Gast des ilb 2001
Alice Vieira, geboren 1943 in Lissabon, studierte Anglistik und Germanistik. Von 1975 bis 1989 war sie als Redakteurin bei der Lissaboner Tageszeitung »Diário de Notícias« tätig, wo sie u.a. für die wöchentliche Kinderbeilage zuständig war.
Ihre erste Erzählung »Rosa, meine Schwester Rosa« wurde 1979 veröffentlicht und mit dem portugiesischen Kinderbuchpreis Prémio de Literatura Infantil Ano Internacional da Criança ausgezeichnet. Die zehnjährige Mariana sieht sich darin mit der Geburt ihrer Schwester Rosa konfrontiert, und muß feststellen, daß dieses kleine Wesen von nun an das gesamte Familien-leben dominiert. Doch ist es nicht auch schön, die Ältere zu sein? Wie früher die verstorbene Großmutter Lídia, so beginnt nun Mariana Rosa Geschichten zu erzählen.
Die Protagonisten in Alice Vieiras Büchern suchen oft nach Lösungen für Probleme, wie Ein-samkeit und Identitätsbildung, die sie mit einem Großteil ihrer jungen Leser teilen. »Menschen, die keine Wörter benutzen, werden stumm«, sagte Großmutter Rosário zu der kleinen Melinda in »Wenn Melinda träumt« (1986). Das Geschichtenerzählen ermöglicht den Figuren einen phantasievollen Weg der Problembewältigung.
»Ich schreibe keine Happy Ends, aber ich begegne dem Leben von der bestmöglichen Seite, und dann gibt es in meinen Büchern immer ein optimistisches Ende, ohne daß die Probleme, unter denen wir leiden, verborgen bleiben oder vergessen würden«, stellt Alice Vieira fest.
Seit einigen Jahren widmet sich Alice Vieira ganz ihrer literarischen Arbeit. Mehr als 30 Bücher für Kinder und Jugendliche hat sie bisher veröffentlicht, darunter Erzählungen, Theaterstücke, Kurzgeschichten und eine Anthologie von »folk poetry«. Ebenso bekannt wurde sie durch ihre Zeitungsartikel, mit denen sie sich an ein erwachsenes Leserpublikum richtet.
Alice Vieiras Bücher wurden in viele europäische Sprachen übersetzt. Sie zählt zu den erfolgreichsten Jugendbuchautorinnen ihres Landes und hat die wichtigsten portugiesischen Preise erhalten, darunter den Grande Prémio Calouste Gulbenkian de Literatura para Crianças (1994), der ihr für ihr Gesamtwerk im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur verliehen wurde.
Ihre Erzählung »Die Augen von Ana Marta« wurde 1994 in die Ehrenliste der IBBY (Internatio-nal Board on Books for Young People) aufgenommen. Die deutsche Ausgabe wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
1996 und 1998 wurde sie von der portugiesischen IBBY für den Hans-Christian-Andersen-Preis vorgeschlagen.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Um nome para Setembro
Plátano
Lisboa, 1979
Lote 12 – 2° Frente
Editorial Caminho
Lisboa, 1980
Flor de mel
Editorial Caminho
Lisboa, 1986
Chocolate á Chuva
Editorial Caminho
Lisboa, 1987
Polina ao piano
Editorial Caminho
Lisboa, 1987
A Lua não Está à Venda
Editorial Caminho
Lisboa, 1988
As mãos de Lam Seng
Instituto Cultural de Macau, Editorial Pública
Macau, 1988
O templo da promesa
Instituto Cultural de Macau, Editorial Pública
Macau, 1988
Um estranho barulho de asas
Instituto Cultural de Macau, Editorial Pública
Macau, 1988
Uma voz do fondo das águas
Instituto Cultural de Macau, Editorial Pública
Macau, 1988
Wenn Melinda träumt
Cecilie Dressler
Hamburg, 1989
Übersetzung: Karin Schreiner
Úrsula a Maior
Editorial Caminho
Lisboa, 1990
Promontório da lua: histórias de Cascais
Editorial Caminho
Lissabon, 1991
Rosa minha irma Rosa
Dressler
Hamburg, 1991
Ab heute heiss ich Luís
Dressler
Hamburg, 1992
Übersetzung: Karin Schreiner
A Bela Moura
Editorial Caminho
Lisboa, 1993
Esta Lisboa
Editorial Caminho
Lisboa, 1993
Eu bem vi nascer o sol
Editorial Caminho
Lisboa, 1994
Caderno de Agosto
Editorial Caminho
Lisboa, 1995
Um fio de fumo: nos confins do mar
Editorial Caminho
Lisboa, 1999
Vinte cinco a sete vozes
Editorial Caminho
Lisboa, 1999
Die Augen von Ana Marta
Fischer
Frankfurt/Main 2000
Übersetzung: Nicolai von Schweder-Schreiner
Contas e Lendas de Macau
Editorial Caminho
Lisboa, 2002
Bica Escaldada
Casa das Letras
Lisboa, 2004
Übersetzer: Karin von Schweder-Schreiner, Nicolai von Schweder-Schreiner |