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Silke Scheuermann

Deutschland

Gast des ilb 2002

Die Lyrikerin und Autorin Silke Scheuermann wurde 1973 in Karlsruhe geboren. Nach Beendigung der Schule, studierte sie Theater und Literaturwissenschaften in Frankfurt, Leipzig und in Paris. In der Stadt an der Seine begann sie mit Anfang 20 zu schreiben. Neben Kritiken veröffentlichte sie Gedichte und Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien. „Ich habe lange nach meiner Stimme als Autorin gesucht“, sagt sie. Im Jahr 2001 erhielt Silke Scheuermann den renommiertesten Nachwuchspreis der deutschen Dichtung, den Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt. Die Jury begründete ihre Entscheidung unter anderem mit der „Melodik ironischer Melancholie“ in ihren Gedichten und lobte die „Eigenständigkeit des Tonfalls“ ihrer Lyrik. Im selben Jahr erschien das Debüt von Silke Scheuermann, der Lyrikband „Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen“.

Ihre fantasievollen Gedichte kreisen häufig um die Liebe, aber nicht um das Verliebtsein, sondern die Zeit danach, in der die Liebe auf der Kippe steht, oder schon einmal etwas Schönes und Großes kaputt ging. Ein weiteres Motiv bildet die Kommunikation zwischen den Liebenden, das Verstummen, das Zerreden, der skeptische Blick auf eine gemeinsame Zukunft. Die Dichterin stellt dem lyrischen „Ich“ ein „Du“ gegenüber, doch die Privatheit der beiden verweist über beide hinaus. „Dabei gelingt es ihr, diesen scheinbar privaten Dialog auf eine Weise zu führen, dass er die sprechende Person im Gedicht zu einer Figur werden lässt und die Anrede zu einem allgemeinen, uns alle etwas angehenden Inhalt“ (Kurt Drawert, "Neuen Zürcher Zeitung"). Ohne Punkt und Komma eilen die Verse über das Papier, baut die Lyrikerin präzise, teils unerwartet komische Bilder auf. Manches Mal erschafft sie zunächst eine subtile Figur, um sie im nächsten Moment ironisch zu konterkarieren. „Meine Hand die / die Angst durch ihr Streicheln verstört hat / rettet dich / mit Liebe und einem Reinigungsmittel.“ Scheuermann spielt kreativ mit den Möglichkeiten der Sprache: Repetitive Elemente, Alliterationen, ähnliche Anklänge erzeugen eine eigene Melodie. Wegen der narrativen Elemente lassen sich Scheuermanns Gedichte wie kleine Geschichten lesen. 2004 erschien mit „Der zärtlichste Punkt im All“ ein weiterer Gedichtband, ein Jahr später folgte die Erzählsammlung "Reiche Mädchen".

Mit ihrem Roman, "Die Stunde zwischen Hund und Wolf" (2006) habe sich Scheuermann, so Ulrich Greiner in der "Zeit", "in die vordere Reihe der jungen Autoren geschrieben". Lakonisch und kühl schildert sie die anrührende Beziehung zweier ungleicher Schwestern, die sich nach tiefer Entfremdung als Erwachsene wieder annähern. Wie in ihren Gedichten ist auch hier die Liebe das eigentliche Thema: Die Liebe der Schwestern zu einander, die paradoxerweise wachsen kann, obwohl sie denselben Mann lieben.

Scheuermann ist Mitherausgeberin des "Jahrbuch der Lyrik 2007" und Mitglied der Jury des Frank O'Connor International Short Story Award. Sie lebt in Frankfurt am Main.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

Der  Effekt
Berlin Verlag
Berlin, 2001

Der Tag, an dem die Möwen zweistimmig sangen
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2001

Der zärtlichste Punkt im All
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2004

Reiche Mädchen
Schöffling
Frankfurt/Main, 2005

Die Stunde zwischen Hund und Wolf
Schöffling
Frankfurt/Main 2006

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