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Autor
© Doris Poklekowski

 Rodney Hall

 Großbritannien

Gast des ilb 2001

Rodney Hall wurde 1935 in Birmingham, Großbritannien, geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters wanderte er 1945 mit seiner Mutter in deren Heimatland, nach Australien aus. Er wuchs in Brisbane auf und brach mit 16 Jahren die Schule ab, um Schauspieler zu werden. Gleichwohl schloß er 1971 an der Universität von Queensland ein Studium ab. Sein Tätigkeitsfeld umfaßte neben Schauspielerei auch Malerei und Musik. Einige Jahre lang arbeitete er als Lyrikredakteur für die Zeitung »The Australian«.

Einen Namen als Autor hat sich Hall zunächst mit Gedichten gemacht. Zwischen 1962 und 1981 veröffentlichte er zehn Lyrikbände. Er hat außerdem als Drehbuchautor für Radio und Fernsehen gearbeitet. 1972 erschien sein erster Roman, »The Ship on the Coin«. Weitere Romane, darunter zwei Trilogien, folgten. Hall erhielt verschiedene Auszeichnungen, etwa den Victorian Premier’s Literary Award 1988 und zweimal den Miles Franklin Award (1982 und 1994). Heute lebt er als freier Schriftsteller an der Küste von New South Wales. Sein bekanntester Romanzyklus, die sogenannte Yandilli-Trilogie, wurde ins Deutsche übersetzt.

Die drei Romane »Captivity Captive« (dt. »Gefangen«), »The Second Bridegroom« (dt. »Der zweite Bräutigam«) und »The Grisly Wife« (dt. »Das schaurige Weib«) stellen zusammen eine Art Chronik Australiens von der Zeit der großen Einwanderungen um 1850 bis in die Nachkriegszeit um 1950 dar. Anknüpfend an einen historischen Kriminalfall – der grausame Mord an drei Geschwistern im Jahre 1898 wurde nie vollständig aufgeklärt – nähert sich der Autor der Mentalität der Einwanderer. So wird etwa die Gewalttätigkeit des Vaters von seinen ständig verprügelten Kindern als Ergebnis natürlicher Selektion betrachtet: »Grausam ist kein Wort für Pa«, verteidigt eines der Kinder seinen Peiniger, »Pa muß immer einen Schritt voraus sein. [...] Das da draußen war voller Feinde: Bäume, Männer, Frauen, Känguruhs. Sie mußten eins ums andere aus dem Weg geräumt werden, um Platz für uns zu schaffen.« – Das Monströse an der Geschichte Australiens ebenso anzunehmen wie die Heldenlegenden, ist das Anliegen des poetischen Chronisten Hall. Er beleuchtet die Grundfesten einer archaisch-familiären Hierarchie – Gehorsam, Unterwerfung und Demütigung – ebenso wie den zähen Widerstand der Menschen, ihr Verlangen nach Freiheit.

Mit »The Day We had Hitler Home« erschien 2000 der siebte und letzte Band des großen Romanprojekts von Rodney Hall, das als eine metaphorische Beschreibung der Geschichte Australiens bezeichnet werden kann. Während eine zweite Trilogie im Europa des 17. Jahrhunderts situiert ist, sind hier Europa und Australien gleichermaßen Schauplatz einer unglaublichen Verwechslungsgeschichte um einen schwer verletzten deutschen Soldaten, der 1919 unter australische Kriegsheimkehrer gerät.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Penniless Till Doomsday

1962

 

The Autobiography of a Gorgon, and Other Poems

Cheshire

Melbourne, 1968

 

The Law of Karma: A Progression of Poems

Australian National University Press

Canberra, 1968

 

The Ship on the Coin

UQP

St. Lucia, Australia, 1972

 

The Most Beautiful World

UQP

New York, 1981

 

Just Relations

Penguin

New York, 1982

 

Captivity Captive

Farrar, Straus & Giroux

New York, 1988

 

Gefangen

Fischer

Frankfurt/Main, 1990

[Stefanie Schaffer-de-Fries

 

Kisses of the Enemy

Faber & Faber

London, Boston, 1990

 

Der zweite Bräutigam

Fischer

Frankfurt/Main, 1993

[Stefanie Schaffer-de-Fries

 

Das schaurige Weib

Fischer

Frankfurt/Main, 1995

[Stefanie Schaffer-de-Fries]

 

The Island in the Mind

Picador

Sydney, 1996

 

Abolish the States!

Pan

Sydney, 1998

 

The Day We Had Hitler Home

Granta Books

Lonson, 2001

The Last Love Story
Picador
Sydney, 2004

Love Without Hope
Picador
Sydney, 2007

Übersetzerin: Stefanie Schaffer-De Vries

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