Gast beim ilb 2002
Hester Knibbe wurde 1946 in den Niederlanden geboren.
Die Lyrikerin, die als Pharmazeutin arbeitet, begann erst sehr spät mit
dem Schreiben. Ihr literarisches Debüt hatte sie 1982 mit der
Gedichtsammlung „Tussen Gebaren en Woorden“ (Ü: Zwischen Gebärden und
Worten). Seitdem veröffentlichte sie mehrere weitere Gedichtbände –
zuletzt „Zwerfmotief“ (2006; Ü: Streunermotiv) – und wurde im Jahr 2001
mit dem „Anna-Blaman-Preis“ für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet. Der Titel
ihres Gedichtbandes „Een dunne Duurzaamkeid“ (Ü: Dünne Dauerhaftigkeit)
ist bezeichnend für ihr Schreiben: Es ist Lyrik, die den Blick auf
dauerhafte, beständige Dinge richtet und doch immer wieder von Themen
wie Verletzbarkeit, Fragilität und Vergänglichkeit durchzogen ist.
Beständigkeit, so Hester Knibbe, sei in gewisser Weise nur scheinbar,
weil alle Dinge, die die Prüfungen der Zeit bestanden haben –
klassische Kunst, griechische Mythologie, chinesische Tempel – dennoch
niemals dieselben geblieben sind: „Veränderung ist immer/ hier.“ Diese
Bewegungen des Lebens sind es, denen Knibbe in ihren Gedichten Form zu
geben versucht. Andere ihrer Themen muten fremd, entfernt und zugleich
höchst intim an, so zum Beispiel der Zyklus „Antidood“ (Ü: Gegen-Tod),
der in rückhaltlosen Worten eine Mutter zeigt, deren Sohn ernsthaft
erkrankt, ein Gegenstand, den Knibbe ganz unsentimental behandelt. Sie
behält ihre Distanz und evoziert Bilder, die klar das eigentliche
Geschehen und zugleich ihr persönliches Erleben widerspiegeln.
Emotionen werden auf subtile, indirekte Weise ausgedrückt, das Erzählte
erscheint wie ein bewegter Traum, in dem ein kleines Kind, zunächst
warm umhüllt und festgehalten, langsam gefriert: „Ein Eisfilm/ bedeckte
seine Augen, seinen Mund. Ich schrie.“ Hester Knibbe sagt, sie versuche
„so klar wie möglich oft sehr persönliche Dinge“ zu formulieren,
wissend, dass die „persönlichsten Angelegenheiten ebenso die
Allgemeinsten sind“. Für „Antidood“ erhielt sie 1999 den renommierten
„Herman- Gorter-Preis“.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Een hemd van Vlees
De Prom
Baarn, 1994
Een bittere navel
De Prom
Baarn, 1997
Een dunne duurzaamheit
De Prom
Baarn, 1999
Verstoorde grond
De Prom
Baarn, 2002
Lichtjaren: gedichten
Perfect Service
Schoonhoven, 2004
De buigzaamheit van steen
Arbeiderspers
Amsterdam, 2005
Twee Spaarne gedichten
Mercator Press
Santpoort, 2005
Zwerfmotief
Stichting CBK Zeeland
Middleburg, 2006
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