Gast des ilb 2005
C.K. (Charles Kenneth) Williams wurde 1936 in
Newark, New Jersey, geboren. Während seiner Ausbildung an der
University of Pennsylvania begann er Gedichte zu schreiben. Viel
später, 1969, erschien sein erster Gedichtband, »Lies« (Ü: Lügen). Das
Eröffnungsgedicht »A Day for Anne Frank« (Ü: Ein Tag für Anne Frank)
war aus einem Entwurf zu einem Brief über Menschenrechtsverletzungen
entstanden, den Williams an einen Zeitungsherausgeber geschrieben
hatte. Die Beschäftigung mit Leid, Unrecht und Gewalt steht seitdem
unverändert im Mittelpunkt seines nunmehr höchst produktiven Schaffens.
Sein zweiter Gedichtband »I Am the Bitter Name« (1972; Ü: Ich bin der
bittere Name) geißelt die amerikanische Militärindustrie und die
Blindheit der Mächtigen. Trotz des grundsätzlichen und empathischen
Mitleidens steht Williams' Lyrik jenseits von bloß engagierter
Literatur. »Dichtung ist Teil des moralischen Widerhalls der Not dieser
Welt. Sie kommt zu dem moralischen Verwahrungsort des menschlichen
Gewissens hinzu.«
Seit 1972 ist Williams Herausgeber der »American Poetry Review«. Er
gilt als wichtige und unverwechselbare Stimme der amerikanischen Lyrik
und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. Für seinen Gedichtband »Flesh
and Blood« (1987; Ü: Fleisch und Blut) erhielt er den National Book
Critics Circle Award, für »The Singing« (2003; Ü: Das Singen) wurde er
mit dem National Book Award ausgezeichnet. 2000 wurde ihm für »Repair«
(1999; Ü: Wiederherstellung) der Pulitzer-Preis verliehen. Für sein
Gesamtwerk erhielt er 2005 den Ruth Lilly Poetry Prize der Poetry
Foundation. Zum kennzeichnenden Stilmittel seiner Lyrik sind die
ungewöhnlich langen Gedichtzeilen geworden. Mit großer Eindringlichkeit
evoziert er durch komplexen Satzbau das verdrängte Tragische des
Alltags, ohne sich der Verzweiflung auszuliefern. Joachim Sartorius
schreibt: »Er stellt ethische Fragen an eine dunkle und derbe Welt, die
gewöhnlich ist und nur in seltenen Momenten Schonung kennt. In diesem
Austausch zwischen Dichter und Welt ist ein Geheimnis, das Williams in
seinen langen gewundenen Sätzen zu umkreisen, zu umschlingen, letztlich
zu ergründen sucht. Das Gedicht nähert sich dem Gebet, einem
merkwürdigen, fürchtenden Gebet, das in all dem Verhängnis, in der
Gewalt und Rohheit der Welt auf die Verteilung von Gnade hofft.«
Neben seiner Lyrik trat Williams auch als Übersetzer von Sophokles,
Euripides, Francis Ponge und Adam Zagajewski hervor. 2002 beteiligte er
sich mit dem Essay »Das symbolische Volk der Täter« an der von Martin
Walser ausgelösten Debatte um eine deutsche »Normalisierung«. Darin
vertrat er die Position, dass der Symbolcharakter der Geschichte nicht
den Mustern von Wiedergutmachung und Vergebung folgt. Williams ist
Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und der American
Academy of Arts and Letters. Seine Gedichte sind in deutscher
Übersetzung in der »Neuen Rundschau«, in »Akzente« und »Lettre
International« erschienen. Er verbringt die Hälfte des Jahres auf dem
Land in Frankreich und lebt in Princeton, wo er Kreatives Schreiben und
Übersetzung lehrt.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
I Am the Bitter Name
Houghton Mifflin Company
Boston, 1972
Flesh and Blood
Farrar, Straus and Giroux
New York, 1987
The Vigil
Farrar, Straus and Giroux
New York, 1998
Poetry and Consciousness
The University of Michigan Press
Ann Arbor, 1998
Repair
Farrar, Straus and Giroux
New York, 1999
Misgivings
Farrar, Straus and Giroux
New York, 2000
The Singing
Farrar, Straus and Giroux
New York, 2003
Collected Poems
Farrar, Straus and Giroux
New York, 2006
Übersetzer: Walter Thümler |