Gast beim ilb 2002
Liliana Heker wurde 1943 in Buenos Aires geboren. In
Argentinien kennt man die vielseitige Autorin nicht nur durch ihre
zahlreichen Romane und Erzählungen, sondern vor allem auch als
engagierte Journalistin. Als Chefredakteurin der Literaturzeitschriften
„El escarabajo de oro“ (1961-1974) und „El Ornitorrinco“ (1977-1986)
prägt sie seit über zwanzig Jahren das literarische Leben ihres
Heimatlandes. Liliana Hekers Karriere begann außergewöhnlich früh. Im
Alter von nur siebzehn Jahren traf sie Abelardo Castillo,
Schriftsteller und Chefredakteur der Literaturzeitschrift „El grillo de
papel“, der sie als Redakteurin aufnahm. 1966 veröffentlichte sie einen
ersten Erzählband, „Los que vieron la zarza“, für den sie den Preis des
kubanischen „Casa de las Américas“ erhielt. In den folgenden Jahren
erschienen weitere Erzählbände: „Acuario“ (1972) und „Un resplandor que
se acabó en el mundo“. 1987 präsentierte sie schließlich Ihren ersten
Roman „Zona de Clivaje“, für den sie mit dem Primer Premio Municipal
ausgezeichnet wurde. Seit den neunziger Jahren widmet sich die Autorin
verstärkt der Aufarbeitung der politischen Repressionen während der
argentinischen Diktatur, einer von roher Staatsgewalt und dem
‚Verschwinden’ vieler Systemkritiker bestimmten Zeit. Mit dem 1996
erschienenen Roman „El fin de historia“ gelang ihr dazu eine komplexe
Auseinandersetzung mit dem Argentinien der siebziger Jahre, in der sie
verschiedene Stimmen und politische Positionen zu Wort kommen läßt.
„Wie diesen Verrat erzählen, wie einen Folterer und seine eigene
Wahrheit beschreiben und mit welchen anderen Wahrheiten soll man ihn
konfrontieren? Ich habe mich bemüht, die Grenze zwischen Dokumentation
und Fiktion zu verwischen. Vor allem sollte mein Text ein literarisches
Faktum sein, mit allen problematischen und doppeldeutigen
Implikationen, die ein solches Vorhaben mit sich bringt.“ Mit „Las
hermanas de Shakespeare“ (1999, „Shakespeares Schwestern“) legte
Liliana Heker eine Sammlung von zum Teil bereits veröffentlichten
Essays vor, in denen sie kritisch die Situation von Schriftstellerinnen
beleuchtet. Die große Herausforderung weiblichen Schreibens sieht Heker
in der Auseinandersetzung der Schriftstellerin mit sich selbst und
ihrem Geschlecht. „Wenn eine Frau fähig ist, bis auf den Grund ihrer
selbst zu blicken, ist sie auch in der Lage, die Männer zu erkennen und
sich in andere hineinzuversetzen, wie es zum Beispiel Katherine
Mansfield getan hat. Eine Erzählerin, die ihre eigenen Böswilligkeiten,
ihre Widersprüche und ihr besonderes Verhältnis zu ihrem Körper
akzeptiert, ist fähig, sich selbst und anderen Frauen und Männern zu
begegnen.“ Liliana Heker lebt und arbeitet heute in Buenos Aires.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Acuario
Centro Ed. De América Latina
Buenos Aires, 1972
Zona de clivaje
Legasa
Buenos Aires, 1990
El fin de la historia
Alfaguara
Buenos Aires, 1996
Las hermanas de Shakespeare
Aguilar
Buenos Aires, 1999
La crueldad de la vida
Alfaguara
Buenos Aires, 2001
Cuentos
Suma
Buenos Aires, 2004
Übersetzerin: Petra Strien
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