Gast beim ilb 2002
Zoran Drvenkar
gehört zu den profiliertesten deutschsprachigen Kinder- und
Jugendbuchautoren der Gegenwart. Er wurde 1967 in Krizevci/Kroatien
geboren, zog 1970 mit seinen Eltern nach Berlin und lebt heute in einem
kleinen Ort in Brandenburg. Seit 1989 arbeitet er als freier
Schriftsteller und erhielt für die Arbeit an seinen Romanen, Gedichten,
Theaterstücken und Kurzgeschichten zahlreiche Stipendien und Preise,
u.a. 1999 den „Science-Fiction-Preis“ der Berliner Festspiele und der
Literaturwerkstatt Berlin für seine Erzählung „Die alte Stadt“, 2000
den „Münchner-Jugend-Dramatikerpreis“ und 2001 den
„Würth-Literaturpreis“. 1998 begeisterte Zoran Drvenkar mit seinem Debütroman „Niemand so stark wie wir“, der mit
dem „Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 1999“ prämiert wurde, und
dem 2000 „Im Regen stehen“ folgte. In den Straßen Westberlins der
siebziger Jahre entdecken Zoran und seine Freunde in ihrem kleinen Kiez
das große Leben: die Leidenschaft für Fußball, das Fernsehen und die
Kämpfe der Banden und Cliquen, die Zerwürfnisse zwischen Eltern und die
erste heftige Liebe.
Auch in „Touch the flame“ (2001) präsentiert sich
der Autor als genuiner Erzähler. Einem Roadmovie gleich handelt dieser
Jugendroman von einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung. Drvenkar
beschreibt die aufregenden Tage des fünfzehnjährigen Lukas zwischen
Berlin und Hamburg; angefüllt mit
Begegnungen, Sprüchen, Abenteuern, Enttäuschungen und Hoffnungen. In
einer Tour de force begegnet der junge Protagonist seinem jahrelang
verschollenen Vater Ritchie, seinem kriminellen Onkel, lernt seinen
Halbbruder kennen und trifft seine faszinierende Cousine. In seinem
Jugendroman „Cengiz & Locke“ (2002) erweist sich Drvenkar ein
weiteres Mal als herausragender Vertreter der deutschsprachigen
Jugendliteratur. Mit unbestechlicher Ehrlichkeit, großer sprachlicher
Authentizität und rasantem Erzähltempo fängt der Autor das Lebensgefühl
pubertierender Jugendlicher ein und ist seinen jungen Helden dabei so
nah wie kaum ein Autor. Es geht um Großstadt, um rivalisierende Gangs
und um Freundschaften unter Jungen, die zwischen kameradschaftlicher
Treue, Angst vor zu viel Verletzbarkeit, gegenseitigem
Verantwortungsgefühl und lässiger Fassade rangieren. Cengiz, der
sechzehnjährige Türke, der aussieht wie ein Mongole, und Locke, ein
vierzehnjähriger Deutscher, der eigentlich Matthias heißt, geraten an
einem Wochenende in eine Spirale der Gewalt, aus der es kein Entrinnen
zu geben scheint. „Cengiz & Locke“ wurde mit
dem Luchs des Jahres 2000 ausgezeichnet. 2002 veröffentlichte Drvenkar
sein Kinderbuch „Der einzige Vogel, der die Kälte nicht fürchtet“. In
einer Geschichte, die „Bilderbogen, Märchenerzählung und
Abenteuergeschichte mit Witz“ (FAZ)
zugleich ist, erzählt der Autor hier trocken und pointiert vom klirrend
kalten Winter: Nachdem seit einer halben Ewigkeit auf der Erde
bitterste Kälte herrscht, macht sich der junge Ricki auf, ein ernstes
Wörtchen mit dem Winter zu reden und
trifft dabei auf einen skurril-verrückten Vogel, der verdächtig nach
einem Pinguin aussieht und vorgibt, der einzige Vogel zu sein, der die
Kälte nicht fürchtet. So entspinnt sich ein originelles, verschrobenes
Märchen voller Hintersinn, mit dem
Drvenkar seinen jungen Lesern mehr erzählt als nur eine poetische
Geschichte. Sein vorlauter Pinguin ist eigentlich eine tragische
Gestalt: Er kann nicht fliegen, wünscht sich aber nichts mehr, als ein
richtiger Vogel zu sein. Drvenkars Erfolg als Jugendbuchautor setzt
sich mit seinem Jugendroman "Sag mir,
was du siehst" (2002) und dem Kinderbuch "Du schon wieder" (2003) fort.
Mit „Die Kurzhosengang“ veröffentlichte Drvenkar 2004 einen originellen
und humorvollen Kinderroman über eine Jugendbande. Im Fernsehen
berichten Rudolph, Snickers, Island und Zement von ihren unglaublichen
Abenteuern, die sie gemeinsam heldenhaft gemeistert haben und denen sie
ihren Namen „Die Kurzhosengang“ verdanken. Der Roman, den Drvenkar
unter dem Pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois vorlegte, wurde
2005 mit dem Deutschen
Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. In dem Fortsetzungsroman „Die
Rückkehr der Kurzhosengang“, der 2006 unter Drvenkars Namen erschien,
gehen die turbulenten Abenteuer der Jungenbande weiter. Seine
Vielseitigkeit als Autor bewies Zoran Drvenkar erneut mit
seinem Gedichtband „Was geht wenn du bleibst“ (2005). Gegenstand seiner
Gedichte ist die Vielfalt menschlicher Gefühle auf dem Weg zum
Erwachsenwerden. „Was geht wenn du bleibst“ wurde 2006 von der
Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Für sein
weibliches Publikum hat Drvenkar das Buch
„Paula und die Leichtigkeit des Seins“ (2007) geschrieben, das vom
Leben einer 8-Jährigen erzählt, die darunter leidet, dick zu sein. Von
den Abenteuern, die Zarah und vier Freundinnen im Wald auf der Suche
nach dem Räuberhauptmann Raddek erleben, berichtet die zuletzt
erschienene Geschichte „Zarah – du hast doch keine Angst, oder?“ (2007).
Drvenkar ist auch als Autor für Theater und Film
erfolgreich. Mit dem Theaterstück „Traumpaar“ (Uraufführung 2006)
wendet er sich auch in seinem dramaturgischen Schaffen den Themen
Familie und Freundschaft zu. Ricki soll mit
seiner Schwester nach der Trennung seiner Eltern zum Vater in eine neue
Stadt ziehen und sich von seinen Freunden und seiner Freundin in Berlin
trennen. Aus der Zusammenarbeit mit
Gregor Tessnow entstand nach dessen gleichnamigem Roman das Drehbuch
„Knallhart“, das 2006 unter der Regie von Detlev Buck verfilmt wurde
und im gleichen Jahr den Deutschen Filmpreis in Silber als bester
Spielfilm erhielt.
© internationales literaturfestival berlin
BIBLIOGRAFIE:
Niemand so stark wie wir
Rowohlt Rotfuchs
Reinbek, 1998
Im Regen stehen
Rowohlt Rotfuchs
Reinbek, 2000
Die alte Stadt
Eichborn
Frankfurt/Main, 2000
Eddies erste Lügengeschichte
Oetinger
Hamburg, 2001
[Ill. Kerstin Meyer]
Der einzige Vogel, der die Kälte nicht fürchtet
Carlsen
Hamburg, 2001
Anfangs tut es noch weh
Ueberreuter
Wien, 2002
Cengiz & Locke
Carlsen
Hamburg, 2002
Eddies zweite Lügengeschichte
Oetinger
Hamburg, 2002
Sag mir, was du siehst
Carlsen
Hamburg, 2002
Du schon wieder
Carlsen
Hamburg, 2003
Du bist zu schnell
Klett-Cotta
Stuttgart, 2003
Der Winter der Kinder oder Alissas Traum
Rowohlt
Reinbek, 2003
Eddie im Finale
Oetinger
Hamburg, 2004
Die Kurzhosengang
[unter dem Pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois]
Carlsen
Hamburg, 2005
Yugoslavian Gigolo
Klett-Cotta
Stuttgart, 2005
Was geht wenn du bleibst: Gedichte
Carlsen
Hamburg, 2005
Die Nacht, in der meine Schwester den Weihnachtsmann entführte
Carlsen
Hamburg, 2005
Touch the flame
Süddeutsche Zeitung (Junge Bibliothek)
München, 2006
Wenn die Kugel zur Sonne wird
Altberliner-Verlag
Berlin, 2006
Die Rückkehr der Kurzhosengang
[unter dem Pseudonym Victor Caspak & Yves Lanois]
Bloomsbury
Berlin, 2006
Paula und die Leichtigkeit des Seins
Bloomsbury
Berlin, 2007
Zarah - du hast doch keine Angst, oder?
Bloomsbury
Berlin, 2007
[Ill. Baltscheit, Martin] |