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Autor
© Doris Poklekowski

 Péter Esterházy

 Ungarn

Gast des ilb 2001

Péter Esterházy wurde 1950 in Budapest, Ungarn, geboren. Er enstammt einer der ältesten und bis zu ihrer Enteignung 1948 auch vermögendsten ungarischen Adelsfamilien. Während sein Großvater noch Großgrundbesitzer und 1917/18 Ministerpräsident gewesen war, wuchs Esterházy in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen, abgelegenen Dorf auf, in das seine Familie nach der Machtergreifung der Kommunisten deportiert worden war. Nach seiner Gymnasialzeit bei den Budapester Piaristen studierte er 1969 bis 1974 Mathematik und war anschließend vier Jahre lang als Systemorganisator am Institut für Datenverarbeitung im Ministerium für Hütten- und Maschinenbauindustrie beschäftigt. 1978 ließ sich Esterházy als freiberuflicher Schriftsteller nieder und folgte damit einem Entschluss, den er der eigenen Aussage nach bereits mit 17 Jahren gefasst hatte. 1980 führte ihn ein Stipendium des DAAD nach West-Berlin. Als Fellow des Wissenschaftskollegs Berlin verbrachte er 1996/97 nochmals längere Zeit in Deutschland. 1996 erhielt Esterházy mit dem Kossuth-Preis die höchste künstlerische Auszeichnung seines Landes.

Péter Esterházy gilt als herausragender Vertreter der ungarischen Postmoderne. Sein Erzählen steht von Beginn an im Konfrontationskurs zu den Vorgaben des sozialistischen Realismus, aber auch zu den traditionellen Gesetzen der Epik, die sich an den Parametern Raum, Zeit, Handlung und Charakter orientieren. »Das Wort hat keine Bedeutung, es gibt nur Wortgebrauch.« Von dieser Haltung des Autors zeugen sowohl sein erster Novellenband » Fancsiko und Pinta « von 1976 als auch der über 700 Seiten starke Prosazyklus »Bevezetés a szérpirodalomba« (dt. »Einführung in die schöne Literatur«, 2001) von 1986. Anspielungen, Zitate – oftmals unmarkiert –, Textwiederholungen, Auflösungen und Vervielfachung von Erzählerfiguren sowie das Spiel mit tradierten Formen, autobiographischen und historischen Versatzstücken gehören zum variantenreichen Inventar der Esterházyschen Prosa. An die Stelle von Wirklichkeitsabbildung tritt die unendliche Variation von Sprachwerdung und -gestaltung, von Texten, die darstellen, »wie sie sich selbst schreiben«. Seit der politischen Wende 1989/90 bedient sich Esterházy vermehrt der publizistischen Form und wendet sich dabei politischen und kulturellen Fragen Mitteleuropas zu. Auch hier, so Miklós Györffy, spricht er »seine eigene Sprache, die in ihrer Integrität und Originalität eine geistvolle, elegante Kritik an der Lüge und Leere aller gängigen öffentlichen Diskurse der Kádár-Zeit und der darauffolgenden Machtkämpfe darstellt.«

Weite internationale Bekanntheit erlangte der Autor endgültig mit seinem als "Opus magnum" bezeichneten Roman "Harmonia Cælestis" (2000; dt. 2001) über die Geschichte der Familie Esterházy. Die Familienchronik führte in Ungarn monatelang die Bestsellerlisten an und wurde neben dem Sandor-Marai-Preis auch mit dem Ungarischen Literaturpreis ausgezeichnet. Nachdem er erfahren hatte, dass sein Vater, die zentrale Figur seines großen Werkes, lange Jahre als inoffizieller Mitarbeiter für die ungarische Geheimpolizei Berichte verfasst hatte, veröffentlichte Esterházy den Band "Verbesserten Ausgabe" (2003). Im folgenden Jahr wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Peter Esterhazy lebt in Budapest. Er veröffentlichte zuletzt den Band "Deutschlandreise im Strafraum" (2006) und die vier Theatertexte "Rubens und die nichteuklidischen Weiber" (2006).

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

Fuhrleute
Residenz
Salzburg, Wien, 1988
Übersetzung: ZsuZsanna Gahse

Wer haftet für die Sicherheit der Lady?
Fischer
Frankfurt/Main, 1989
Übersetzung: Hans-Henning Paetzke

Das Buch Hrabals
Residenz
Salzburg, 1991
Übersetzung: Zsuzsanna Gahse

Kleine ungarische Pornographie
Fischer
Frankfurt/Main, 1991
Übersetzung: Zsuzsanna Gahse

Donau abwärts
Residenz
Salzburg, 1992
Übersetzung: Hans Skirecki

Eine Geschichte: Zwei Geschichten
[mit Imre Kertész]
Residenz
Salburg, Wien, 1994
Übersetzung: Kristin Schwamm, Hans Skirecki

Eine Frau
Residenz
Salzburg, 1996
Übersetzung: Zsuzsanna Gahse

Thomas Mann mampft Kebab am Fuße des Holstentores
Residenz
Salzburg, 1999
Übersetzung: Zsuzsanna Gahse

Harmonia Caelestis
Berlin Verlag
Berlin, 2001

Francsikó und Pinta: Geschichten auf ein Stück Schnur gefädelt
Berlin Verlag
Berlin, 2002
Übersetzung: Zsuzsanna Gahse

Verbesserte Ausgabe
Berlin Verlag
Berlin, 2003
Übersetzung: Zsuzsanna Gahse

Die Hilfsverben des Herzens
Berlin Verlag
Berlin, 2004
Übersetzung: Hans-Henning Paetzke

Deutschlandreise im Strafraum
Berlin Verlag
Berlin, 2006
Übersetzung: György Buda

Einführung in die schöne Literatur
Berlin Verlag
Berlin, 2006
Übersetzung: Bernd-Rainer Barth, György Buda, Zsuzsanne Gahse, Angelika Mate, Peter Mate, Terezia Mora und Hans-Henning Paetzke

 

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