Gast beim ilb 2002
Krzysztof Niewrzêda, Dichter, Romancier,
Essayist und Publizist, wurde 1964 im polnischen Stettin geboren. In
den achtziger Jahren studierte er an der Technischen Universität
Stettin, eine Zeit, in die auch die Veröffentlichung seiner ersten
Gedichte in der Zeitschrift „Morze i Ziemia” (1985) fällt. Zudem machte
er mit progressiven Stettiner Undergroundbands Musik. Seit 1989 lebt er
in Deutschland.
In Bremen arbeitete Niewrzêda zunächst in einem
Architekturbüro und schrieb für polnischsprachige, in Deutschland
erscheinende Zeitschriften. 1997 wurde er mit dem „Silbernen Pegasus“
im Europäischen Wettbewerb für polnische Gedichte im Ausland geehrt.
Seit dieser Zeit erscheinen seine Gedichte und Erzählungen auch in
polnischen Zeitschriften. Von 1997 bis 1999 war er Mitglied der
polnischen interdisziplinären Künstlergruppe „NAS-TU“.
Noch in Bremen entstand Niewrzêdas Debütroman „Poszukiwanie calości“
(Die Suche nach dem Ganzen), der 1999 erschien. Der Roman erzählt
episodisch die Geschichte eines Ehepaares, das sich auf den langen Weg
der Emigration in den Westen macht. Angefangen von der beschwerlichen
Reise, über verschiedene Stationen, etwa eines Auffanglagers und
Wohnheims, verfolgt der Leser die allegorische Dramatik, die diesem
Prozess anhaftet. Auch wenn sich erahnen lässt, dass sich die
Geschichte in Deutschland abspielt, bleiben Ort und Zeit unbestimmt,
konzentriert sich alles auf die konkreten Momente, in die beide Figuren
verwickelt werden. Die Reise von „hier“ nach „da“, von „Ost“ nach
„West“, ist kein Fallbeispiel, vielmehr vermittelt sie, was es heißt zu
emigrieren. In der polnischen Kritik hieß es: „Sein Buch macht
Hoffnung, dass endlich das Schema durchbrochen wird, in dem sich die
polnische Literatur seit 1990 befindet...”
„Auffallend ist vor allem die spezifische Sprache des Autors. Er
schreibt kompakt und schlank, doch trotzdem voller Poesie. Niewrzêda
kann so konkret sein, wie es die Urheber des britischen sozialen Kinos
sind. Es geht nicht um das politische Engagement, sondern um das
wachsame Auge.“ (Katarzyna Szumlewicz).
Niewrzêda hat drei Gedichtbände veröffentlicht: „W Poprzek“ (1998),
„Poplatanie“ (1999) und „Poploch“ (2000), die von der Kritik
stilistisch mit den Werken Zbigniew Herberts oder Tadeusz Rózewiczs
verglichen wurden. In ihnen wird in einer nonchalanten Sprache von
Menschen im Grenzland berichtet - das sowohl geographisch als auch
kulturell, politisch sowie psychisch verstanden wird: von Menschen, die
unterwegs sind und nie ankommen.
Seit 2001 lebt Niewrzêda in Berlin und ist Mitarbeiter der in Polen
erscheinenden Literaturzeitschrift „Pogranicza“. Regelmäßig
veröffentlicht der Autor darin Essays über Berlin, kurze literarische
Portraits seiner Wahlheimat.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
W poprzek
Ksiaźnica Pomorska
Szczecin, 1998
Poplątanie
Ksiaźnica Pomorska
Szczecin, 1999
Poszukiwanie calości
I. W. Świadectwo
Bydgoszcz, 1999
Poploch
Ksiaźnica Pomorska
Szczecin, 2000
Czas przeprowadzki
Wydawn
Szczecin, 2005
Übersetzer: Ulrich Heiße, Wolfgang Schlott, Natasza Stelmaszyk
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