutschem, lateinischem, spanischem und jiddischem Gemurmel akzentuiert, und voller Neologismen und Kauderwelsch und Jargonsprache.« Nach dem Tod ihres Sohnes schlug sie in »Bathwater Wine« (1998; Ü: Badewasser-Wein) einen elegischen und bitteren Ton an. Die Gedichtsammlung wurde mit dem Lenore Marshall Poetry Prize ausgezeichnet. Das nachfolgende »Merchurochrome« (2001; Ü: Quecksilberchrom) war für die National Book Awards nominiert. Aspekte des Lebens und Überlebens, von Gewalt, Jobsuche, Verachtung und Anpassung sind auch die Themen ihrer Essays, die politisch so ungestüm sind wie einfühlsam, wenn private Bereiche geschildert werden. Zuletzt erschien ihre Sammlung »The Riot Inside Me« (2005; Ü: Die Unruhen in mir) mit Interviews, Essays, Kritiken und Erinnerungen.

Colemans Performances sind als CDs und Videos veröffentlicht. Ihre Werke wurden in verschiedene Anthologien aufgenommen, darunter »Best American Poetry« (1988, 1996) und »The Norton Anthology of Postmodern American Poetry«. Sie erhielt Stipendien des California Arts Council, der John P. Guggenheim Foundation und des National Endowment for the Arts. Coleman ist Mitglied verschiedener amerikanischer Schriftstellervereinigungen wie der Academy of American Poets. Sie gibt Schreibkurse, hält Vorlesungen und liest in Universitäten, Gefängnissen und auf Rockkonzerten. Die Autorin lebt mit ihrem Mann, dem Künstler Austin Straus, in Los Angeles.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Mad Dog, Black Lady

Black Sparrow Press

Santa Barbara, 1979

 

Imagoes

Black Sparrow Press

Santa Barbara, 1983

 

Blues

Rowohlt

Reinbek, 1993

Übersetzung: Udo Breger

 

Bathwater Wine

Black Sparrow Press

Santa Barbara, 1998

 

Mambo Hips and Make Believe

Black Sparrow Press

Santa Barbara, 1999

 

Orange Sun

Alpha-Presse

Frankfurt/Main, 1999

Ill: Wol Müller

 

Merchurochrome

Black Sparrow Press

Santa Barbara, 2001

 

Ostinato Vamps

University of Pittsburgh Press

Pittsburgh, 2003

 

The Riot Inside Me

David R. Godine

Boston, 2005

 

Übersetzer: Udo Breger, Rainer G. Schmidt

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