Gast des ilb 2005
Mark Strand wurde 1934 in Summerside auf der
kanadischen Prinz-Edward-Insel geboren und wuchs in den Vereinigten
Staaten und Südamerika auf. Er studierte am Antioch College in Ohio, an
der Yale University und an der University of Iowa, wo er nach einem
einjährigen Italienaufenthalt als Fulbright-Stipendiat zu unterrichten
begann. 1965 war er Fulbright-Lektor an der Universidade do Brasil in
Rio de Janeiro. Anschließend lehrte er in Columbia, Princeton, Harvard
und den Universitäten von Utah und Chicago.
Seit seinem ersten Gedichtband, »Sleeping with One Eye Open« (1964;
Ü: Mit einem Auge offen schlafen), ist die menschliche Vergänglichkeit
Strands zentrales Thema. Seine Gedichte schildern mit gängiger,
einfacher Sprache beiläufige Szenen, über denen eine traumhafte bis
albtraumhafte Atmosphäre liegt. In der Evozierung einer unaufhebbaren
Fremdheit sind sie oft unheildrohend, gleichzeitig aber auch ironisch
und sogar komisch. »Ich habe immer versucht, sowohl humorvoll, als auch
gleichzeitig ernsthaft zu sein«, sagt Strand, für den ein gutes Gedicht
ausmacht, dass es den Leser berührt und seinen Zugang zur Welt
verändert. »Ein Gedicht ist ein Ort, an dem die Bedingungen von
Jenseitigkeit und Diesseitigkeit augenfällig gemacht werden; wenn sich
etwas vorzustellen bedeutet: zu fühlen, wie es ist, zu sein. Es erlaubt
uns, das Leben zu führen, das uns dadurch verweigert wird, dass wir zu
beschäftigt mit dem Leben sind. Oder noch paradoxer: Ein Gedicht
erlaubt uns, so in uns zu leben, als befänden wir uns außerhalb unserer
eigenen Reichweite.«
So konstant sich Metaphorik, Stil und Qualität in Strands Werk
erhalten haben, so variabel ist es formal. Es reicht von festen Formen
wie der spielerischen Villanelle über freie Verse bis hin zum
Prosagedicht. Seit 1997 liegt mit »Dunkler Hafen« eine Auswahl von
Strands Gedichten auf Deutsch vor. Neben Lyrik veröffentlichte der
Autor auch Essaybände vor allem über ästhetische und
literaturtheoretische Themen, zahlreiche Übersetzungen aus dem
Spanischen und Portugiesischen, Kinderbücher sowie drei Monografien
über zeitgenössische amerikanische Maler. In »Hopper« (1994; dt. »Über
Gemälde von Edward Hopper«, 2004) legt er klare und unprätentiöse
Analysen der Bilder jenes Malers vor, der von Kritikern immer wieder
als Strands Seelenverwandter beschrieben wird. Ähnliche Szenen einer
befremdenden Entrücktheit, die auf einer visuellen Vorlage beruhen,
evoziert Strand in den Gedichten »Two de Chiricos« über Gemälde des
Malers der »pittura metafisica«. Der Band »Blizzard of One« (1998; Ü:
Blizzard von Einem), in dem sie enthalten sind, wurde mit dem
Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Daneben erhielt Strand kontinuierlich
Preise wie den Bollingen Prize und den Edgar Allan Poe Prize. 1990
wurde er von der Library of Congress zum Poet Laureate der Vereinigten
Staaten gewählt. Von 1991 bis 2000 war Strand Chancellor der Academy of
American Poets. Bis 2005 lehrte er im Committee on Social Thought an
der University of Chicago. Momentan ist er an der Columbia University
New York als Dozent für Komparatistik und Englisch tätig. Im Herbst
2007 wird sein neuer Gedichtband „New Selected Poems“ (Ü: Neue
ausgewählte Gedichte) erscheinen.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Sleeping with One Eye Open
Stone Wall Press
Iowa City, 1964
18 Poems from the Quechua
H. Ferguson
Cambrige, 1971
The Monument
Ecco
New York, 1978
The Late Hour
Atheneum
New York, 1979
The Planet of Lost Things
Hodder & Stoughton
London, 1982
Ill: William PeÌne du Bois
Mr. and Mrs. Baby and Other Stories
Chatto & Windus
London, 1985
William Bailey
Abrams
New York, 1987
The Continuous Life
Alfred A. Knopf
New York, 1992
Selected Poems
Carcanet
Manchester, 1995
Dunkler Hafen
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1997
Übersetzung: Michael Krüger, Rainer G. Schmidt, Richard Weihe
Chicken, Shadow, Moon and More
Turtle Point
New York, 2000
The Making of a Poem [Hg.]
W.W. Norton & Company
New York, 2001
The Weather of Words
Alfred A. Knopf
New York, 2001
The Story of Our Lives
Alfred A. Knopf
New York, 2002
Reasons for Moving Darker
Alfred A. Knopf
New York, 2003
Blizzard of One
Alfred A. Knopf
New York, 2004
Über Gemälde von Edward Hopper
Schirmer-Mosel
München, 2004
Übersetzung: Wiebke Meier
Man and Camel: Poems
Knopf
New York, 2006
New Selected Poems
Knopf
New York, 2007
Übersetzer: Michael Krüger, Wiebke Meier, Rainer G.Schmidt, Richard Weihe |