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© Klett-Cotta Verlag

Yu Hua  

China

Gast beim ilb 2002

Yu Hua wurde 1960 in Hangzhou in der ostchinesischen Provinz Zhejiang geboren. Seine Eltern, beide Ärzte, zogen kurz nach seiner Geburt in die Kleinstadt Haiyan um. In Haiyan, wo es zunächst „nicht mal ein Fahrrad“ gab, lebte der Autor fast dreißig Jahre lang. „Bis heute stammt meine gesamte Inspiration von dort her,“ sagt Yu Hua. Nach Abschluss der Mittelschule machte er eine Zahnarzt-Lehre im örtlichen Krankenhaus, besuchte ein weiteres Jahr die Medizinische Schule und arbeitete dann fünf Jahre als Zahnarzt. Parallel dazu begann er zu schreiben. Später brach Yu Hua seine medizinische Laufbahn ab und nahm eine Stelle im Kreiskulturhaus an, wo er sich vor allem mit der Sammlung folkloristischer Lieder und Geschichten beschäftigte. Nach seinem literarischen Debüt 1987, der Erzählung „Wie Schall und Rauch“, zog Yu Hua nach Peking. Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre entstanden in schneller Abfolge weitere Texte: 1991 erschien der erste Roman „Schreie im Regen“, 1992 „Leben!“ und 1995 „Der Mann, der sein Blut verkaufte“. Der Roman „Leben!“, der 1994 von dem bekannten Regisseur Zhang Yimou verfilmt wurde, machte ihn auf einen Schlag bekannt. Darin wird in einfachen, eindrücklichen Sätzen die Geschichte des Bauern Fugui und dessen Familie Die Figuren werden von außen, wie aus einer Kameraperspektive, mit großer Präzision gezeichnet. Erzählelemente wie Rückblenden, innere Monologe und Psychologisierung verwendet Yu Hua in seinen Romanen nicht. Erst durch diese scheinbare Simplizität erlangen die Texte ihren ureigenen, bewegenden und ergreifenden Charakter. Auch in „Der Mann, der sein Blut verkaufte“ bedient sich der Autor einer bewusst einfachen Sprache mit lebendigen dialogischen Passagen. Weder durch erzählerische Zurücknahme noch durch Pathos, sondern in einem lakonisch-realistischen Erzählstil werden die handelnden Personen mit all ihren Stärken und Schwächen geschildert. Auf diese Weise ziehen in beiden Büchern zugleich auch mehrere Jahrzehnte bewegtester chinesischer Geschichte vorbei. Im Gegensatz zur Roman-Verfilmung von „Leben!“, die trotz weltweiter Auszeichnungen (u.a. „Großer Preis der Jury“ in Cannes 1994) in der Volksrepublik verboten und deren Regisseur und Hauptdarsteller mit je zwei Jahren Berufsverbot belegt wurden, hatte Yu Hua mit seinen Büchern bisher keine Probleme mit der Zensur, zu sehr geht sein kritisches Potential aus dem Indirekten hervor . Heute gehört Yu Hua sowohl mit seinen experimentellen frühen Novellen, als auch – und vor allem - mit „Leben!“ und „Der Mann, der sein Blut verkaufte“ neben Wang Shuo, Su Tong und Mo Yan in China zu den auflagenstärksten Schriftstellern der jüngeren Generation.

© internationales literaturfestival berlin

BIBLIOGRAFIE:

 

Leben!

Klett-Cotta

Stuttgart, 1998

Übersetzung: Ulrich Kautz

 

Der Mann, der sein Blut verkaufte

Klett-Cotta

Stuttgart, 2000

Übersetzung: Ulrich Kautz

 

 

Übersetzer: Ulrich Kautz

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