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Autor
© Thomas Karsten

Yoko Tawada

Japan/Deutschland












Writing Space

Gast des ilb 2005

Yoko Tawada wurde 1960 in Tokio geboren. Mit zwölf Jahren schrieb sie einen ersten Roman, den sie in Fotokopien verteilte. Sie studierte Literaturwissenschaft – Schwerpunkt Russische Literatur –, um mit 19 Jahren dann dahin zu reisen, wo diese Sprache tatsächlich gesprochen wird. Mit der Transsibirischen Eisenbahn gelangte sie bis nach Hamburg. 1982 kehrte sie in die Hansestadt zurück, um dort zu leben und Neue Deutsche Literatur zu studieren. Sie promovierte über »Spielzeug und Sprachmagie in der europäischen Literatur« und begann, auch auf Deutsch zu schreiben. Ihre erste deutsche Buchveröffentlichung war jedoch noch eine Übersetzung aus dem Japanischen: »Nur da wo du bist, da ist nichts« (1987) enthält Gedichte und Prosa. 1993 erhielt sie den Akutagawa-Sho, den renommiertesten japanischen Literaturpreis, für ihre Erzählung »Inumukoiri« (dt. »Hundebräutigam«, abgedruckt in »Tintenfisch auf Reisen«, 1994). 1996 wurde ihr der Adelbert-von-Chamisso-Preis verliehen.
Im Zentrum von Tawadas Schaffen steht Fremdheit. »Sprache ist fremd. Wie sonst könnte es geschehen, dass ein Satz völlig wahr und aufrichtig ist und doch kraftlos bleiben kann?« Indem Tawada diesem Aspekt mit raffinierter Naivität nachgeht, verrätselt sie auch das unmittelbare Weltverständnis, das jeder Kultur innewohnt. Als poetische Ethnologin bringt sie die Exotik des Alltags zum Vorschein, etwa in »Talisman« (1996), wo in der Titelgeschichte Ohrringe zu Glücksbringern werden. Eine weitere Erzählung aus diesem Band, »Rothenburg ob der Tauber: Ein deutsches Rätsel«, lässt eine magische Dimension der verschlungenen Brezelform entstehen: »Die Aufgabe eines Bäckers war es scheinbar, Rätsel herzustellen, die die Menschen nicht lösen, aber essen konnten.«
Der fremde und verfremdende Blick, mit dem Tawada schreibt, ist auch der Protagonistin von »Das nackte Auge« (2004) zu eigen, einer Vietnamesin, die ungewollt nach Paris gerät, ohne Französisch zu verstehen. Alles beginnt nun unverständlich und geheimnisvoll zu ihr zu sprechen: Gesten, Gesichter, Dinge, Buchstaben – während sie selbst sprachlos bleibt. Indem die enigmatischen Zeichen unvermutete Verbindungen eingehen, verwandelt sich die Wirklichkeit in eine Traumwelt. Metamorphosen sind auch das Thema von »Opium für Ovid« (2000), worin westliche Literaturtradition mit östlichem Blick erneuert wird. Es überrascht nicht, dass die Autorin (in dem Prosastück »Zürich«, 1997) auf den Dadaismus anspielt oder auf einer Vortragsreise über Ernst Jandl spricht.
1997 war Tawada Stipendiatin der Villa Aurora in Los Angeles, 1998 Poetik-Dozentin in Tübingen, ein Jahr später Max Kade Distinguished Visitor at the Massachusetts Institute of Technology. 2005 wurde ihr die die Goethe-Medaille des Goethe-Instituts verliehen. Sie hält zahlreiche Lesungen und Vorträge in Literaturhäusern und verschiedenen Universitäten der Welt. Aus ihrer Zusammenarbeit mit der Jazzpianistin Aki Takase entstand bislang eine CD. Nach „Talisman“ (1996) und „Überseezungen“ (2002) erschien 2007 „Sprachpolizei und Spielpolyglotte“, Tawadas dritter Band mit literarischen Essays. 2008 wird sie an der Washington University, St. Louis, Writer in Residence sein, 2009 an der Stanford University, USA. Die Autorin lebt in Hamburg und Tokio.

© internationales literaturfestival berlin

Yoko Tawada online: www.tawada.de

BIBLIOGRAFIE:

 

Das Fremde aus der Dose

Droschl

Wien, 1992

 

Sannin kankei

Kodansha

Tokyo, 1992

 

Das Bad

Konkursbuch

Tübingen, 1993

Übersetzung: Peter Pörtner

 

Die Kranichmaske, die bei Nacht strahlt

Konkursbuch

Tübingen, 1993

 

Ein Gast

Konkursbuch

Tübingen, 1993

 

Spiegelbild

Edition Mariannenpresse

Berlin, 1994

Ill: Angelik Riemer

 

Tabula Rasa

Steffen Barth

Karlsruhe, 1994

 

Tintenfisch auf Reisen

Konkursbuch

Tübingen, 1994

Übersetzung: Peter Pörtner

 

Wo Europa anfängt

Konkursbuch

Tübingen, 1995

 

Ein Gedicht in einem Buch

CTL Presse

Hamburg, 1996

 

Nur da wo du bist, da ist nichts

Konkursbuch

Tübingen, 1996

Übersetzung: Peter Pörtner

 

Talisman

Konkursbuch

Tübingen, 1996

 

Aber die Mandarinen müssen heute abend noch geraubt werden

Konkursbuch

Tübingen, 1997

 

Wie der Wind im Ei

Konkursbuch

Tübingen, 1997

 

Hikon

Kodansha

Tokyo, 1998

 

Orpheus oder Izanagi

Konkursbuch

Tübingen, 1998

 

Opium für Ovid

Konkursbuch

Tübingen, 2000

 

Spielzeug und Sprachmagie in der europäischen Literatur

Konkursbuch

Tübingen, 2000

 

Überseezungen

Konkursbuch

Tübingen, 2002

 

Das nackte Auge

Konkursbuch

Tübingen, 2004

 

Was ändert der Regen an unserem Leben

Konkursbuch

Tübingen, 2005


Sprachpolizei und Spielpolyglotte. Literarische Essays
Konkursbuch
Tübingen, 2007
 

Übersetzer: Peter Pörtner

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