Gast des ilb 2001
Virginia Hamilton wurde 1936
als jüngstes von fünf Kindern in Ohio, USA, geboren. Sie wuchs auf
einer Farm in der Nähe von Yellow Springs auf, die sich seit 1850, als
ihr Groß-vater der Sklaverei entkam, in Familienbesitz befand. Von 1952
bis 1955 studierte die Autorin am Antioch College Literatur und
kreatives Schreiben und wechselte nach drei Jahren an die Ohio State
University. Von 1958 bis 1960 setzte sie ihr Studium an der New School
for Social Research in New York fort, wo sie den Dichter Arnold Adoff
kennenlernte, den sie 1960 heiratete. Das Paar nannte sich selbst
scherzhaft eine »two-Olivetti-family«.
In ihrem Debüt »Zeely« (1967) beschrieb Virginia Hamilton den Alltag
der schwarzen Amerikaner. Sie brachte, wie viele mit ihr, ein neues
Lebensgefühl zum Ausdruck: »black is beautiful«. Seitdem war die
Autorin beinahe jährlich mit einer Neuerscheinung im Bereich der
Kinder- und Jugendliteratur vertreten. Dabei war es ihr ein großes
Anliegen, Kindern Eindrücke afrikanisch-amerikanischer Kultur zu
vermitteln. Den Wunsch zu schreiben, verspürte die Autorin bereits seit
frühester Kindheit. Beide Elternteile waren begeisterte Leser und
Geschichtenerzähler.
In ihren Geschichten verarbeitete sie Kindheitserlebnisse und Elemente
ihrer Familienchronik. »Ich habe Generationen von Erinnerungen«,
stellte die Autorin in einem Interview fest.
Den idealen Rahmen für ihre literarische Tätigkeit bot der Autorin das
Farmland ihrer Eltern, auf das sie nach ihrem fünfzehnjährigen
Aufenthalt in New York zurückkehrte, um sich dort mit ihrem Mann
niederzulassen.
Ihr 1968 erschienenes Buch »The House of Dies Drear« wurde mit dem
Edgar Allen Poe Award (1968) prämiert. Für den Roman »M.C. Higgins, The
Great« (dt. »M.C. Higgins, der Große«), der als einziger auch in
deutscher Übersetzung vorliegt, erhielt sie als erste
afrikanisch-amerikanische Frau die Newbery Medal (1975). 1992 wurde ihr
der Hans-Christian-Andersen-Preis für ihr Gesamtwerk verliehen.
Virginia Hamilton wurde mehrfach mit einem Ehrendoktor ausgezeichnet.
Sie war selbst Namensgeberin des Virginia Hamilton Literary Award, der
seit 1998 jährlich im Rahmen der Virginia Hamilton Conference on
Multicultural Literary Experiences for Youth verliehen wird. Die
Autorin starb am 19. Februar 2002.
© internationales literaturfestival berlin
Virginia Hamilton online: www.virginiahamilton.com
BIBLIOGRAFIE:
Zeely
Macmillan
New York, 1967
Der Planet des Patrick Brown
Einsiedeln, Benziger
Zürich, Köln, 1975
Übersetzung: Jeannie Ebner
Das Geheimnis der Nachtwanderer
Einsiedeln, Benziger
Zürich, Köln, 1977
Übersetzung: Inge M. Artl
Arilla Sun Down
Hamilton
London, 1977
The Gathering
Macrae
London, 1981
The People Could Fly
Alfred A. Knopf
New York, 1985
Anthony Burns: The Defeat and Triumph of a Fugitive Slave
Alfred A. Knopf
New York, 1988
M. C. Higgins, der Große
Beltz & Gelberg
Weinheim, Basel, 1990
Übersetzung: Heike Brandt
Cousins
Philomel Books
New York, 1990
Ants on the Melon: A Collection of Poems
Random House
New York, 1996
Living on Fire: A Collection of Poems
Random House
New York, 2000
The Girl Who Spun Gold
Blue Sky Press
New York, 2000
Plain City
Scholastic
New York, 2002
Übersetzer: Inge M. Arlt, Heike Brandt, Jeannie Ebner, Barbara von Bechtholsheim-Leibbrandt |