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Autor
© Greg Fuchs

Anne  Waldman

USA

















Writing Space

Gast des ilb 2002, 2007

Anne Waldman wurde 1945 in New Jersey, USA geboren. Sie wuchs in Greenwich Village in einem künstlerischen Elternhaus auf. Ihre Mutter hatte während der dreißiger Jahre in Griechenland gelebt, wo sie der utopischen Gemeinschaft um den griechischen Poeten Anghelos Sikelianos angehörte und dessen Werk übersetzte; ihr Vater war ein umherziehender Pianist, der nach seinem in Deutschland absolvierten Militärdienst während des 2. Weltkrieges die Möglichkeit erhielt, ein College zu besuchen. Schon in der Grundschule begann Anne Waldman, Gedichte zu schreiben und sich für Performance zu interessieren, als sie während ihrer Highschoolzeit beim Stratford Shakespeare Festival in Connecticut arbeitete.

Ein Schüsselerlebnis für Waldman war der Besuch der Berkeley Poetry Conference im Sommer 1965 (der Sommer vor ihrem Abschluss auf dem Bennington College, wo sie gemeinsam mit Howard Nemerov und Bernard Malamud studierte). Dort traf sie Allen Ginsberg sowie Charles Olson und gründete den alternativen Verlag „Angel Hair Magazine and Books“.

Sie leistete einen „Eid auf die Dichtung“ und verpflichtete sich, alternativen Dichtervereinigungen bei ihrer Förderung und Entwicklung zu helfen; ein Eid, dem sie ihr Leben lang treu blieb.

Schließlich wurde sie Assistenzdirektorin und später die Leiterin des Dichterprojekts der „St. Mark’s Church in the Bowery“, wo sie sowohl Lesungen mit Allen Ginsberg, William S. Burroughs, Gary Snyder und Gregory Corso als auch mit Vertretern der Punk-Lyrik der siebziger Jahre wie Patti Smith und Lou Reed veranstaltete.

Selbst eine produktive Schriftstellerin trat Anne Waldman mit Lese-Performances ihrer eigenen Gedichte innerhalb und außerhalb des Landes auf. 1975 veröffentlichte Lawrence Ferlinghettis Verlag City Lights Book ihr Gedicht „Fast Speaking Woman“. Zwischen 1975 und 1976 war Anne Waldman Poet-in-Residence bei Bob Dylans „Rolling Thunder Review“ und hatte einen Auftritt in seinem Film „Renaldo & Clara“.

Waldman trat neben anderen Künstlern auf Poesiefestivals in London, Amsterdam, Bhopal, Indien, der Tschechischen Republik, Columbia, S.A. und Berlin auf.

Zusammen mit ihrem engen Freund Allen Ginsberg gründete sie die Jack Kerouac School of Disembodied Poetics an der buddhistisch orientierten Naropa-Universität in Boulder, Colorado, wo sie zurzeit die Vorsitzende und Artdirektorin des Energetic Summer Writing Programme ist und sich dafür einsetzt, das riesige Audio-Archiv, das sich im Besitz der Schule befindet, zu erhalten. Es versammelt historische Lesungen, Podiumsdiskussionen, Vorlesungen zahlreicher Schriftsteller und Performer, darunter Beat-Lyriker wie Diane diPrima, Ginsberg, Burroughs und John Cage, John Ashbery, Robert Creeley sowie anderen Anhängern der experimentellen Strömung der „New American Poetry“. Sie ist Herausgeberin mehrerer Anthologien, die auf diesem Material basieren. Außerdem leitete sie das Naropa-Auslandsstudium-Programm nach Bali, Indonesien, wohin sie selbst regelmäßig reist.

Sie lehrt zudem am Institute of American Indian Arts in Santa Fe, New Mexiko, und besucht zahlreiche Colleges, Universitäten und Kunstzentren des Landes, an denen sie Vorträge hält und ihre Werke präsentiert. 1985 war sie Mitgestalterin des India Poetry Festival in den USA und nahm Dichter aus Indien an der Naropa-Universität auf. Einige Jahre arbeitete sie mit der Schule für Dichtung in Wien zusammen und unterstützte lyrische Projekte in der Tschechischen Republik. In letzter Zeit engagierte sie sich in der pädagogischen Fraktion des Bowery Poets Club in New York.

Kulturell immer aktiv organisierte die „Poetin der Infrastruktur“ mehrere „kulturelle Interventionen“ und politische Kundgebungen mit den „Poets Against the War“ und der „Poetry Is News“-Gruppe,  die sie zusammen mit Ammiel Alcalay gegründet hatte, einem bekannten Übersetzer von Literatur aus Bosnien und dem Mittleren Osten.

Seit 1970 ist Anne Waldman praktizierende Anhägerin des tibetanischen Buddhismus. Sie ist Mitübersetzerin der „Songs of The Sons and Daughters of Buddha“ – mündliche Überlieferungen, die bis in die Zeit Buddhas zurückgehen und 350 Jahre später niedergeschrieben und in den Pali-Kanon aufgenommen wurden. Ihre Arbeit ist von einem tiefen Interesse an den mündlich überlieferten Anfängen der spirituellen und schamanischen Tradition geprägt. „Meine Dichtung soll eine Erfahrung der vielfältigen Möglichkeiten sein“, sagt Anne Waldman. „ Ein Gedicht muss vom Papier in den öffentlichen Raum befördert werden, als ein dramatisches Erlebnis oder öffentliches Ritual.“

Über die Jahre hinweg arbeitete sie mit den Jazzmusikern und Komponisten Don Cherry, Steve Lacy, den Tänzern Barbara Dilley und Douglas Dunn und den Künstlern Richard Tuttle, Susan Rothenberg und Elizabeth Murray zusammen.

Unter ihren neuesten Werken sind „In the Room of Never Grieve“ (Ü: Im Raum des Niemals Trauerns), eine Sammlung neuer und ausgewählter Gedichte mit einer von ihrem Sohn, dem Musiker und Komponisten Ambrose Bye, produzierten CD. Anne Waldman hat mehr als 30 Gedichtbände und ca. 50 Bücher veröffentlicht. Dazu zählen „IOVIS, Books 1&2“ (1993/97), „Kill or Cure“ (1994; Ü: Töten oder heilen), „Marriage: A Sentence“ (2000; Ü: Ehe. Ein Urteil), „Vow To Poetry: Essay, Interviews & Manifestos“ (2001; Ü: Eid auf die Dichtung) und das kürzlich erschienene buddhistische Langpoem „Structure of the World Compared to a Bubble“ (2004; Ü: Struktur der Welt im Vergleich mit einer Blase), das auf einer Pilgerreise zum Denkmal Borobudur Stupa in Java basiert. Ein neues Buch mit Gedichten, Essays und Interviews (darunter ein Gespräch mit dem nicaraguanischen Dichter Ernesto Cardenal) trägt den Titel „Outrider“ (Ü: Vorreiter)  und wurde 2006 veröffentlicht. Zu ihren Anthologien zählen „The Beat Book“ und „Civil Disobediences: Poetics & Politics in Action“ (Ü: Ziviler Ungehorsam: Poetik & Politik in Aktion).

Waldman wurde mit dem Shelley Award for Poetry ausgezeichnet, eine von vielen Ehrungen für ihr Werk. Sie erhielt Stipendien des National Endowment for the Arts, der Foundation for Contemporary Performance Art und der Poetry Foundation. 2006 war sie Fellow am Bellagio Center der Rockefeller Foundation und Teilnehmerin des Dodge-Festivals. Die Lyrikerin lebt in New York City und Boulder, Colorado.

© internationales literaturfestival berlin

Anne Waldman online: www.naropa.edu/annewaldman/

BIBLIOGRAFIE:

Baby breakdown
Bobbs-Merrill
New York, 1970 

Giant night
Corinth Books
New York, 1970
 

Another World [Hg.]
Bobbs-Merrill
Indianapolis, 1971 

Life notes
Bobbs-Merrill
Indianapolis, 197

Journals and dreams
Stonehill Publishing
New York, 1976

Countries
Toothpaste Press
West Branch, 1980 

Cabin
Z Press
Calais, 1981 

First baby poems
New expanded ed.
New York, 1983 

Makeup on empty space 
Toothpaste Press
West Branch, 1984

Blue mosque
United Artists
New York, 1988

Den Mond in Farbe sehen
Maro
Augsburg, 1988
[Ü: Rolf Brück]

Helping the dreamer
Apatment
1991
[Ü: Jürgen Schmidt] 

Lokapala
Rock Ledge Cottage Ed.
Boulder, 1991 

Out of this world [Hg.]
Crown
New York, 1991 

Fait accompli
Last Generation
Boulder, 1992

Iovis: All is full of Jove
Coffee House Press
New York, 1993

Troubairitz
Fifth Planet
New York, 1993

The beat book [Hg.]
Shambhala
Boston, 1996

Kill or Cure
Penguin Poets
New York, 1996

Fast speaking Woman: chants and essays
City Lights
San Francisco, 1996

Iovis: Book II
Coffee House Press
Minneapolis, 1997

Marriage
Penguin
New York, 2000

Vow to Poetry
Coffee House Press
Minneapolis, 2001

Dark arcane
Heaven Bone Press
Chester, 2003

In the room of never grieve : new and selected poems, 1985-2003
Coffee House
Minneapolis, 2003

Civil disobediences: poetics and politics in action
Coffee House
Minneapolis, 2004

Structure of the world compared to a bubble
Penguin Poets
New York, 2004

Outrider
La Alameda Press
Albuquerque, 2006
[Ü: Jürgen Brôcan]

Übersetzer: Jürgen Brôcan, Rolf Brück, Jürgen Schmidt

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