Gast des ilb 2001
Michele Leggott wurde 1956 in Stratford, Taranaki, auf
Neuseeland, geboren. Ihr Englischstudium an der Universität von
Canterbury schloß sie mit einer Arbeit über den neuseeländischen
Schriftsteller Ian Wedde ab. Sie ging dann für fünf Jahre an die
University of British Columbia in Kanada, wo sie eine Dissertation über
den amerikanischen Dichter Louis Zukofsky verfaßte. Ab 1980
veröffentlichte Leggott eigene Gedichte in Zeitschriften. Nach einer
ersten kleinen Sammlung erschien 1988 ihr erstes Buch, »Like This?«,
mit Gedichten der letzten zehn Jahre. Es wurde mit dem PEN First Book
of Poetry Award ausgezeichnet.
Seit 1986 unterrichtet Michele Leggott Englisch an der Universität von
Auckland; sie arbeitete außerdem als Herausgeberin � unter anderem 1991
bis 1993 für die Zeitschrift »Landfall« � und publiziert Aufsätze über
zeitgenössische Poesie und Poetik. 1998 trat sie in einem Videofilm mit
dem Titel »Heaven�s Cloudy Smile« auf, der auf Filmfestivals in
Auckland, Montreal und Rio De Janeiro gezeigt wurde. Seit 1999 leitet
Leggott eine Forschungsgruppe, die sich mit der neuseeländischen
Schriftstellerin Robin Hyde (1906-1939) beschäftigt.
Leggotts Gedichte sind in zahlreichen Anthologien zur neuseeländischen
Lyrik vertreten. »DIA«, ihr dritter Lyrikband von 1994, wurde mit dem
New Zealand book Award for Poetry ausgezeichnet. In ihrem letzten Buch,
»As far as I can see« von 1999, verarbeitet die Dichterin ihre
leidvolle Erfahrung des Verlusts ihrer Sehkraft. Sie erhielt hierfür
einen Preis der neuseeländischen Foundation for the Blind.
Als Dichterin zeigt sich Michele Leggott von ihrer wissenschaftlichen
Arbeit über die experimentelle Lyriktradition Amerikas und Neuseelands
beeinflußt. Neben kompakten, kurzzeiligen Gedichten mit ausgeklügelten
Wortspielen und musikalischen Effekten, die von der Rezeption Zukofskys
zeugen, finden sich auch bis zu sieben Seiten lange, langzeilige Werke.
»Swimmers, Dancers« von 1991 verknüpft in einer Art verbalem Fotoalbum
Kindheitserinne-rungen mit den Erfahrungen eigener Familiengründung.
Als eine Hommage an die weibliche Lyriktradition ihres Landes und
zugleich als Kritik an deren Vernachlässigung ist der Zyklus »Blue
Irises« (in »DIA«) zu verstehen. In diesen 30 Gedichten experimentiert
Leggot mit der Sonettform, von der sie den Umfang von 14 Zeilen, nicht
jedoch das Reimschema übernimmt. Ihr letztes Buch, zum Teil ebenfalls
in solchen freien Sonnetten geschrieben, bezeichnet die Autorin als
Versuche, »sich an das Sehen zu erinnern, etwas gegen die Dunkelheit zu
stellen, während ich nach Wegen suchte, zu verstehen, wohin sie mich
gestellt hat.«
In dem Zyklus »a woman, a rose, and what has it to do with her or they
with one another« reflektiert sie ihre Situation in rhythmisch sehr
freien Prosagedichten.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Swimmers, Dancers
Auckland UP
Auckland, 1991
DIA
Auckland UP
Auckland, 1994
As Far as I Can See
Auckland UP
Auckland, 1999
Milk and Honey
Auckland UP
Auckland, 2005
Übersetzer: Rainer G. Schmidt |