Gast beim ilb 2002
Zsolt Láng wurde 1958 in Satu Mare, Rumänien, geboren
und gehört zur dortigen ungarischen Minderheit. Er ist zweisprachig
aufgewachsen und schreibt seine Prosa, Dramatik und Essays auf
ungarisch. 1984 schloss er ein Ingenieursstudium an der „Technischen
Universität“ in Cluj-Kolozsvár ab und arbeitete die folgenden fünf
Jahre als Lehrer. Seit 1990 ist er als Redakteur des in regelmäßigen
Abständen in Rumänien erscheinenden Literaturmagazins „Látó“ tätig.
Zolt Lángs Romandebüt aus dem Jahr 1993 „Perényi szabadulása“ (dt. Die
Befreiung Perényis), knüpft an einen alten ungarischen Mythos an, der
Geschichte der Familie Perényi, die von Láng uminterpretiert wird. 1994
erschien der Roman „Strichmännchens Leben“, der in miniaturartigen
Kapiteln Schlaglichter auf verschiedene spontane Szenen wirft, in die
der Protagonist ebenso schnell verwickelt wird wie er daraus wieder
emportaucht, verdutzt und auf ironische Art belehrt. Die Figur steht
als Typus den altklugen und tollpatschigen Figuren nahe, wie man sie
etwa in der satirischen Literatur Christian Morgensterns findet. Nur
ist der anonyme Held, der sich durch seine Gutmütigkeit eigene Fallen
stellt, poetischer und weitaus verträumter als etwa der Morgensternsche
Palmström. Wo dort der kleinbürgerliche Ansatz steht, der Palmström
scheitern lässt, ist es hier die Mischung aus pragmatischer Naivität
und einer dichterischen Weisheit. Nicht umsonst wird Lángs Büchern ein
selbstironischer Ton zugesprochen. Nach zahlreichen
Einzelveröffentlichungen arbeitet Zsolt Láng seit 1997 an seiner
Trilogie „Bestiarium Transylvaniae“, in der er alle früheren Werke in
einen neuen Sinnzusammenhang stellt. Dazu gehören die frühen
Novellensammlungen sowie ein 1995 erschienener Essayband, in dem der
Autor gesellschaftliche und tagespolitische Themen auf eine abstrakte
Ebene hebt und dichterisch vereinnahmt. Angelehnt an die romantische
Vorstellung der Universalpoesie, in der sich sowohl die Grenze zwischen
den einzelnen Genres als auch die Grenze zwischen den einzelnen Werken
auflöst, vollzieht Zolt Láng mit seiner Trilogie die Suche nach der
vollständigen literarischen Einheit. Im ersten Band bettet Láng die
Geschichte ins Siebenbürgen des 16. Jahrhunderts ein, basierend auf der
Legende der Bestiarien, einer Sammlung furchteinflössender Vögel. Am
Leitfaden der Begegnung mit diesen Vögeln wird die Geschichte der
gemeinsamen Liebe zweier Männer zu einer Frau erzählt, dem
mephistophelischem Baron Sapré und seinem Gegenspieler Friar Peter.
Verbunden mit einer Chronik um die Eroberung Siebenbürgens und dem
religiösen Konflikt, der damit verbunden ist, entfaltet sich die
Geschichte in einer weit ausholenden mystischen Geste. Durch die
Komposition verläuft dabei der große Kontrast zwischen den irrealen und
den logisch realen Elementen, zwischen dem rein Fiktiven und den
konkreten Bezügen der essayistischen Passagen. Die klassische
Erzählweise wird dadurch kunstvoll von Subtexten unterbrochen. 1999
wurde das Theaterstück „A rúkmadár“ uraufgeführt. Seine Werke wurden in
mehrere Sprachen übersetzt.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Perényi szabadulása
JAK-Pesti Szalon
Budapest, 1993
Bestiárium Transsylvaniae. Az ég madarai
Pécs
Jelokor, 1997
Strichmännchens Leben
Mentor
Neumarkt a. M., 1999
Übersetzung: György Buda
A szomszéd nő
Koinónia
Kolozsvár, 2003
Berlinév
Koinónia
Kolozsvár, 2004
Itthonév
Koinónia
Kolozsvár, 2005
Kovács Emma születése és más elbeszélések
Koinónia
Kolozsvár, 2006
Télikert. Házi játék három felvonásban.
Bemutató: Gyergyószentmiklósi Figura
Színház, 2006
Übersetzer: György Buda, Tobias Burghardt |