Gast des ilb 2001
Josef Holub, 1926 im heutigen Nyrsko, Tschechische Republik, geboren, verbrachte seine Kindheit und frühe Jugend im Böhmerwald. Noch in der Zeit des Nationalsozialismus besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Prachatitz. Dem folgten Arbeitsdienst und Wehrmacht, amerikanische und französische Kriegsgefangenschaft. Holub wurde zur Arbeit bei einem Minenräum-kommando eingeteilt, bis ihm schließlich die Flucht gelang. Nach dem Krieg setzte er seine Ausbildung als Lehrer im mittelfränkischen Schwabach fort. Als ausgeübte Berufe nennt der zuletzt als Oberamtsrat bei der Post beschäftigte Josef Holub unter anderem Schmuggler, Kunstgewerbler und Briefträger. Neben seiner beruflichen Karriere engagierte sich der Autor aktiv in der Jugendarbeit, Gewerkschaftsarbeit, als Ortsvorsteher von Grab und ist bis heute als ehrenamtlicher Gemeindearchivar tätig.
Der 1992 mit dem Peter-Härtling-Preis ausgezeichnete Roman »Der Rote Nepomuk« (1993) erzählt die Freundschaft zwischen dem Deutschen Pepitschek und dem Tschechen Jirschi im Böhmen des Jahres 1938. Der Einmarsch von Hitlers Truppen bereitet dieser Freundschaft ein jähes Ende. »Nichts ist mehr, wie es war, und deswegen ist auch die Welt neu eingeteilt worden.« Doch Nepomuk, der Brückenheilige, läßt bereits im Titel hoffen, daß neue Brücken geschlagen werden können, über trennende Grenzen hinweg.
Der Roman entstand bereits vor nahezu fünfzig Jahren, wurde aber zu Zeiten des Kalten Krieges nicht veröffentlicht. Der Autor gibt an, das Manuskript im Laufe der Jahrzehnte bei-nahe vergessen zu haben. Familie, Beruf und kommunale Aufgaben hätten ihn völlig vereinnahmt. Erst nach seiner Pensionierung fand Josef Holub wieder genügend Zeit, um sich dem Schreiben zu widmen. Auch die politischen Veränderungen im Osten, die die CSFR zu einem interessanten Nachbarn gemacht hatten, beförderten nun eine Publikation.
»Ob es ein Jugendbuch ist, weiß ich nicht. Vielleicht auch, hoffentlich nicht nur«, sagt Josef Holub. Den kindlichen Blick auf das Geschehen hat der Autor aus mehreren Gründen gewählt. Zum einen wegen der »Ungeschminktheit« der Sprache und der intensiv erlebten Gefühlswelt eines Kindes, vor allem aber auch, weil er diese Zeit in eben diesem Alter erlebt hat.
Für seinen Roman »Bonifaz und der Räuber Knapp« (1996) erhielt Holub den Züricher Kinderbuchpreis La vache qui lit. »Der Rote Nepomuk« (1993) wurde außerdem in die Auswahlliste des Deutschen Jugendliteraturpreises aufgenommen und mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendliteraturpreis prämiert.
Josef Holub lebt heute in Großerlach. Er hat drei Kinder und vier Enkel.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Der rote Nepomuk
Beltz & Gelberg
Weinheim, Basel, 1993
Bonifaz und der Räuber Knapp
Beltz & Gelberg
Weinheim, Basel, 1996
Lausige Zeiten
Beltz & Gelberg
Weinheim, Basel, 1997
Juksch Jonas und der Sommer in Holundria
Beltz & Gelberg
Weinheim, Basel, 1998
Die Schmuggler von Rotzkalitz
Friedrich Oetinger
Hamburg, 2001
Schmuggler im Glück
Beltz & Gelberg
Weinheim, Basel, 2001
Der Russländer
Oetinger
Hamburg, 2002 |