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© Doris Poklekowski

Katja Lange-Müller

Deutschland










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Gast des ilb 2004, 2007

Katja Lange-Müller wurde 1951 in Berlin geboren. Die Tochter einer Volkskammer-Abgeordneten wurde als 17-jährige wegen »unsozialistischen Verhaltens« der Schule verwiesen. Sie lernte Schriftsetzerin und war u.a. bei der »Berliner Zeitung«, als Requisiteurin beim Fernsehen sowie als Hilfsschwester auf psychiatrischen Krankenhausstationen tätig, bis sie ihren Schulabschluss nachholte und am Literaturinstitut »Johannes R. Becher« in Leipzig ein Studium begann. 1982 studierte sie ein Jahr in der Mongolei, danach war sie als Lektorin im »Altberliner Verlag« tätig. Im November 1984 reiste sie nach West-Berlin aus. 1986 gewann sie den Bachmann-Preis, und im gleichen Jahr legte sie ihre erste Buchpublikation »Wehleid – wie im Leben« vor, eine Sammlung kurzer Textstücke, die surrealistische und sprachspielerische Einflüsse erkennen lassen. Weitere Erzählungen enthalten autobiografische Momente – etwa aus ihrer Zeit als Pflegerin und ihrem Mongolei-Aufenthalt. Groteske und satirische Elemente brechen die Schilderung der handfesten Alltagsrealitäten des DDR-Lebens. Im folgenden Buch, der Erzählung »Kasper Mauser – die Feigheit vorm Freund« (1988), ist die deutsche Teilung zentrales Thema: beiderseits der Mauer leben die Hauptfiguren und kratzen an dem Ungetüm. Nie sei, so F.C. Delius in seiner Laudatio zum Stadtschreiberpreis der Stadt Mainz, »so komisch und sprachwitzig beschrieben worden«, was die Abgründe des DDR-Alltags und das »Spotten und Grübeln über Deutschland und über Grenzen« ausmacht. Auch »Verfrühte Tierliebe« (1995) und »Die Enten, die Frauen und die Wahrheit« (2003) vereinigen hochkomische Passagen mit einem untergründigen melancholischen Ton, die sich zu einem spezifischen Humor fügen, der in der deutschen Gegenwartsliteratur seinesgleichen sucht. Im Jahr 2000 veröffentlicht Lange-Müller den Roman »Die Letzten. Aufzeichnungen aus Udo Posbichs Druckerei«, für den sie 2001 den Preis der SWR-Bestenliste erhielt. »Die Letzten« – in zweierlei Hinsicht – sind in Posbichs Privat-Druckerei gestrandete Setzer. Einerseits sind sie die letzten ihres Berufsstandes in der Gutenberg-Galaxie, andererseits befinden sie sich an letzter Stelle der Skala offizieller Anerkennung. Lange-Müller entfaltet mit ihrer empathischen Beschreibung der gesellschaftlichen Außenseiter präzise die System- und Weltfremdheit dieses Mikrokosmos im Ostberlin der siebziger Jahre.

Von Literaturbetrieb und Publikum früh wahrgenommen und anerkannt, erhielt Katja Lange-Müller zahlreiche Preise: 1989 war sie Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim, sie wurde mit dem Alfred-Döblin-Preis (1995), dem Berliner Literaturpreis (1996) und der Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Gandersheim (2002) ausgezeichnet. 2005 erhielt sie den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor und gründete zusammen mit anderen Autoren die Lübecker »Gruppe 05«. Die Autorin ist Mitglied der Akademie für Deutsche Sprache und Dichtung in Darmstadt und der Akademie der Künste in Berlin. Zuletzt erschien Lange-Müllers Roman »Böse Schafe« (2007), der die Liebes- und Leidensgeschichte von Soja und Harry im Berliner Westen der achtziger Jahre erzählt: »Wir haben einander und Zeit; nichts sonst, doch davon ganz viel, obwohl es scheint, als existierte sie gar nicht mehr.« Katja Lange-Müller lebt in Berlin.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

Wehleid – wie im Leben
Fischer
Frankfurt/Main, 1986

Kasper Mauser – die Feigheit vorm Freund
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1988

Verfrühte Tierliebe
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 1995

Bahnhof Berlin [Hg.]
dtv
München, 1997

Die Letzten
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2000

Biotopische Zustände
Berliner Handpresse
Berlin, 2001

Der süße Käfer und der saure Käfer
Berliner Handpresse 
Berlin, 2002
[Ill: Ingrid Jörg] 

Vom Fisch bespuckt 
Kiepenheuer & Witsch 
Köln, 2002 

Der Nicaraguanische Hund
Berliner Handpresse
Berlin, 2003

Die Enten, die Frauen und die Wahrheit
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2003

Die Grube ruft
Berliner Handpresse
Berlin, 2005

Stabile Seitenlage
Keicher
Warmbronn, 2005

Böse Schafe
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2007

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