Gast beim ilb 2002
Philip Gwynne
wurde 1958 in Melbourne geboren und wuchs mit sieben Geschwistern in
South Australia auf, wo auch seine Geschichten von Blacky, Dumby Red
und Clarence spielen. Philip Gwynnes berufliche Stationen sind
vielfältig. Bevor er zu schreiben begann, war er professioneller
„Australian Rules“ Football-Spieler. Als eine Verletzung seine
Football-Karriere beendete, schloss er ein Studium der Meeresbiologie
ab und ging auf ausgedehnte Reisen. Er arbeitete als Lehrer in Thailand
und als Programmierer in Belgien und lebte einige Zeit in Brasilien,
bevor er sich mit seinem Sohn in Sydney niederließ. Zu schreiben begann
Philip Gwynne erst vor einigen Jahren. Inspiriert vom abendlichen
Geschichtenerzählen für seinen Sohn, besuchte er ein
Creative-Writing-Seminar bei der australischen Kinderbuchautorin Libby
Gleeson. In dieser Zeit entwickelte er die Idee zu seinem ersten
Jugendroman. „Deadly, Unna?“ (dt. „Wir Goonyas, ihr Nungas“, 2001),
erschien 1998 und wurde zu einem überwältigenden Erfolg. Er wurde mit
mehreren Preisen und Nominierungen ausgezeichnet, u.a. 1999 mit dem
„Children’s Book Council of Australia Book of the Year Award for Older
Readers“ und dem „Children's Peace Literature Award“. Auch
international fand Gwynne’s Debütroman große Resonanz. 2002 war der
Roman für den „Deutschen Jugendliteraturpreis“ nominiert. (Absatz)
Von der Kritik als „eines der lesenswertesten
politischen Jugendbücher überhaupt“ (Die Welt) gelobt, erzählt „Wir
Goonyas, ihr Nungas“ vom alltäglichen Rassismus zwischen den „Goonyas“,
den weißen Australiern, und den „Nungas“, den Aborigines. Mit großer
Wärme und Einfühlungsvermögen, entwaffnend ironisch und gespickt mit
„Aussieismen“, typisch australischen Ausdrücken und Redewendungen,
schildert Gwynne die Freundschaft zwischen dem vierzehnjährigen Gary,
der Blacky genannt wird, und Dumby Red, einem Aborigine, die gemeinsam
in einer kleinen Küstenstadt im Süden Australiens Football spielen, die
einzige Aktivität, die die bunte Ansammlung von Städtern am Port und
die Gemeinschaft der Aborigines am Point eint. Der Held erzählt vom
großen Football-Endspiel und entwirft dabei ein intensives Bild der
Dorfgemeinschaft und seiner eigenen Familie. Der Leser erfährt von den
ungeschriebenen Gesetzen in der Mannschaft, der selbstverständlichen
Erniedrigung der Aborigines durch die Weißen und den hartnäckigen
Vorurteilen im täglichen Miteinander. Als Dumby Red bei einem Einbruch
getötet wird, bricht die fragile Gemeinschaft auseinander, und Blacky
erkämpft sich gegen die Denkweise seines gesamten Umfelds eine eigene
Haltung. Seine stille Rebellion ist auch der Abschied von der eigenen
Kindheit. Philip Gwynne hat 1999 für jüngere Leser „The Worst Team
Ever“ in der berühmten „Aussie Bites Serie“ veröffentlicht. Auch in
„Nukkin Ya“ (2000; dt. „Blacky, Lovely und der ganze Bullshit“, 2003),
dem zweiten Band der Geschichte um Blacky, sind die unverändert
fortbestehenden Konflikte zwischen Weißen und Aborigines zentrales
Thema. Der inzwischen 15-jährige Blacky ist in Clarence, eine Nunga,
verliebt. Diese Liebesbeziehung bringt ihm die Welt der Aborigines
näher, und gleichzeitig erlebt er die Folgen, die aus dem auf beiden
Seiten herrschenden Rassismus entstehen. Gwynnes Jugendroman „Jetty
Rates“ (2004; dt. „Ein fetter Fang im langweiligsten Kaff der Welt“,
2006), der im Juli 2006 vom Institut für Jugendliteratur zum Buch des
Monats gekürt wurde, handelt vom Erwachsenwerden und der schweren
Aufgabe, den Verlust eines geliebten Menschen zu überwinden. Für den
13-jährigen Hunter ist das Leben nicht mehr dasselbe, seit sein Vater
auf See verschollen ist. Erst als sich sein großer Traum erfüllt und es
ihm – wie schon zuvor seinem Vater – gelingt, den seltenen Riesenfisch
Mulloway zu fangen, wendet sich sein Leben zum Guten.
Gemeinsam mit dem Regisseur Paul Goldman schrieb
Philip Gwynne auch das Drehbuch für den Kinofilm „Australian Rules“,
basierend auf „Deadly, Unna?“ und „Nukkin Ya“. Der Film hatte 2001
Premiere auf dem Sundance Film Festival in Utah/USA und wurde im
Frühjahr 2002 auf dem Adelaide Festival in Australien gezeigt und
kontrovers diskutiert.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
The Worst Team Ever
Penguin Books Australia
Ringwood, 1999
Wir Goonyas, ihr Nungas
Sauerländer
Aarau, 2001
[Ü: Cornelia Krutz-Arnold]
Blacky, Lovely und der ganze Bullshit
Sauerländer
Düsseldorf, 2003
[Ü: Cornelia Krutz-Arnold]
Born to bake
Puffin
Camberwell, 2005
[Ill. Gus Gordon]
Ein fetter Fang im langweiligsten Kaff der Welt
Sauerländer
Düsseldorf, 2006
[Ü: Ilse Rothfuss]
Crazy for cake
Running Press
Philadelphia, 2007
[Ill. Gus Gordon]
Übersetzerin: Cornelia Krutz-Arnold, Ilse Rothfuss |