Gast beim ilb 2002
Antonio Skármeta wurde 1940 in Antofagasta, Chile,
geboren. Der Enkel dalmatinischer Einwanderer wuchs bei seinen
Großeltern in ärmlichen Verhältnissen auf. Trotz schwieriger
Bedingungen gelang es ihm, 1958 ein Studium der Philosophie und
Literatur aufzunehmen; zunächst in Chile, dann 1964-1966 an der New
Yorker „Columbia University“. Mit einer Arbeit über den Argentinier
Julio Cortázar schloss er dort sein Studium ab. 1967 erschien sein
erster Erzählband „El entusiasmo“, in dem er die erotische
Erfahrungswelt seiner Generation erforscht. Zwei Jahre später
veröffentlichte er einen zweiten Band, „Desnudo en el tejado“, für den
er den Preis des kubanischen „Casa de las Américas“ erhielt. Bis zum
Militärputsch durch Pinochet 1973 arbeitete er in Santiago als
Dramaturg, Literaturprofessor und für verschiedene Presse- und
Rundfunkorgane. Nach einem Jahr in Argentinien gelangte Skármeta 1975
auf der Grundlage eines DAAD-Stipendiums ins deutsche Exil nach
West-Berlin, wo er bis 1989 als freier Schriftsteller, Drehbuchautor
und Dozent an der Berliner Film- und Fernsehakademie tätig war. Hier
schrieb er 1975 auch seinen ersten Roman, „Soñe que la nieve ardía“
(„Ich träumte der Schnee brennt“, 1990), den er gleichzeitig als
Drehbuch konzipierte. Seinen international größten Erfolg hatte
Skármeta, für den „weder ein Leben noch eine Literatur außerhalb der
Politik“ vorstellbar ist, schließlich mit „Ardiente Paciencia“ („Mit
brennender Geduld“, 1985). Zunächst Hörspiel, Theaterstück und
Drehbuch, erschien der Stoff schließlich 1985 als Roman. Skármeta, der
mit dem Protagonisten seines Romans eine große Verehrung für den
Nobelpreisträger Pablo Neruda teilt, zeigt diesen als bescheidenen und
volksnahen Dichter. Auf eine Insel vor Italien verbannt, knüpft dieser
eine besondere Freundschaft mit seinem persönlichen Briefträger Mario
Ruoppolo an. Neruda bringt ihm die Geheimnisse der Poesie bei, wodurch
sich für Ruoppolo bisher ungeahnte Wege und Perspektiven eröffnen. Die
Verfilmung des Romans durch Michael Radford unter dem Titel „Il
Postino“ („The Postman“) erlangte 1994 fünf Oscar-Nominierungen. Der
damalige Produzent widmet sich inzwischen der Verfilmung von "El baile
de la victoria" (2003), für den Skármeta den Premio Planeta
entgegennehmen konnte.
1989, nach dem Ende der Militärdiktatur Pinochets, kehrte der
Schriftsteller nach Chile zurück, um „einen politischen Raum für die
Freiheit zu schaffen“. Er moderierte eine Kultursendung im Fernsehen,
die regelmäßig über eine Million Zuschauer verfolgten. Nach einer fast
zehnjährigen Pause erschienen 1999 und 2001 die beiden aufeinander
aufbauenden Romane „La boda del poeta“ („Die Hochzeit des Dichters“,
2001) und „La chica de trombón“ („Das Mädchen mit der Posaune“, 2002),
in denen Skármeta in charakteristisch tragikomischer Weise ein Portrait
südeuropäischer Emigranten in Chile zu Beginn des zwanzigsten
Jahrhunderts zeichnet. Über seine Bücher sagt der Autor: „In all diesen
Tragödien klammern sich die Menschen ans Leben durch die Zärtlichkeit,
die Brüderlichkeit, den Humor, die Solidarität. Es ist das Lächeln der
Seele, wenn man erfahren hat, was Schmerz ist.“ Von 2000 bis 2003 war
Skármeta chilenischer Botschafter in Deutschland. Für die Ausübung
seines Amtes wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
© internationales literaturfestival berlin
Antonio Skármeta online: www.clubcultura.com/clubliteratura/clubescritores/skarmeta/index.htm
BIBLIOGRAFIE:
Mit brennender Geduld
Piper
München, 1985
Übersetzung: Willi Zurbrüggen
Der Radfahrer vom San Cristobal
Piper
München, Zürich, 1986
Übersetzung: Willi Zurbrüggen
Der Aufstand
Piper
München, Zürich, 1987
Übersetzung: Joco Dehmann
Ich träumte, der Schnee brennt
Luchterhand
München, 1989
Übersetzung: Monica Lopez
Die Hochzeit des Dichters
Piper
München, 2001
Übersetzung: Willi Zurbrüggen
Das Mädchen mit der Posaune
Piper
München, 2002
Übersetzung: Willi Zurbrüggen
Der Aufsatz
Dressler
Hamburg, 2003
Übersetzung: Willi Zurbrüggen
Ill: Jacky Gleich
Der Dieb und die Tänzerin
Piper
München, 2005
Übersetzung: Willi Zurbrüggen
Übersetzer: Monika Lopez, Dieter Masuhr, Willi Zurbrüggen |