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Autor
©Carl Hanser Verlag

Joke van Leeuwen

Niederlande

Gast des ilb 2002

Joke van Leeuwen wurde 1952 in Den Haag geboren. Als Vierzehnjährige zog sie mit ihrer Familie nach Belgien und kam schon in ihrer frühen Jugend mit verschiedenen Ausdrucksformen der Kunst in Berührung. Sie studierte Kunst, Grafik und Geschichte in Brüssel und Antwerpen. Nachdem sie das renommierte Kabarett-Festival in Delft gewonnen hatte, ging Joke van Leeuwen bis 1985 mit eigenen Kabarettprogrammen auf Tour. Als Kinderbuchautorin bekannt wurde sie 1979 mit „Een huis met zeven kamers“ (Ü: Ein Haus mit sieben Kammern), für das sie mit dem „Goldenen Pinsel“ ausgezeichnet wurde. In ihren rund 30 Kinder- und Jugendbücher sind ihre kabarettistischen Wurzeln stets spürbar geblieben.

Sprache und Zeichnung bilden bei Joke van Leeuwen eine untrennbare Einheit. Skizzen, Collagen, Markierungen, Symbole und Entwürfe fließen übergangslos in den Text ein, der variantenreich zwischen Monolog, Dialog, Beschreibungen, Briefen, Notizen, Buchstabenspielen und Lautmalerei changiert.

„Deesje“ (1985; dt. „Deesje macht das schon“, 1987), eines der bekanntesten Bücher der Autorin, erzählt von einem stillen, nachdenklichen Mädchen, das selten sagt, was es denkt und am liebsten liest oder in sein „Sachenheft“ schreibt. Halb Comic, halb Komik, fängt die Autorin in Text und Federzeichnung die Verwirrungen ein, die Dessje in Gang setzt, als sie eines Tages ihre Halbtante in der großen Stadt besuchen soll. „Deesje“ wurde 1986 mit den höchsten holländischen Kinderbuchpreisen, dem „Goldenen Griffel“ für den Text und dem „Silbernen Pinsel“ für die Illustrationen ausgezeichnet und erhielt 1988 den „Deutschen Jugendliteraturpreis“. Häufig tragen Joke van Leeuwens Figuren allegorisch-märchenhafte Züge. Sie haben keine Genealogie, ein nur geschätztes Alter, Schulbesuch ist kein Thema, der Verbleib der Eltern oft unklar. So auch Viegelchen, das, halb Kind, halb Vogel, liebevoll von einem kinderlosen Ehepaar aufgenommen wird. In „Iep!“ von 1996 (dt. „Viegelchen will fliegen“, 1999) entwickelt die Autorin eine hintergründige Parabel über den Zwiespalt zwischen Liebe und Fürsorge einerseits und dem Loslassen-Können andererseits. „Viegelchen will fliegen“ wurde in Holland mit dem „Silbernen Griffel“, in Belgien mit der „Goldenen Eule“ ausgezeichnet. In „Kukel“ von 1998 (dt. „Prinz Bussel“, 2002) widmet sich die Autorin der kindlichen Sehnsucht nach einem echten Zuhause. Bussel ist ein einsamer Junge, der sich im Schatten seiner sieben wunderschön singenden Schwestern wie ein lästiges Anhängsel fühlt und glaubt, das verlorene Kind der Königin zu sein. Charmant illustriert erzählt sie die hinreißende Geschichte eines Tollpatsches mit überbordender Fantasie. Van Leeuwens große Solidarität mit dem Kind in einer Gesellschaft, welche die Jugend bevormundet, mündet auch hier in ein Märchen über kindliche Sehnsucht, in dem Abenteuer, Akzeptanz und ein großes Maß an Freiheit eine besondere Rolle spielen. In deutscher Sprache erschienen Zuletzt die Kinderbücher „Kweenie“ (2003; dt. „Weissnich“, 2005) und „Slopie“ (2004; dt. „Rissi, das Kind, dass alles wußte“, 2006). In „Weißnich“ erzählt van Leeuwen die bezaubernde Geschichte eines kleinen Mädchens, das sich mit dem kleinen Geschöpf Weißnich auf die Suche nach jener Geschichte begibt, aus der dieses wohl gefallen sein könnte. Erfrischend einfallsreich und kunstvoll versteht es van Leeuwen mit ihren Illustrationen die erlebnisreiche Reise der beiden durch die vielen verschiedenen Geschichten umzusetzen. „Weißnich“ wurde mit dem Luchs des Jahres 2005 ausgezeichnet und 2006 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. In „Rissi, das Kind, das alles wusste“ wirft van Leeuwen einen ironischen Blick auf die modernen Unterhaltungsmedien. Rissi hat ein beeindruckendes Gedächtnis, wie ihre Eltern glauben, und wird deshalb von ihnen für eine Quiz-Show angemeldet. Doch Rissi hat einen heimlichen Souffleur, der droht, ihrem Vater etwas anzutun, falls sie den Millionengewinn nicht mit ihm teilen sollte. Beruhend auf den Erlebnissen der jungen Malik Blain hat Joke von Leeuwen das Buch „Jahre ohne Amrar“ (2006; „Bezoekjaren“, 1998) veröffentlicht, das die Geschichte einer Familie im Marokko der 70er Jahre erzählt: Nachdem Zamis älterer Bruder Amrar im Zuge studentischer Unruhen für die Demokratisierung des Landes gefangen genommen wird, beginnt für seine Familie ein erbitterter Kampf um seine Freilassung.

Joke van Leeuwen schreibt außerdem Theaterstücke und arbeitet für das Fernsehen. 2002 wurde sie für den renommierten „Hans Christian Andersen Award“ nominiert. Die Autorin lebt in Maastricht im Süden der Niederlande.

© internationales literaturfestival berlin

Joke van Leeuwen online: www.jokevanleeuwen.com

BIBLIOGRAFIE:


Ein Haus mit sieben Kammern

Sauerländer

Aarau, 1983

 

Magnus fährt U-Bahn

Sauerländer

Aarau, 1985

[Ü: Marie Therese Schins-Machleidt]

 

Deesje macht das schon

Beltz & Gelberg

Weinheim, 1987

[Ü: Mirjam Pressler]

 

Die Geschichte von Bobbel, die in einem Wohnrad lebte und reich werden wollte

Beltz & Gelberg

Weinheim, 1989

[Ü: Mirjam Pressler]

 

Viegelchen will fliegen

Hanser

München, 1999

[Ü: Hanni Ehlers]

 

Prinz Bussel

Hanser

München, 2002

[Ü: Hanni Ehlers]

 

Weißnich

Gerstenberg

Hildesheim, 2005

[Ü: Hanni Ehlers] 

Heb je mijn zusje gezien?
Querido
Amsterdam, 2006

Jahre ohne Amrar
[mit Malika Blain]
Sauerländer
Düsseldorf, 2006
[Ü: Andrea Kluitmann]


Rissi, das Kind, dass alles wußte

Gerstenberg

Hildesheim, 2006

[Ü: Hanni Ehlers]


Wuif de mussen uit
Querido
Amsterdam, 2006

Übersetzer: Hanni Ehlers, Mirjam Pressler

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