Gast beim ilb 2004
Peter Carey wurde 1943 in Bacchus Marsh, einer
Kleinstadt im Bundesstaat Victoria, Australien, geboren. Er begann ein
Studium der Naturwissenschaften, gab es jedoch zugunsten des Schreibens
auf. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Werbetexter zunächst in
Melbourne, später in London. 1970 kehrte er nach einem mehrjährigen
Aufenthalt in Europa nach Australien zurück. Dort lebte er abwechselnd
in einer alternativen Gemeinschaft im Regenwald von Queensland und in
Sydney, wo er eine eigene Werbeagentur gründete. Seit 1990 lebt er in
New York. Er veröffentlichte bisher acht mehrfach preisgekrönte Romane,
drei Erzählbände, ein Kinderbuch, Reisebeschreibungen und mehrere
Drehbücher. Er ist nach J. M. Coetzee der zweite Autor, dem der Booker
Prize zweimal verliehen wurde. Charakteristisch für Peter Careys
Erzählkunst sind Verdichtung surrealer und realer Elemente zu einer
alptraumhaften Atmosphäre, makaber-ironische Komik und skurrile
Figuren, die er selbst als „Opfer einer bestimmten Lebensweisee“ sieht.
1974 erschien sein erster Band „The Fat Man in History“ mit absurden
Kurzgeschichten. In seinem ersten Roman „Bliss“ (1981; dt. „Bliss, das
Paradies umsonst“, 1987) stirbt der Werbefachmann Harry Joy dreimal und
erwacht jedesmal erneut zum Leben. Ein buntes Universum eröffnet sich
in „The Unusual Life of Tristan Smith“ (1994; dt. „Das seltsame Leben
des Tristan Smith“, 1996), eine bis in die Fußnoten überquellende
Geschichte, für die der Autor gleich zwei Welten und zwei Sprachen
erfand. Seine Vorliebe für Lügengeschichten, die die Grenze zwischen
Fakten und Fiktion verwischen, zeigt sich besonders deutlich in
„Illywhacker“ (1985; dt. 1994). Kaleidoskopartig schildert der
Illywhacker (wie man im australischen Englisch einen Aufschneider
nennt) Ereignisse, die sich angeblich oder tatsächlich in Australien
zwischen 1880 und heute zugetragen haben. Peter Carey setzt sich in
drei weiteren Romanen mit der Kolonialgeschichte Australiens
auseinander. Er thematisiert das Schicksal der Ureinwohner und der
Häftlinge in den Strafkolonien sowie die Beziehung zwischen
Großbritannien und Australien. Beide Romane, die 1988 bzw. 2001 den
Booker Prize erhielten, spielen im 19. Jahrhundert: in „Oscar and
Lucinda“ (1988; dt. „Oskar und Lucinda“, 1994) greift Carey den
Entdeckermythos auf, und in „True History of the Kelly Gangg“ (2000;
dt. „Die wahre Geschichte von Ned Kelly und seiner Gang“, 2002) lässt
er den australischen Nationalhelden Ned Kelly, einen
berühmt-berüchtigten Pferdedieb und Polizistenmörder, in einem Brief zu
Wort kommen. Zuletzt erschien der Roman „Theft“ (2006; Ü: Diebstahl).
Peter Carey lebt in New York, wo er Kreatives Schreiben unterrichtet.
© internationales literaturfestival berlin
Peter Carey online: http://ehlt.flinders.edu.au/english/PeterCarey/PeterCarey.html
BIBLIOGRAFIE:
Bliss, das Paradies umsonst
Rowohlt
Reinbek, 1987
Übersetzung: Charlotte Franke
Illywhacker
Rowohlt
Reinbek, 1994
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Oscar und Lucinda
Rowohlt
Reinbek, 1994
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Die geheimen Machenschaften des Jack Maggs
Fischer
Frankfurt/Main, 2001
Übersetzung: Regina Rawlinson
Die wahre Geschichte von Ned Kelly und seiner Gang
Fischer
Frankfurt/Main, 2002
Übersetzung: Regina Rawlinson, Angela Schumitz
Mein Leben als Fälschung
Fischer
Frankfurt/Main, 2004
Übersetzung: Regina Rawlinson
Wrong About Japan
Eine Tokioreise
Fischer
Frankfurt/Main, 2005
Übersetzung: Eva Kemper
Theft. A Love Story
Faber & Faber
London, 2006
Übersetzer: Charlotte Franke, Martin Hielscher, Regina Rawlinson, Angela Schumitz, Peter Torberg, Dirk van Gunsteren
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