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Autor
© Tobias Burghardt

 Fernando Rendón

 Kolumbien

Fernando Rendón wurde 1951 in Medellín, Antioquia (Kolumbien) geboren. Als Jugendlicher begann er, seine ersten Gedichte zu schreiben und in Zeitschriften zu veröffentlichen. In den Achtzigern erschien sein Debüt »Contrahistoria« (»Gegengeschichte«), ein visionärer Gegenentwurf zu den apokalyptischen Auswüchsen der Realität seines Landes. Er gab mehrere Zeitschriften heraus, darunter »Clave de Sol«, »Imago«, »Sol de Movimiento«, und gründete 1982 die amerikanische Poesiezeitschrift »Prometeo«, mit bisher 60 Ausgaben. Aus diesem kreativen Zeitschriftenimpuls entstanden mannigfaltige Lyrikinitiativen in der nordwestlichen Kulturmetropole Kolumbiens und landesweit, die ein ethisch-ästhetisches Gegenwicht zum Terror des inzwischen vierzigjährigen Bürgerkrieges entfaltet haben: Er begründete 1991 mit einem Team von drei Lyrikern das Internationale Poesiefestival in Medellín, das jährlich im Juni stattfindet, regelmäßig mehr als 100.000 Zuhörer versammelt und weltweit das größte seiner Art geworden ist, an dem bisher rund 500 Dichter aus allen fünf Kontinenten teilnahmen. Die große Anzahl der Besucher charakterisiert nicht unbedingt das entscheidende Moment dieses Poesiephänomens von Medellín, sondern eher die Offenheit, Intensität, Begeisterung und Transparenz der aus allen sozialen Schichten und vornehmlich jüngeren Altersgruppen teilhabenden Zuhörer, die bei den eintrittsfreien Leseveranstaltungen die Poesie würdig feiern.

Fernando Rendón sieht eine Erklärung für die stets überwältigende Zugkraft der Poesie in den Gefahrenzeiten und ihrer möglichen Überwindung: »Der Schmerz sensibilisiert uns. Eine der Formen, die Krise zu meistern und unsere Stadt trotz der Feindseligkeiten und des Krieges zu begreifen, ist die Poesie. Die Menschen nähern sich der Poesie, weil es auch eine Art ist, sich mit dem Leben wiederzutreffen. Gleichzeitig handelt es sich um eine Reminiszenz der Vergangenheit, als die Poesie nicht vermittelt wurde, sondern der Poet innerhalb der Gemeinschaft wirkte. Die Poesie ist wie eine echte Prüfung: die Suche nach dem Unbekannten und die Wiederauferstehung des Menschen. Sie ist auch die Gewissheit, dass das Leben nicht völlig abhanden gekommen und zerstört ist. Deshalb hören die Menschen von Medellín und Umgebung auf ihren Ruf.« 1993 kam die internationale Buchreihe »Collección Prometeo« hinzu, bislang 13 Lyrikbände. 1996 wurde im Rahmen des Poesiefestivals die erste lateinamerikanische »Escuela de Poesía en Medellín« an der Universidad de Antioquia in Kooperation mit der europäischen »Schule für Dichtung« in Wien, Österreich, gegründet. 2006 wurde das Festival mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Rendóns Poesie ist in mehreren Sprachen übersetzt worden, u.a. Französisch, Italienisch, Kroatisch, Ungarisch und Portugiesisch. Er greift darin bisweilen mythische Zusammenhänge oder auch Orte der Kunst auf, hinterfragt das Schicksal der Menschen im kruden Gefälle der epochalen Katastrophen und sucht rastlos und rebellisch die ursprünglichen Quellen der verlorenen Würde, der geistigen Muße und der schöpferischen Freiheit. Seine poetische Sprache ist klangvoll und quasi dionysisch, bildhaft und dynamisch. In seinem Gedicht »An den Sturm« wird die kathartische Naturkraft der Poesie an sich imaginiert: »Es regnet,/wäscht das Blut der Wege,/damit die Grausamkeit aus dem Gedächtnis verschwindet.«

© internationales literaturfestival berlin

 

BIBLIOGRAFIE:

 

Contrahistoria

Editions Coopiss

Medellín, 1986

 

Bajo otros soles

Editions Coopiss

Medellín, 1989

 

Canción en los Campos de Marte

Prometeo

Medellín, 1993

 

Los motivos del salmón

Series Hipnos

Medellín, 1998

 

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