Gast beim ilb 2002
Der Romancier Eduardo Mendoza
wurde 1943 in Barcelona geboren. Nach seinem Jurastudium von 1960 bis
1965 arbeitete er für einige Jahre als Anwalt in einer Bank. 1973
kehrte er dem damals noch faschistischen Spanien den Rücken, um in New
York bis 1982 für die Vereinten Nationen als Übersetzer zu arbeiten.
1975, nur wenige Monate vor dem Tod Francos, erschien Mendozas erster
Roman „La verdad sobre el caso Savolta“ (dt. „Die Wahrheit über den
Fall Savolta“, 1991), dessen ursprünglicher
Titel „Los soldados de Cataluña“ (Ü: Die Soldaten Kataloniens) der
Zensur zum Opfer gefallen war. Wegen seines kritischen Tons wurde das
Buch als Roman des demokratischen Wechsels gefeiert und ein Jahr nach
seinem Erscheinen mit dem „Premio de la Crítica“ ausgezeichnet. Antonio
Drove verfilmte den Stoff in den Jahren 1978-1980. Vier Jahre später
bewies Mendoza mit „El misterio de la cripta embrujada“ (dt. „Das
Geheimnis der verhexten Krypta“, 1990) sein parodistisches Können. Mit
Versatzstücken aus Pikaro-Roman und amerikanischen Detektivgeschichten
entlarvt der Roman mit viel schwarzem Humor die Absurditäten des
großstädtischen Lebens. Die Fortsetzung, „El laberinto de las
aceitunas“ (Ü: Das Olivenlabyrinth), erschien 1982. Im selben Jahr
kehrte der Autor nach Barcelona zurück, um mit der Arbeit an seinem bis
heute erfolgreichstem Roman zu beginnen, der 1986 erschien: Der
Barcelona-Roman „La ciudad de los prodigios“
(dt. „Die Stadt der Wunder“, 1989) stellte ihn endgültig an die Spitze
der zeitgenössischen spanischen Literatur. An die Tradition des
historischen Romans angelehnt, erzählt „La ciudad de los prodigios“
in ironischer Weise die Geschichte Onofre Bouvilas, eines jungen Mannes
aus einfachen Verhältnissen, der im Barcelona zwischen den beiden
Weltausstellungen von 1888 und 1929 zu Reichtum und Macht kommt.
Anfangs katalanischer Anarchist, dann Verkäufer von Haarwuchsmitteln,
erarbeitet und erschwindelt sich Onofre seinen Weg zum Erfolg, bis er
schließlich als reichster Mann Spaniens in allen politischen
Machtzentren ein- und ausgeht. Der – 1999 von Mario Camus verfilmte –
Roman feierte auch im Ausland große Erfolge. Die französische
Zeitschrift „Lire“ wählte „La ciudad de los prodigios“
1988 zum besten Buch des Jahres. 1990 begann Mendoza in der
Tageszeitung „El País“ mit der Veröffentlichung eines
Fortsetzungsromans, der 1991 unter dem Titel „Sin noticias de Gurb“
(dt. „Ohne Nachricht von Gurb“, 1996) erschien. Ein Jahr später folgte
mit „El año del diluvio“ (dt. „Das Jahr der Sintflut“, 1997) ein
weiterer erfolgreicher Roman, der 2003 von Jaime Chávarri verfilmt
werden sollte. Nach „Una comedia ligera” (1996; dt. „Eine leichte
Komödie“, 1998) gewann Eduardo Mendoza mit „La aventura del tocador de
señoras“ (2001; dt. „Niemand im Damensalon“, 2002) auf der Madrider
Buchmesse den Preis der Buchhändler für das „Beste Buch des Jahres
2001“. Neue literarische Wege beschritt Mendoza 2003 mit „Barcelona
modernista“ (dt. „Barcelona. Eine Stadt erfindet die Moderne“; 2006),
einer illustrierten Kultur- und Sozialgeschichte Barcelonas, die er
zusammen mit Cristina Mendoza verfasste. Inzwischen liegt auch sein
jüngster Roman “Mauricio o las elecciones primarias” (2006; dt. "Mauricios Wahl", 2007) in deutscher Übersetzung vor. Eduardo Mendoza lebt in Barcelona.
© internationales literaturfestival berlin
Eduardo Mendoza online: www.clubcultura.com/clubliteratura/clubescritores/mendoza/
BIBLIOGRAFIE:
Die Stadt der Wunder
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1989
Übersetzung: Peter Schwaar
Das Geheimnis der verhexten Krypta
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1990
Übersetzung: Peter Schwaar
Die Wahrheit über den Fall Savolta
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1991
Übersetzung: Peter Schwaar
Die unerhörte Insel
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1993
Übersetzung: Peter Schwaar
Nichts Neues von Gurb
Rowohlt
Reinbek, 1996
Übersetzung: Michael Hofman
Das Jahr der Sintflut
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1997
Übersetzung: Peter Schwaar
Eine leichte Komödie
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1998
Übersetzung: Peter Schwaar
Niemand im Damensalon
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2002
Übersetzung: Peter Schwaar
La aventura del tocador de Señoras
Seix Barral
Barcelona, 2003
Barcelona. Eine Stadt erfindet die Moderne (mit Cristina Mendoza)
Insel
Frankfurt/Main, 2006
Übersetzung: Peter Schwaar
Mauricios Wahl
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 2007
Übersetzung: Peter Schwaar
Übersetzer: Michael Hofmann, Peter Schwaar
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