| Gast beim ilb 2002
Alain Mabanckou wurde am 24. Februar 1966 in Ponte
Noire, im Kongo, geboren. An das Abitur schloss er ein Jura-Studium an,
das er in Brazzaville begann und in Paris beendete. Heute arbeitet er
neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit als Berater für ein großes
Pariser Unternehmen und als freier Journalist. Neben Autoren wie
Abdourahman A. Waberi und Kossi Effi zählt er zu den erfolgreichsten
Stimmen der jüngeren afrikanischen Literatur in französischer Sprache.
Seinen großen Durchbruch erzielte Mabanckou mit dem Roman
"Bleu-Blanc-Rouge" (1998), für den er den "Grand Prix littéraire de
l’Afrique Noire" erhielt. Darin erzählt er die Geschichte zweier
afrikanischer Männer, deren Wünsche und Hoffnungen an der Realität
ihres Sehnsuchtlandes Frankreich zerbrechen. Genährt von Vorstellungen
von Gleichheit und Brüderlichkeit und dem Glauben daran, dass Bildung
zu sozialem Aufstieg verhelfe, muss Massala-Massala – ein klassischer
Anti-Held – erkennen, dass es in Paris weniger auf Zeugnisse und
Diplome ankommt als auf die Fähigkeit, sich nötigenfalls auch auf
illegalen Wegen durch das Grau des Alltags zu schlagen. Dabei hatte aus
der Ferne alles so farbenfroh blau-weiß-rot geleuchtet... Der Roman
gerät so zu einer bissigen Satire auf jene Afrikaner, die alles daran
setzen, sich in Frankreich niederzulassen und darüber ihre Herkunft
vergessen. Und er zeigt deutlich, dass sich in den einstigen
französischen Kolonien trotz ihrer Unabhängigkeit noch immer vieles an
dem ehemaligen Kolonialherrn ausrichtet.
Es ist die nicht immer konfliktfreie Begegnung zwischen Frankreich
und Afrika, die das Werk Mabanckous prägt. Während sein erster
Gedichtband "Au jour, le jour" (1993) nach eigenen Aussagen noch zu
sehr der klassischen französischen Metrik verhaftet blieb, findet
Mabanckou spätestens in der lyrischen Erzählung vom Tode seiner Mutter,
"La Légende de l’errance" (1995), zu einem eigenen Ton. In "Les arbres
aussi versent des larmes" (1997) greift er auf das Bild des Baums als
Symbol für den Kreislauf des Lebens zurück und setzt sich mittels
dieses Bildes, das er auf die Regenwälder seiner Heimat bezieht, mit
dem Verlust traditioneller Werte auseinander.
Sein bislang letzter Gedichtband ist Liebeserklärung und
Trauergesang zugleich: in "Quand le coq annoncera l’aube d’un autre
jour" (1999) schreibt Mabanckou über den Krieg, der sein Land zerstört.
Dieses Thema bestimmt auch den 2002 erschienenen Roman "Les Petit-Fils
nègres de Vercingétorix". Aus Sicht einer Frau werden hier die
kriegerischen Auseinandersetzungen der fiktiven Republik Viétongo
geschildert – und es bedarf keiner großen Phantasie, um festzustellen,
dass es sich hierbei um eine Anspiegelung auf den Bürgerkrieg in seinem
Herkunftsland handelt. Für seinen Roman "Mémoires de porc-épic" wurde
er 2006 mit dem Prix Renaudot, dem Prix Aliénor d’Aquitaine sowie dem
Prix de la rentrée littéraire française ausgezeichnet.
Mabanckou, der seit über 20 Jahren in Paris lebt und dessen Bücher
alle in Frankreich erschienen, sieht sich dennoch als ein afrikanischer
Schriftsteller: "Wie heißt es so schön: Eine Kaulquappe kann schwimmen,
aber das macht sie noch lange nicht zu einem Krokodil. Es mag sein,
dass meine Art und Weise zu schreiben meine Bücher zu einem Teil der
Weltliteratur werden lässt, aber es bleibt doch unbestritten, dass ich
ein Afrikaner bin und meine afrikanische Seite sich stets in meinem
Werk zeigt. Ich empfinde mich als Schriftsteller, aber als ein
Schriftsteller, der nicht vergessen hat, dass er ein Afrikaner ist."
Dirk Naguschewski
© internationales literaturfestival berlin
Alain Mabanckou online:
www.congopage.com/rubrique.php3?id_rubrique=217
BIBLIOGRAFIE:
Au jour, le jour
Maison Rhodanienne
Paris, 1993
Les arbres aussi versent des larmes
L´ Harmattan
Paris, 1997
Bleu-Blanc-Rouge
Présence Africaine
Paris, 1998
Quand le coq annoncera l´aube d´un autre jour
L´ Harmattan
Paris, 1999
Et Dieu seul sait comment je dors
Présence Africaine
Paris, 2001
Les Petit-Fils nègres de Vercingétorix
Le Serpent à Plumes
Paris, 2002
African Psycho
Le Serpent à Plumes
Paris, 2003
Verre cassé
Seuil
Paris, 2005
Mémoires de porc-épic,
Seuil
Paris, 2006
Übersetzer: Leopold Federmair
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