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†  Jehuda Amichai

 Israel

Jehuda Amichai wurde 1924 unter dem Namen Ludwig Pfeuffer in Würzburg geboren. Er starb am 22. September 2000 in Jerusalem. Der Autor entstammte einer Familie deutsch-orthodoxer Juden, die 1935 nach Palästina auswanderte. Im Alter von 18 Jahren trat er in die »Jewish Brigade« der englischen Armee ein, um in Nordafrika gegen die Deutschen zu kämpfen; später nahm er an den vier israelisch-arabischen Kriegen teil. Von seiner damaligen sozialistisch-zionistischen Einstellung zeugt auch die Namensänderung des 22-Jährigen in Amichai, wörtlich »mein Volk lebt«. Er studierte Bibelwissenschaften und hebräische Literatur und arbeitete zunächst als Lehrer, später als Hochschullehrer an der Universität Jerusalem.

Amichais erster Gedichtband erschien 1955 unter dem Titel »UweJamim HaAcherim« (»Jetzt und in anderen Tagen«). Zahlreiche weitere Lyrikbände folgten; außerdem Dramen, Hörspiele, ein Roman und ein Erzählband. Der Autor erlangte internationale Aufmerksamkeit und avancierte in Israel bald zum bedeutendsten und beliebtesten Dichter. Auf seine Verszeilen beriefen sich neben einem Friseurgeschäft in Tel Aviv auch zwei Urteile des Obersten Gerichtshofs. In seiner Rede anläßlich der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo trug Itzak Rabin ein Gedicht Amichais in englischer Übersetzung vor. Dem Volk seines Landes galt der Lyriker als ein Wegbereiter des Friedens. Er erhielt 1982 den Israelpreis und wurde mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen.

Amichai knüpfte an die traditionelle jüdische Lyrik an, die mit der Psalmendichtung begann, und verband sie mit modernen Elementen. Indem er sowohl klassisches Hebräisch als auch Umgangssprache, Redensarten und Slangausdrücke in seine Werke aufnahm, revolutionierte er die Sprache der israelischen Dichtung und trug zur Etablierung der »Tel Aviver Schule« (eine Gruppe junger Schriftsteller, die bestrebt war, die Formalismen des klasseischen Hebräisch zu erschüttern)  bei. Doch auch auf die deutschen Leser, welchen der Autor erstmals 1988 mit der Lyriksammlung »Wie schön sind Deine Zelte, Jakob« vorgestellt wurde, überträgt sich die Faszination der Amichaischen Sprache. So Günter Kunert: »Selten findet man hierzulande und heutzutage Gedichte, in denen individuelle Erfahrungen und Geschichte derart unauflöslich verbunden sind, grundiert von melancholischer Weisheit, und deren Tonart fast spielerisch klingt. Und gerade dieser Eindruck des wie beiläufig Gesagten, in einer klaren, unprätentiösen Sprache, durchsetzt mit blitzlichtartig erhellenden Metaphern und Wendungen, erhöht die Intensität.«

Amichais einziger Roman, die »poetische Autobiographie« (Ernst Piper) »Nicht von jetzt, nicht von hier«, geht zurück auf die erste Wiederbegegnung des Autors mit seiner Geburtsstadt Würzburg. Es dauerte fast dreißig Jahre, bis dieses bei seinem Erscheinen 1963 von der New York Times enthusiastisch gefeierte Werk ins Deutsche übertragen wurde.

© internationales literaturfestival berlin


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