Gast beim ilb 2001
Nadine Gordimer wurde 1923 in der südafrikanischen
Grubenstadt Springs geboren. Die Tochter jüdischer Immigranten
veröffentlichte bereits im Alter von 15 Jahren ihre erste Erzählung.
Sie studierte Geisteswissenschaften in Johannesburg, widmete sich aber
bald ganz dem Schreiben. 1949 erschien ein erster Band mit
Kurzgeschichten, 1953 folgte ihr erster, noch stark autobiografisch
geprägter, Roman »The Lying Days« (dt. »Entzauberung«). Ende der 1950er
Jahre lernte die Schriftstellerin den damaligen Vorsitzenden des
African National Congress (ANC), Albert Luthuli, kennen. Ihr
politisches Engagement gegen die Gesetze der Apartheid und für die
Gleichberechtigung der Schwarzen machte sie bald zur persona non grata
in Südafrika. Das Verbot ihres Romans »Burger’s Daughter« (Ü: Burgers
Tochter) von 1979 wurde erst nach Protesten berühmter Schriftsteller,
darunter Heinrich Böll, wieder aufgehoben. Die Auszeichnung des
ANC-Mitglieds (seit 1990) Nadine Gordimer mit dem Nobelpreis für
Literatur 1991 quittierte der damalige Staatspräsident de Klerk mit
Schweigen. International wurde man früh auf die südafrikanische
Schriftstellerin, die heute zu den bedeutendsten Autorinnen der
Weltliteratur zählt, aufmerksam. Waren bereits ihre ersten Erzählungen
in renommierten US-Magazinen wie »The Yale Review« oder »The New
Yorker« erschienen, so fanden sich in der Folge auch die Verleger ihrer
Bücher größtenteils in New York oder London. 1979 war Gordimer
Vizepräsidentin des internationalen PEN-Clubs. Sie erhielt zahlreiche
Auszeichnungen, darunter 1974 den begehrten englischen Booker Prize für
»The Conservationist« (dt. »Der Besitzer«) und 1985 den
Nelly-Sachs-Preis der Stadt Darmstadt. Sie hielt Gastvorlesungen in den
USA, 1995 auch in Indien. Der 14. Ehrendoktor wurde ihr 1992 in
Cambridge verliehen.
Obwohl die Frage nach der Zukunft des kolonisierten Afrika und das
Engagement gegen den Rassismus Gordimers Literatur einen
unverwechselbaren Stempel aufdrücken, ist ihre Prosa mit der
Bezeichnung »engagierte Literatur« nicht hinreichend beschrieben.
Tatsächlich begreift sich die Südafrikanerin nicht in erster Linie als
politische Autorin: »Ich bin ein unpolitischer Mensch in einer
Situation, in der man politisch sein muss, um Wirkung zu haben«,
äußerte sie einmal. »Ich habe nichts anzubieten als mein
schriftstellerisches Talent.« Dieses Talent erlaubte ihr, der Welt
verständlich zu machen, »inwieweit die Apartheid das Leben ganz
normaler Leute durcheinander gebracht hat«. Mit dem Ende der Apartheid
haben sich die Themen und mit ihnen auch die Charaktere in Gordimers
Romanen verändert. Erhalten hat sich die unbestechliche
Beobachtungsgabe einer Autorin, deren Aufmerksamkeit der Psychologie
des Individuums – in einer bestimmten (sozialen, politischen) Situation
– gilt.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Entzauberung
Fischer
Berlin, 1959
Übersetzung: Wolfgang von Einsiedel
Der Besitzer
Claassen
Düsseldorf, 1977
Übersetzung: Victoria Wocker
Burgers Tochter
Fischer
Frankfurt/Main, 1981
Übersetzung: Margaret Carroux
Gutes Klima, nette Nachbarn
Fischer
Frankfurt/Main, 1982
Übersetzung: Walter Harmann
July´s Leute
Fischer
Frankfurt/Main, 1982
Übersetzung: Margaret Carroux
Der Ehrengast
Fischer
Frankfurt/Main, 1986
Übersetzung: Klaus Hoffer
Die Geschichte meines Sohnes
Fischer
Frankfurt/Main, 1991
Übersetzung: Stefanie Schaffer de Vries
Die sanfte Stimme der Schlange
Fischer
Frankfurt/Main, 1995
Übersetzung: Katrin von Hutten
Niemand der mit mir geht
Berlin Verlag
Berlin, 1995
Übersetzung: Friedericke Kuhn
Die Hauswaffe
Berlin Verlag
Berlin, 1998
Übersetzung: Susanne Höbel
Die Umarmung eines Soldaten
Fischer
Frankfurt/Main, 1999
Übersetzung: Anne Steeb
Zwischen Hoffnung und Geschichte. Notizen aus unserem Jahrhundert
Berlin Verlag
Berlin, 2000
Übersetzung: Susanne Höbel
Beute
Berlin Verlag
Berlin, 2003
Übersetzung: Barbara Schaden
Fremdling unter Fremden
Fischer
Frankfurt/Main, 2004
Übersetzung: Wolfgang von Einsiedel
Anlass zu lieben
Fischer
Frankfurt/Main, 2004
Übersetzung: Margaret Carroux
Ein Mann von der Straße
BVT
Berlin, 2005
Übersetzung: Heidi Zerning
Fang an zu leben
Berlin Verlag
Berlin, 2006
Übersetzung: Malte Friedrich
Übersetzer: Margaret Carroux, Susanne Höbel, Peter
Kleinhempel, Friederike Kuhn, Barbara Schaden, Stefanie Schaffer-de
Vries, Wolfgang von Einsiedel, Heidi Zerning
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