Gast beim ilb 2004
Xi Chuan (eigentlich Liu Jun) wurde 1963 in Xuzhou,
in der Provinz Jiangsu, Volksrepublik China, geboren. Von 1981 bis 1985
studierte er Englisch an der Universität in Peking. Nach dem Studium
war er zunächst Redakteur für das Magazin „Huangqiu“ (Ü: Globus) der
chinesischen Presseagentur Xinhua. Später unterrichtete er englische
und klassische chinesische Literatur an der Zentralakademie der Schönen
Künste in Peking. Obwohl er seine Gedichte im Stil der „Neuen Poesie“
und seine Essays erst nach 1985 veröffentlichte, hatte Xi Chuan schon
zu Studienzeiten einen Namen in der literarischen Szene. 1988 gründete
er mit Freunden das Lyrikmagazin „Qingxiang“ (Ü: Tendenz), das jedoch
nach nur drei Ausgaben verboten wurde. Von 1990 bis 1995 war er einer
der Herausgeber von „Modern Han Poetry“. 1996 wurde er in den Vorstand des chinesischen Dichterverbandes gewählt.
Xi Chuan ist insbesondere für seine langen Prosa-Dichtungen bekannt.
Zu seinen wichtigsten Texten zählen „Zhijing“ (1992; Ü: Gruß) und „Ying
de Huayu” (1999; dt. „Die Diskurse des Adlers“, 2004), mit dem er in
neunundneunzig Abschnitten etwa „über die Schädlich- und
Schrecklichkeit des Denkens“, „über die Einsamkeit, d. h. über
unerfüllte Wünsche“ oder „über falsche Kausalität und echten Zufall in
dunklen Zimmern“ sinniert. Bisher hat Xi Chuan vier Lyrikbände
veröffentlicht, darunter „Xugou de jiapu” (1997; Ü: Ein fiktiver
Stammbaum) und „Dayi ru ci” (1997; Ü: Dies ist die Idee), ein
Theaterstück und drei Essaybände. Außerdem ist er in zahlreichen in-
und ausländischen Anthologien vertreten. 1997 gab er die Gesammelten
Werke des Schriftstellers Hai Zi heraus, der sich 1989 das Leben
genommen hatte. Xi Chuan ist auch als Übersetzer, vor allem von
Gedichten, tätig. Neben afrikanischer und englischer Lyrik übertrug er
Werke von Ezra Pound, Jorge Luis Borges und Czes³aw Mi³osz ins
Chinesische. Seine eigenen Texte wurden in mehrere Sprachen übersetzt
und mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem
Modern Chinese Poetry Prize 1994, dem Anne-Kao-Preis 1995 sowie 2001
mit dem nationalen Luxun Preis. Mehrere Stipendien ermöglichten ihm
längere Aufenthalte im Ausland, etwa in Indien, den USA und im
Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf in Deutschland. Xi Chuan lebt in
Peking, wo er für die New China News Agency tätig ist.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Dayi ru ci
Literature & Art Press
Hunan, 1997
Xugou de jiapu
Peace Press
Pekin, 1997
Die Diskurse des Adlers
Projekt-Verlag
Bochum, Freiburg, 2004
Übersetzung: Brigitte Höhenrieder, Peter Hoffman und Tübinger Arbeitskreis Chinesische Literatur
Übersetzer: Brigitte Höhenrieder, Peter Hoffmann, Tübinger Arbeitskreis Chinesische Literatur |